AW: monofiles Vorfach beim Pollakfischen?
Die Pufferwirkung eines Monovorfachs ist keine Glaubenssache, sondern kann anhand der Herstellerangaben zumindest grob abgeschätzt werden.
Eine monofile Schnur hat eine Dehnung von 15-30% bei einer einwirkenden Kraft, die so groß wie die Tragkraft ist (also kurz vorm Zerreißen). 25% Dehnung z.B. bedeutet, daß die Schnur um 25% länger geworden ist. Ein 2m langes Vorfach wäre demnach kurz vor dem Abriß auf 2,50m gestreckt. Der Puffer betrüge also 50cm und das ist im Vergleich zur Durchbiegung der Rute (was ebenfalls einen Puffer darstellt) durchaus nicht unerheblich.
Allerdings gilt das nur bei einer Krafteinwirkung in der Größenordnung der Schnurtragkraft. Beträgt die Kraft nur ein 1/10 ist der Pufferweg auch nur 1/10 (ist wie bei einer Feder ungefähr linear).
Verwendet man also eine 1mm dicke Vorfachschnur (Tragkraft ca. 50Kg) und läuft die Bremse bei 5Kg an, beträgt der Pufferweg bei einem 2m langen Vorfach gerade einmal 5cm.
Nicht der Rede wert. Bei einer Tragkraft von 20Kg (~ 0,6mm) sind es dann bereits 12,5 cm beim 2m-Vorfach. Auch das ist noch bescheiden. Bei einer 30lbs (13,6kg) Hauptschnur macht es dann allerdings keinen Sinn ein noch dünneres Vorfach zu verwenden: berücksichtigt man nämlich den Verlust der Tragkraft durch Knoten (ca. 30%) bei den 20Kg des Vorfachs kommt man effektiv auch auf rund 14Kg.
Aber selbst wenn man eine dünnere Hauptschnur und dünnere Vorfächer verwenden kann, die Pufferwirkung eines 2m-Vorfachs wird immer recht bescheiden sein.
Die beste Lösung ist deshalb immer der wind on leader, also das Vorfach was mit aufgewickelt werden kann und was bogus hier beschrieben hat. Bei einer Vorfachlänge von 5m werden dann aus den 12,5cm schon wesentlich bessere 31cm, oder eben noch mehr, wenn man ein noch dünneres Vorfach verwenden kann.
Allerdings, je dünner man das Vorfach nun wählt, desto kleiner ist der Schutz gegen Abrieb und Fischzahn. Nach unten hin sind also auch Grenzen gesetzt.
Auch hier ist der wind on leader im Vorteil. Man kann die Tragkraft der Mono analog zur Tragkraft der Hauptschnur wählen und erhält die optimale Pufferwirkung und schaltet noch ein normales, nicht aufwickelbares und ca. 1m langes zweites Vorfach vor, welches wie gewohnt in den Einhängewirbel eingehängt wird. Dies kann dann je nach Anwendung dick ausfallen, denn hier spielt die Pufferwirkung keine Rolle mehr, sondern der Schutz vor Abrieb steht im Vordergrund.
Weiche Monoschnüre haben in der Regel eine höhere Dehnung und eine geringere Tragkraft und sind deshalb für den wind on leader recht gut geeignet, z.B die Norwegenvorfachschnüre der Firma GigaFish.
Man kann für die wind on leader natürlich mehr als die 5m nehmen, aber einerseits ist auch eine 0,6mm Schnur schon recht sperrig beim Aufwickeln und je länger das Vorfach wird, desto mehr schwinden auch die Vorteile der geflochtenen Hauptschnur mit ihrer geringen Dehnung, nämlich der direkte Kontakt zu Köder und Fisch.
Die beste Verbindung zwischen Mono und Hauptschnur erhält man übrigens beim Einsatz eines Stücks "hollow", in die Hauptschnur und Mono eingespleißt werden und die auch so wenig aufträgt, daß es sogar bei Inlinern funktioniert. Aber das ist ein anderes Thema.
Gruß Dieter