Lachsangeln Vancouver Island, BC

16.8. 2026, Bamfield – Tag 1

Die Jungs wollten frueh raus und so waren wir schon kurz nach 6 Uhr abfahrbereit. Unsere beiden Kleinboote liefen zum Cape Beale aus waehrend Glenn mit seinen beiden Soehnen und seiner Schwiegertochter auf dem Guideboot Richtung Japan abdueste. Mit Ian und Dave hatte ich eine erfahrene Crew und wir kannten die Fischgruende hier gut. Ich fuhr uns direkt an den Fjordeingang beim Cape Beale wo wir zwischen einigen Felsklippen und Felsen ein produktives Kelpfeld wussten. Wenn dort Futterfisch stand dann wuerde es bald rappeln. Das Wasser um Cape Beale ist immer rauh und wellig. Dort brach sich die Duenung und die Wellen reflektieren von der Kueste zurueck und treffen auf die naechste reinkommende Wellenfolge. Ausserdem gab es dort ein Aufwellen weil das tiefere Wasser von draussen vom ploetzlich hochkommenden Boden und vielen Untiefen hochgedrueckt wird. Wir nennen das den Waschmachineneffekt und dementsprechend schuettelte es uns gut durch und es musste immer einer von uns eine Hand am Lenkrad und ein Auge auf die Umgebung haben. Auch weil noch einige andere Boote die gleiche Gegend befischten. Dave fischte mit Koederfischsystem und Ian hatte einen Blinker dran. Dave war heiss auf Fisch und wollte seine Truhe zuhause fuellen. Es war sein einziger Angeltrip dieses Jahr. Ian und ich fischten regelmaessig zu Hause und waren daher etwas entspannter. Wir teilten und die andere Bootsseite waehrend Dave eigentlich immer seine Rute im Einsatz hatte. Und die erste Aufregung kam auch von Dave’s Seite – seine Rute ruckte los und er sprang hinzu und kurbelte an. Wir waren gerade genau am Kelpfeld und an einer felsigen Untiefe die bis auf 13 m hochkam. Dave konnte den Biss nicht verwerten und vergass im Moment den Downrigger hochzuholen und so riss es ploetzlich hart am Rigger und schwupps war das Kabel schlaff. Mist! Gluecklicherweise hatte es aber “nur” das 6 Kg Blei abgerissen und die ganze Montage mit Clip und so war noch dran. Das Blei war schnell ersetzt, die ganze Montage wieder anzuroedeln haette locker 30 Minuten gekostet und waere bei der Schaukelei auch kein Spass gewesen.

Aber jetzt wussten wir das Fisch hier war. Ian verbuchte den naechsten Biss und auch der blieb nicht haengen. So kam meine Rute mit der Flashfly zu Einsatz und baem keine 10 Minuten spaeter wurde meine Rute brutal nach unten gerissen. Ein guter Fisch blieb haengen und kaempfte gut. Er hatte ein paar kurze aber heftige Fluchten in sich, die ich aber alle gut parieren konnte. Dann kam er unwillig in Bootsnaehe. Guter Teener, meinten wir alle. Ein paar Ueberraschungen hatte er aber noch im Programm als er partout nicht zum Kescher wollte. Aber dann sackte Ian ihn ein. Feiner Fisch! Vielleicht 17-18 Pfund! Als wir wieder am Schleppen waren, wollte ich gerade zur Fangstelle zurueckdrehen als Dave’s Rute auf Tauchstation ging. Wow, der Fisch wollte einfach nur weg! Eine lange Flucht und ich war schon besorgt das andere Boote ahnungslos ueber Dave’s Schnur fahren konnten. So drehte ich Richtung Fisch und versuchte dichter am Fisch zu bleiben. Dave musste dabei kurbeln wie ein Berserker. Aber das Manoever gelang und nun musste Dave den Fisch nur noch muede kriegen. Dave betete das der Haken hielt. Nach vielleicht 10 Minuten war der Fisch dann platt und wieder sackte ihn Ian fachgerecht ein. Ein Klon meines Lachses! Wir klatschten uns freudig ab.

Und so verlief der Morgen kurzweilig wenn auch nicht heiss. Alle 20-30 Minuten rappelte es an einer unserer Ruten. Besonders an Dave’s Rute. Ob es die Koederwahl oder einfach der eiserne Wille war, aber Dave fing deutlich mehr als Ian und ich zusammen. Es kam ein Trupp hungriger und guter Cohos durch und wir behielten 3 davon. Einer war markiert, die meisten nicht. Hier im Barkley Sound konnte man 2 Cohos pro Lizenz pro Tag behalten, davon durfte hoechsten 1 unmarkiert sein. Die Cohos waren ein toller Spass weil die meistens sehr aggressiv bissen. Man fuerchtete manchmal fast das der Rutenhalter brach. Die mussten in voller Fahrt den Koeder einfach mitreissen; zumindest sahen die Bisse so aus. Die Chinooks bissen dagegen etwas ruhiger und zaghafter. Wir liessen noch 2 Chinooks so um die 8-10 Pfund wieder frei. Wir wollten nicht die Lizenz mit solchen Kleineren fuellen.

Ueber Funk hoerten wir das Jerrod’s Crew auch ein paar Cohos fingen. Grosse Chinooks hatten sie aber noch nicht erwischt. Glenn meldete sich von Offshore, sie haetten ihre 4 Heilbutte erwischt, auch 2 Lings und einen Sablefish. Aber das Wasser waere bruehwarm mit Millionen von Quallen versaut. Man koennte ueberhaupt nicht auf Lachs schleppen. Blauhaie wuerden um das Boot zirkeln. Das Wasser waere allerdings ruhig und keiner war seekrank. Eine Ueberlegung fuer uns fuer morgen.

Wir wollten aber das ruhige Wetter heute noch fuer paar ufernahe Bodenraeuber nutzen. Jerrod hatte Dave eine faengige Stelle fuer Lingcods verraten. Man muesste die dort schleppen, nicht wie ich sonst pilken. Ich fuhr uns am Cape Beale vorbei, ein paar Kilometer Richtung Port Renfrew. Kurz nach dem Cape war das Meer ploetzlich herrlich still und glatt. Ein Genuss! Ein Buckelwal tauchte auf und bald eine ganze Gruppe von Seeottern. So weit suedlich waren diese niedlichen Tiere nun schon angekommen. Vor 25 Jahren gab es die erst ganz im Norden von BC. Vor 100 Jahren waren sie bis auf ganz oben in Alaska ueberall in Nordamerika schon ausgerottet. Dann kamen wir an der Lingstelle an. Besser eine Lingstrecke denn es war kein individuelles Riff oder Untiefe sondern ein mit Steinen belegtes Plateau. Wir schleppten grosse Gummifische am Downrigger und mussten nur aufpassen, dass die Downriggergewichte nicht in den Steinen haengenblieben. Hier zeigte sich Ian’s Kunst; nicht umsonst wurde er zuhause der Ling-King genannt. Er bekam Biss auf Biss und brachte regelmaessig Lings an die Oberflaeche. Allerdings waren die meisten untermassig. Hier konnte man gut sehen warum es so spaet in der Saison schwer ist gute Bodenraeuber ufernah zu finden. Viele der Lings die Ian und Dave hochbrachten waren 62-64 cm lang. Das Mindestmass ist 65 cm. Die gut erreichbaren und befischbaren Stellen sind Mitte/Ende August einfach abgefischt.

Aber wir hatten Ausdauer und am Ende fand Ian 2 massige Lings und Dave einige gute Felsenbarsche. Damit war meine Fischkiste rappelvoll und wir kehrten kurz nach 14 Uhr heim. Besonders Dave hatte viel zu filetieren. Wir waren zufrieden mit dem ersten Tag und ueberlegten uns schon eine Strategie fuer den zweiten Tag. Glenn riet von Offshore ab weil der Guide meinte es wuerde dort morgen ruppig werden. Sie wuerden morgen auch nur ufernah fischen. Auch weil Glenn’s Crew jetzt Lachs wollten; Bodenfisch hatten sie ja schon genug von heute. Fuer mich war die Entscheidung schwer; ich wollte gerne Heilbutt, Ian auch, und offshore wuerden wir sie sicher kriegen. Vielleicht nur Kleinere, aber immerhin fast sicher. Ufernah kann man auch welche fangen aber die Chancen waren vielleicht 50/50. Dafuer aber wahrscheinlich bessere Groessen. Was tun? 3 Stunden hin und zurueck gegen Wellen kaempfen fuer 3 kleinere Butte oder sich die Zeit, das Benzin und die Schuettelei sparen und auf einen der wenigen Uferbutte hoffen? Schwierige Entscheidung!

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17.8. 2026, Bamfield – Tag 2

Beim Fruehstueck entschieden wir NICHT offshore zu fahren. Wir wollten die Morgenstunden mal den noerdlichen Fjordeingang auf Lachs testen und von dort nach dem Gezeitenwechsel etwas weiter raus verankert auf Heilbutt probieren. Da hatte ich mir die kleinere Untiefe gespeichert wo Ian vor 2 Jahren einen 120 cm Butt erwischt hatte. Vielleicht klappte das ja wieder. Und so waren wir kurz nach 6 Uhr wieder unterwegs, diesmal zur anderen Seite des Barkley Soundes. Jerrods und auch Glenns Guideboot wuerden innerhalb von Cape Beale auf Lachs fischen. Wir wuerden ueber Funk und Text in Verbindung bleiben.

Die Fahrt durch den Fjord war schoen und wurde erst nahe am Nordausgang etwas wackelig. Aehnlich wie am Cape Beale herrschte auch hier oft der Waschmaschineneffekt vor, allerdings nicht ganz so ausgepraegt wie am Cape. Wir setzten uns direkt zwischen und vor die letzten Felsinselchen und schleppten zwischen den vielen Untiefen und Klippen hindurch. Es war erstmal ruhig und die Ruten blieben still. Als ich uns etwas dichter an die von Brandung umtosten Felsen heranfuhr tauchte auf einmal eine grosse Futterfischwolke am Echo auf. Und keine Minute spaeter wurde Daves Rute brutal nach hinten gerissen. Ein fetter Coho war eingestiegen. Waehrend Dave noch drillte, ruckte auch Ians Rute los und auch er hatte einen guten Fisch am Band. Ich musste halb steuern und dann noch Daves Fisch keschern – fuer ein paar Minuten herrschte ziemliches Chaos auf dem Boot. Aber das war positives Chaos und wir freuten uns ueber die schoenen Fische – einer der Cohos war auch ein Markierter, was unserer Quote half. Sonst haetten wir heute nur 3 Unmarkierte behalten koennen.

Jetzt wechselte ich mal mit Ian ab und er fuhr und ich angelte. Wir zirkelten jetzt in der ungefaehren Fanggegend und ploetzlich zog meine Rute mit der Flashfly ab und ich war am Fisch. Der Fisch sprang gleichmal einen Meter hoch aus dem Wasser – ganz klar Coho. Und ich wollte ihn gerade landen als Dave den Kescher fallen lies und zu seiner Rute sprang – schon wieder Doppelbiss! So kescherte ich meinen Lachs selber und freute mich ueber einen weiteren Markierten. Dave brachte bald einen unmarkierten Coho ans Boot und ich loeffelte den auch gleich mit dem Kescher ins Boot. Und schwupps hatten wir 4 schoene Coho an Bord. Ian fuhr weiter Kreise durch die Untiefen und an der Felsklippe vorbei. Aber nun war der Futterfischschwarm verschwunden und damit auch die Lachse. Ich uebernahm wieder das Steuer und fuhr mal eine andere, weiter draussen liegende Untiefe an. Dave verbuchte einen Fehlbiss und stellte jetzt auf einen sehr merkwuerdig aussehenden Blinker um. Nach einer weiteren halben Stunde ruckte Daves Rute wieder los und als er angeschlagen hatte, meinte er: “big fish”. Jawoll, der nahm ordentlich Schnur. Das war Chinook, ohne Frage. Ian holte schnell seine Rute ein und wir konzentrierten uns auf Daves Drill.

Ein breiter Ruecken und eine grosse Schwanzflosse tauchte nach einigem Hin und Her hinter dem Boot auf. Der war gut! Hoffentlich hielt der Einzelschonhaken. Ich stand schon mit dem Kescher bereit aber der Fisch stand noch ziemlich tief und war noch nicht richtig fertig. Ausserdem merkte ich, dass das Wasser nun etwas angetruebt war. Die Flut musste eine Algenbluete von weit draussen reingedrueckt haben. Beim ersten Kescherversuch veschaetzte ich mich und stubste den Lachs mit dem Kescherbuegel an die Nase. Das mochte der gar nicht und er sausste wieder ab. Dave stoehnte und ich entschuldigte mich. Dave sah wohl schon seine volle Gefriertruhe in Gefahr. Aber als Dave den Kerl wieder an das Boot herangearbeitet hatte, langte ich zu und diesmal landete der fette Lachs sicher im Kescher. Ich hievte ihn rein und wir jubelten zu dritt los. Das war mal ein schoener Lachs! 92 cm und gut im Futter. Der duerfte seine 25 Pfund haben. Klasse.

Wir liessen Jerrod und Glenn wissen was bei uns passierte. Glenns Guide hatte wohl auch eine produktive kleine Bucht auf der anderen Fjordseite gefunden. Aber Jerrods Boot war noch nicht so erfolgreich gewesen und wuerden vielleicht bald zu uns stossen. Wir machten unser Ding weiter. Es schnappten nun ein oder zwei Shaker nach unseren Koedern und machte uns damit bewusst, dass wir bisher ueberhaupt keine Kleinfische gefangen hatten. Jeder Biss war ein potentieller Keeper gewesen. Das gibt es auch nicht oft. Ian liess auch noch einen kleineren unmarkierten Coho wieder frei – hoffend auf einen richtigen Brummer.

Ploetzlich hatte ich einen guten Fisch an meiner Rute. Der nahm sogar ein Stueck Schnur und ich dachte schon an den zweistelligen Coho, als ein mittlerer Chinook am Boot auftauchte. Nun gut, dann nehme ich halt den noch mit und hatte damit mein freiwilliges Lachssoll erfuellt. Ich wollte nur genug Lachs mitnehmen um einmal die Raeuchertonne vollzumachen. Aber Heilbutt wollte ich unbedingt noch kriegen. Das truebe Wasser legte sich nun wohl auf die Maegen oder Augen der Lachse denn das Beissen nahm merklich ab. Das war ein guter Abschnitt um jetzt auf Heilbutt umzusteigen. Wir packten das Lachszeug zusammen und fuhren zu der gespeicherten Untiefe. Schnell war der Anker in 80 m Tiefe verlegt und 3 Koederfischruten fertiggemacht. Zwar herrschte eine 2 metrige Duenung aber die Frequenz war zu ertragen und es war kaum Windwelle obendrauf. Eigentlich gute Verhaeltnisse fuer hier draussen. Jetzt konnten wir mal faulenzen und uns allerlei Geschichten erzaehlen.

Wir waren eigentlich sehr hoffnungsvoll das hier was buttmaessig was ginge. Nach 3 Stunden hatten wir allerdings nur 2 Dornhaie vorzuweisen. Offensichtlich war hier heute nichts zuhause. Da nun der Wind auch auffrischte, brachen wir ab und wollten lieber noch ein bisschen auf Lingcod und Felsenbarsche pilken gehen. Und vielleicht biss ja sogar noch ein Butt auf einen Pilkkoeder! Dave suchte uns ein paar vielversprechende Untiefen in Kuestennaehe und die klapperten wir nun ab. An der ersten Stelle biss erst nach einiger Zeit ein Lingcod zu – und der war sogar mit 66 cm gerade massig. Glueck gehabt. Die naechsten Stellen produzierten untermassige Lings und einige schoene Felsenbarsche. Ich fing einen schoenen Red Snapper (Yelloweye Rockfish) der allerdings geschont ist. Der wurde wieder auf Tiefe zurueckgebracht. Eine tolle Adlershow wurde uns dann geliefert als ein wieder freigelassener Canary Felsenbarsch nicht schnell genug abtauchte. Ein Adler stuerzte sich darauf und schleppte den Fisch weg. Er hatte ganz schoen zu kaempfen denn so klein war der Fisch gar nicht gewesen. Den Schluss machte ein Doppelbiss von herrlichen blutroten Vermillion Felsenbarschen, die Ian and Dave landen konnten. Wie aus einem tropischen Riff sahen die aus! Dann ging es wieder mit einer vollen Fischkiste zurueck zum Resort zum Fischeverarbeiten und dann Chillen.

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18.8. 2026, Bamfield – Tag 3

Tag 3 war schon unser letzter voller Angeltag. Und es aenderte sich Einiges. Glenn und seine Truppe reisten schon wieder ab. Glenn hatte noch ein fantastisches Steak Dinner am letzten Abend fuer alle zubereitet. Rob hatte sich leider irgendwie an der Schulter verletzt und konnte nicht mehr mitangeln und blieb im Resort. Demario, Jerrods Sohn musste wegen Arbeit frueher abreisen und so waren wir ploetzlich nur noch 4 Angler. Ian wollte Jerrod nicht alleine auf seinem Boot lassen und wechselte ueber. Und so zogen wir zu viert mit 2 Booten wieder kurz nach 6 Uhr auf’s Wasser. Wir brauchten nicht mehr viel behalten; eon paar Cohos konnten wir noch auf die Lizenzen nehmen; hauptsaechlich markierte waren noch frei. Wenn noch ein grosser Chinook biss, wuerde Dave den vielleicht auch noch behalten. Ansonsten noch Ling und Butt, aber die Chancen auf Butt schwanden. Es sollte heute windig und wellig werden und wir wuerden im Fjord in geschuetzteren Stellen festhaengen.

Dave und ich entschieden uns wieder fuer die nahe Fjordeingangsseite; innerhalb von Cape Beale. Wir fingen wieder in der Waschmaschine an unserem Kelpfeld an und fanden auch da wieder Action. Es war zwar keine heisse Beisszeit aber es biss immermal wieder ein Lachs um es interessant zu halten. Und es waren schoene, fette Cohos die ultra-hart bissen. Das war ein Adrenalinschub wenn die einstiegen. Dave fuellte noch den letzten Platz fuer unmarkierte Cohos auf unseren Lizenzen. Wir haetten noch 2 oder 3 Markierte behalten koenne, aber die schien es heute nicht zu geben. So liessen wir einige feine Cohos wieder schwimmen. Ich experimentierte ein bisschen mit Koedern nachdem mir Glenn einen Trick von seinem Guide verraten hatte. Zwar brachte die Stelle die er uns auf der Karte gezeigt hatte nichts ein, aber der Koeder ueberlistete noch einen schoenen Chinook. Ein feiner Drill und ein schoener vielleicht 15 pfuendiger Chinook lag neben dem Boot. Der Haken sass einfach vorne im Unterkiefer. Dave wollte ihn erstaunlicherweise nicht und ich brauchte ihn auch nicht mehr. Zu gross. Wir hatten ja 1. Welt Probleme. Und so hakte ich den Chinook einfach wieder ab.

Dann juckte es uns nochmal die Lingcods zubesuchen. Wir fuhren als Tandem zu einer etwas entfernteren Stelle mit vielen Kanten. Hier schleppte Dave wieder mit Gummifisch am Downrigger. Ich musste am Steuer blieben um genau die Tiefenlinie abzufahren was bei Wind und einer steilen Kante bei ultralangsamer Geschwindigkeit gar nicht einfach war. Unmoeglich dabei auch noch eine zweite Rute zu bedienen. Jerrod und Ian machten da an einer benachbarten Kante auch so. Nur sie hatten wohl mehr Glueck oder bessere Koeder denn sie erwischten zwei wirklich gute Lings waehrend wir nur untermassige und ein paar Felsenbarsche bekamen. Als Wind und Welle hier nun richtig Betrieb machten, zogen wir uns hinter die erste Inselkette in den Windschatten zurueck. Hier war es sonnig und warm und ruhig. Dave machte unter Deck ein Nickerchen waehrend ich mit den Schleppruten im Einsatz diesen neuen Kuestenabschnitt erkundete. Schoene kleine Straende die sich mit felsigen Abschnitten abwechselten. An einer Untiefe rappelten ploetzlich die Ruten los. Ich landete einen kleineren Chinook und dann noch einen unmarkierten Coho. Dave wurde dadurch wach. Und als ich eine erneute Schleife um diese Stelle drehte, hatte ich erst einen Biss den ich verpasste und waehrend dessen bekam Dave einen Monsterbiss. Sowas hatte ich noch nicht gesehen; die Rute ging in einem Ruck voll runter und die halbe Rute war unter das Boot ins Wasser gezogen und die Rolle kreischte widerwillig auf. Also, wenn noch einer Zweifel an der Eignung und Standhaftigkeit meiner Rutenhalter hatte, jetzt waren die verflogen. Das war eine Wucht als waere ein Motorrad an der Rute haengengeblieben. Und war war es? Werden wir nie wissen! Als Dave unter groesster Muehe die Rute endlich aus dem Rutenhalter raus hatte, war der Fisch weg. Unglaublich. Wir vermuteten einen grossen Coho in voller Fahrt.

In einer versteckten Bucht fanden wir einige schoene Ferienhaeuser mit Dock. Vielleicht koennte man so eines mal fuer unsere Truppe mieten? Dave wuerde das mal erforschen. In der Bucht fingen wir noch ein paar kleine Chinooks die alle wieder schwimmen durften. Dann machten wir etwas frueher Schluss heute. Jerrod und Ian brachten neben den schoenen Lings auch noch paar ordentliche Cohos und Chinooks zum Schlachttisch. Abends sind Dave und ich nochmal zum schoenen Bradys Beach gelaufen. Ein herrliches Fleckchen Kueste.


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19.8. 2026, Bamfield – Tag 4

Der letzte Morgen stand an. Wir wollten nur bis maximal 10 Uhr fischen denn 11 Uhr mussten wir unsere Unterkuenfte raeumen. Rob fuehlte sich leider immer noch nicht wieder im Stande mitzuangeln und so sprang Ian wieder mit auf Jerrods Boot. Wir schleppten beide in Sichtweite innerhalb von Cape Beale. Und wie schon die letzten Tage war es zwar kein Beissfest aber wir hatten regelmaessig Fischkontakt. Besonders eine Stelle, wo ein Unterwasserfelsruecken weit hinauskam, dort kamen Bisse und wir sahen auch einige andere Boote fangen. Wir haetten heute nur noch markierte Cohos oder jeder noch einen Chinook behalten koennen, aber es waren nur wilde unmarkierte Cohos vor Ort. Wir liessen bestimmt noch 3 oder 4 schoene Cohos wieder frei – natuerlich war der wahrscheinlich Groesste dabei! Ich fing ein richtig tiefes Cohomaennchen, mit einer Hakennase die furchterregend aussah. Ich wollte noch ein Foto fuer Euch machen, aber als ich nach dem Handy kramte und Dave meine Rute hielt, schlug der Kerl sich wieder frei. Chinooks liessen sich heute morgen nicht blicken. Jerrod fing noch einen sehr schoenen Coho zum Abschluss und dann war es auch schon wieder vorbei.

Wieder ein erinnerungswuerdiger Tripp mit vielen schoenen Momenten und wirklich schoenen Lachsen. Daves 25 Pfuender war einer der groessten Lachse auf meinem Boot seit Jahren. Was frueher noch Normalgroesse war, ist heute schon selten. Aber es gibt sie noch die dicken Kerle. Leider war das Lingcodangeln nicht sehr produktiv gewesen, bedingt durch die spaete Reisezeit. Und Heilbutt war Komplettausfall; das war wirklich sehr schade.

Bamfield aendert sich nun auch rapide seit die Zufahrtsstrasse befestigt ist. Man hoert mittlerweile viel Deutsch und Oekotourismus verdraengt langsam die Anglerkundschaft. Es wird nicht lange dauern bis der Bradys Beach von einem betuchten Projektentwickler gekauft wird und dort dann ein 4 Sterneresort mit Privatstrand entsteht. Bamfield wird Tofino 2.0. Wer das verschlafene, etwas muffige aber urspruengliche Westkuesten-Fischerdorf Bamfield nochmal so erleben moechte, muss sich beeilen. Und wir muessen weiterziehen in noch abgelegenere Gebiete an der Westkueste.
 
22.8. 2026, East Sooke

Das Boot war kaum gesaeubert vom Bamfieldtrip und der Fisch in der nun vollen Gefriertruhe verstaut, stand schon das naechste Highlight an. Und darauf war ich besonders gespannt. Ihr habt hier letztes Jahr den Bericht von privatecandiru (Tini) auf Seite 55 gelesen, wo er mit seinem Kumpel Jo fuer einen Tag zum Angeln nach Vancouver geflogen war. Sowas Verruecktes hatte ich auch noch nicht gehoert und wir hatten uns dann ueber email mal kurzgeschlossen und das Gleiche nochmal fuer diesen Sommer verabredet. Es stellte sich raus, dass sein Kumpel Jo Pilot bei einer grossen Fluglinie ist und sowieso regelmaessig nach Vancouver fliegt. Und er kann dann auch einen Bekannten guenstiger mitnehmen. Trotzdem verrueckt und ich freute mich die beiden mal kennenzulernen. Sie kamen leider etwas verspaetet in Vancouver an – auch Jo konnte den verspaeteten Start in Deutschland unterwegs nicht mehr ausbuegeln – und so verpassten sie den geplanten Anschlussflug nach Victoria und mussten die Faehre nehmen. Das Fisch-Dinner bei mir war damit auch schon vorbei. Aber irgendwann hatte ich die beiden dann bei uns zuhause und wir machten den Plan fuer die naechsten 2 Tage. Tini hatte allerlei leckere Mitbringsel dabei – unter anderem 14 !!! Tueten Erdnussflips (gibt es hier nicht). Ich bin fast vom Hocker gefallen!

Morgen wollten wir frueh raus zu den Lachsgruenden. Ich hatte Tini vorher schon gesagt, das so eine Kurzreise zum Meeresangeln natuerlich immer auch das Risiko eines Windausfalltages mit sich trug. Als regelmaessiger Norwegenfahrer wusste er das natuerlich und war auf alles gefasst. Und es sollte naemlich wirklich windig werden. So sehr, dass ich fuer mich alleine wahrscheinlich nicht rausgefahren waere an diesem Samstag. Aber da wir nur den einen Tag hatten und vielleicht noch einen Kurztrip am Sonntagmorgen, musste es eben gehen. Natuerlich kenne ich paar windgeschuetzte Ecken an denen man eigentlich immer angeln kann, egal was der Wind macht. Allerdings war da keine Garantie das dann und da auch Fische vor Ort waren. Lachse sind Wanderfische und keine standorttreuen Rifffische. Und so wollte ich es in der Beecher Bay in East Sooke probieren. Dort konnte man sich in den Wndschutz der Bucht zurueckziehen und wenn Futterfisch tief in der Bucht stand, dann kamen auch Lachse hinein. Gluecklicherweise war an diesem Samstag eine starke Flut ab dem Morgen was oefter den Futterfisch und dann auch die Lachse dicht unter Land bringt. Weit raus wuerde uns der angesagte Wind nicht lassen.

Es ist jetzt gerade absolute Lachshochsaison im Meer. Die dicken Chinooks ziehen noch zahlreich durch die JDF Strait vor dem Suedzipfel der Insel. Die grossen Cohoschwaerme waren auch schon da und wuerden sicher noch dichter ueber die naechsten Wochen. Pinks gibt es dieses Jahr nicht – nur in ungeraden Jahren zogen die zum Fraser River. Die Rotlachse (Sockeye) sollten diesen Sommer laut Modellen auch zahlreich ziehen. Das hatte sich allerdings leider nicht bestaetigt und so gibt es diesen Sommer, wie letztlich so oft, keine gezielte Fischerei auf diese. Aber fuer Chinooks und Cohos sollten wir gute Chancen haben wenn wir an die guten Stellen rankaemen. Ich kuendigte einen Fruehstart um 5 Uhr morgens an. Das hiess 5 Uhr Abfahrt und kurz nach 6 angeln. Trotz langer Reise und Jetlag waren beide putzmunter und standen 5 Uhr am Auto bereit. Es wurde gerade hell als wir das Boot im Wasser hatten und noch vor der grossen Flotte aus der Cheanuh Marine heraustuckerten. Wir hoerten von einem heutigen Fishing Derby an der selben Marina. Das konnte voll werden. Wir fuhren an den Ausgang der Beecher Bay und zu meinem erfreulichen Erstaunen hielt sich der Wellengang trotz guter Brise in Grenzen. Das war machbar. Tini meinte sogar das waere Kinderkram fuer Norwegen. Ok, ok, wir sind hier ein bisschen verweichlicht! Ploetzlich tauchte ein Buckelwal ziemlich dicht vor dem Boot auf. Wir hielten kurz an um ihn weiter zu beobachten aber er blieb erstmal unten. Ich fuhr uns weiter bis kurz vor Beechy Head, eine Felsnase die bei Flutstroemung immer Lachse hergibt. Es waren schon einige andere Boote hier unterwegs. Wir machten 2 Ruten klar und ich wiess die beiden am Geraet ein. Sie hatten ja schon ein bisschen Erfahrung mit Downriggern vom letztjaehrigen Guidetrip in Vancouver. In einem Tiderip bekamen wir auch schnell einen ersten Biss auf einen Blinker, allerdings blieb der Fisch nicht haengen. Dann passierte erstmal nichts mehr. Ein herrlicher Sonnenaufgang folgte. Es war sehr rauchig von den Waldbraenden auf dem Festland gewesen aber der heutige Westwind hatte den Rauch weggeblasen und wir konnten wieder frische Pazifikluft atmen.

Die Flut war schon voll im Gange und drueckte uns zurueck nach Osten. Ich kreiste ein bisschen am Buchteingang herum – nichts. Der Buckelwal tauchte nun mehrfach wieder in einiger Entfernung auf. Also Futter schien da zu sein. Bald fuhren wir wieder Richtung Westen. Auf keinem der Boote sahen wir irgendwelche Action und so fuhr ich gleich bis zur Trap Shack weiter. Auch hier waren bestimmt 20 Boote am Schleppen aber auch hier war tote Hose. Die beiden stellten sich wohl schon auf einen Schneidertag ein aber ich hielt die Erwartung hoch. Man faengt kaum mal Lachse ueber den ganzen Tag gleichmaessig verteilt. Normalerweise erlebt man stossartige Beisszeiten wenn neue, hungrige Schwaerme an einer Stelle ankamen oder wenn vorhandene Lachse ploetzlich in Beisslaune kamen. Dann kann sich das Fangglueck ploetzlich ganz schnell wenden. Da an der Trap Shack nichts passierte und auch keinerlei Action auf anderen Booten zu sehen war, liess ich uns von der Stroemung schnell wieder zum Beechy Head zurueckspuelen. Da ruckte ploeztlich die Backbordrute los und Jo schnappte sich die Rute. Ich rief ihm noch zu das die Schnur schon aus dem Clip raus war und er schon direkt am Fisch war. Aber das spuerte er schon selbst denn der Fisch riss schon etwas Schnur von der Rolle.

Tini holte die andere Rute ein und ich sah zu das wir von den anderen Booten etwas wegkamen. Jo hatte mit seinem Gegner zu tun. Das war auf jeden Fall ein Chinook, so wie der kaempfte. Einmal dachten wir kurz der Fisch waere weg aber er kam nur auf das Boot zugeschwommen. Ich rief Jo zu Gas zu geben beim Kurbeln. Noch ein paar kurze Fluchten und Sprints direkt am Boot und dann konnte ich ihn keschern. Wir hielten ihn kurz an die 75 cm Markierung an meinem Boot – der war leider zu gross und musste wieder zurueck. Ein kurzes Foto und er durfte wieder schwimmen. Ich ermunterte die beiden, dass da sicher noch mehr kommen wuerde. Und so war es auch. Jetzt ging die Beisserei erst richtig los. Wir fanden einen Schwarm Cohos und nun kamen die Bisse schnell und hart. Der erste war ein Unmarkierter und musste auch wieder schwimmen. Den naechsten Biss hatte Jo und er brachte einen kleineren Coho ans Boot. Wir schauten nach der Fettflosse – keine dran, klasse! Ich wuppte den Fisch gleich am Vorfach ueber die Bordwand und wollte ihn ablegen – aber irgendwie hing die Schnur oben fest. Ich rief Jo zu mehr Schnur von der Rolle zu ziehen – ich dachte da hing es fest. Aber komischerweise bekam ich nicht mehr Schnur obwohl Jo nun mehr als genug abgezogen hatten. Ich schaute hoch und sah dass sich der Flasher im Wind in den Kescher verwickelt hatte. Nun tobte der Fisch, den ich an der Schnur hielt, Tini warnte mich, das Boot schwankte und der sich windende Fisch schaukelte ueber die Bordwand nach aussen und hakte sich dort selber ab und fiel ins Meer. Das gibt’s doch nicht! Fassungslos schaute ich Tini in die Augen and schuettelte nur noch lachend den Kopf. Der sollte einfach nicht gewesen sein! Das hatte ich auch noch nicht erlebt.

Schnell gingen die Koeder wieder ins Wasser und innerhalb von paar Minuten bekamen wir einen Doppelbiss. Beiden kamen ans Boot und beide waren markiert! Schnell beide gekeschert und beide eingeboxt. Die Jungs strahlten nun. Volles Chaos. Ich wechselte den Blinker fuer ein weisses Squidimitat und Jo war sofort wieder am Fisch. Diesmal ein wilder – wurde nur abgehakt. Dann wurde es mal eine Weile ruhig; wir schienen den Trupp verloren zu haben. Aber nach vielleicht 15 Minuten rappelte eine Rute wieder los. Wieder ein unmarkierter. Tini wollte seine Schnur gerade in den Downriggerclip einklemmen als ein Coho ihm praktisch die Schnur aus der Hand riss. Fish On! Und der war markiert - ab in die Kiste! Ich machte eine dritte Rute fertig mit einem Blinker der nur 15 m hinter dem Boot auf der Oberflaeche tanzte. Tini winkte unglaeubig ab aber innerhalb von Minuten riss es ploetzlich hart an dieser dritten Rute und ein wunderschoener markierter Coho kam nach beherztem Drill in den Kescher. So langsam fuellte sich die Kiste. 6 markierte Cohos konnten wir zu dritt mitnehmen. Plus 3 Chinook bis 75 cm wenn wir welchen erwischten.

Wir erlebten eine fantastische Cohofischerei. Wir hatten mehrere Doppeldrills und die Jungs waren mittlerweile super eingespielt am Geraet. Gegen 13 Uhr hatten wir unsere Cohoquote erfuellt und konnten nun nur noch auf Chinook hoffen. Gegen 14 Uhr kam dann ein steifer Westwind auf und wir strichen zufrieden die Segel. Tini schaetzte wir haetten 20-25 Cohos gefangen, dazu den vielleicht 80 cm Chinook und noch etliche Lachse im Drill oder schon beim Biss verloren. Bis auf die ersten 1,5 Stunden war das eine sehr spannende und aufregende Angelei gewesen. Und die Angelbedingungen waren doch besser als erwartet gewesen. Passt! Wir warfen noch eine Tuete Eiswuerfel auf die Fische und nahmen alles mit nach Hause. Dort wollte Tini in Ruhe filetieren. Er war sehr zufrieden mit der Ausbeute und der Fleischqualitaet. Coho ist aber auch was Feines!

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23.8. 2026, Sooke

Waehrend wir abends in einem Victoria Restaurant feinen Sablefish, Seafood Chowder und Octopus genossen, machten wir den Plan fuer den naechsten Tag. Es blieb zum Angeln nur der Morgen; um 13 Uhr ging schon wieder die Faehre nach Vancouver. Jo wollte ausschlafen da er den Jumbo ja nach Hause fliegen musste. Aber Tini war noch heiss auf eine weitere Ausfahrt. Der Wind sollte besser werden als am Samstag und so beschloss ich es im Westen vor Sooke zu probieren. Wieder fuhren wir 5 Uhr morgens zu Hause los und waren noch vor 6 Uhr an der Prestige Bootsrampe in Sooke. Slippen ging ruckzuck und Parkplaetze waren auch noch vorhanden. Wir fuhren den Sooke Fjord raus und liessen noch die Krabbenfalle kurz vor der Muendung rein. Nicht das beste Krabbenrevier, aber hin und wieder klappt es dort schon. Dann fuhren wir 15 Minuten die Kueste gen Westen. Es war angenehm ruhig und nur die Wellen anderer Boote schuettelten uns hin und wieder. Ich hielt am Otter Point an. Eine der wenigen Felsnasen von denen man auch vom Ufer an die Lachse herankommt; und es waren auch einige Uferangler unterwegs.

Schnell setzten wir 2 Ruten an den Downriggern ein. Die eine bestueckte ich heute mal mit Koederfisch. Das sollte auch die traegen und schon auf’s Laichen fokusierten Grosschinooks nochmal interessieren. Dann reihten wir uns in die Flotte von vielleicht 20 Booten ein und zogen den bekannten Schleppzirkel vor dem Otter Point und anliegendem Strand. Wie gestern blieb es erstmal wie tot. Auch auf den anderen Booten schien sich nichts zu tun. Einen kurzen Ruck verbuchten wir an der Koederfischrute aber es blieb nichts haengen. Nach einer Dreiviertelstunde riss es ploetzlich hart wieder and der Koederfischrute und Tini schnappte sich die Rute aus dem Halter - aber wieder war nichts dran. Der Koederfisch war am hinteren Ende zerfleddert. Die bissen nur ganz spitz, wenn ueberhaupt. Es war aber viel Futter auf dem Schirm und ich war mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit war, bevor die vorhandenen Lachse Hunger bekamen. Aber eines hatten wir heute nicht: viel Zeit. Um 10 Uhr war spaetestens Schluss.

So entschied ich noch weiter nach Westen zum Muir Creek zu verlagern. Die dortige Scharkante hielt eigentlich immer Lachs und ich sah auch einen Freund und guten Angler, Graham, dort seine Runden ziehen. Dort angekommen meldeten die das sie gerade einen uebermassigen Chinook wieder zurueckgesetzt hatten. Wir schleppten nun in der Gleichen Gegend. Aber es blieb noch ruhig. Ich machte nun auch noch die dritte Rute mit einer Tauchschaufel und einem Blinker fertig. Und da kam auch der erste Biss. Tini griff sich die wild wippende Rute und drillte einen mittleren Coho ans Boot. Unmarkiert. Er wurde sofort wieder abgehakt. Wir stellten eine der Ruten jetzt noch flacher auf etwa 15m Tiefe und sofort schnappte etwas zu und riss die Rute zurueck. Wieder ein unmarkierter Coho.

Wir hatten einen hungrigen Cohoschwarm gefunden und es kamen jetzt regelmaessig Bisse. Ein paar verpassten wir aber einige blieben haengen. Es waren auch einige untermassige Chinooks dabei, aber bis jetzt noch kein markierter Coho oder brauchbarer Chinook. Wir hatten Spass an der Action aber bis jetzt noch nichts in der Kiste. Ich war mir aber sicher das da noch was kam. Die eine Rute liessen wir tief fuer vielleicht einen tiefziehenden Grosschinook, waehren wir die Cohos im Flachen abfassten. Ich schleppte uns jetzt wieder Richtung Otter Point, der Flutstroemung folgend. Ich musste nur aufpassen, dass keine Berufskrabbenfischer ihr Geraet in den Weg gelegt hatten. Dann brachte Tini mal wieder einen kleineren Coho ans Boot und rief erfreut das der markiert waere. Schnell schnappte ich den Kescher und sackte den ein. Zwar nicht viel grosser als 50 cm aber besser als nichts. Die Jungs hatten noch etwas Platz in der Kuehlbox die den Fang mit nach Deutschland bringen sollte.

Kaum war der Fisch versorgt zog die Rute vor Tini ab und er war im Drill. Waehrend ich das so beobachtete, zog die linke Rute auch ab und wir waren im Doppeldrill. Die Lachse saussten in die entgegengesetzte Richtung und Tini kroch unter meiner Rute auf die andere Bootsseite und dann schon wieder zurueck. Tini hatte seinen schoenen Coho bald neben dem Boot und verkuendete freudig das der markiert waere. Ich reichte ihm den Kescher und er versuchte die Sololandung. Das ging wohl alles nicht so glatt denn ich hoerte ihn hinter mir stoehnen und fluchen. Aber ich musste mich selber auf meinen guten Fisch konzentrieren denn dieser auch nicht schlechte Coho war auch markiert und ich hatte keinen Kescher. Beim Versuch ihn am Vorfach ins Boot zu wuppen, bekam er nochmal zweite Luft und raste los und zwar um das Downriggerkabel herum. Blietzschnell musste ich die Rute nun auch einmal um das Kabel drehen und dann flog der Fisch ins Boot und floppte wild zwischen unseren Fuessen. Tini war immer noch mit seinem Fisch am kaempfen und der Verzweifelung nahe. Irgendwie waren Rute, Downrigger verheddert und es ging nicht vor und zurueck und der Fisch schlug wild um sich. Nicht mehr lange und er wuerde den Haken abschuetteln. Ich griff das Vorfach und zerrte den Fisch ueber das Keschernetz und hievte in rein. Gewonnen! Lachend und erleuchtert klatschten wir uns ab und schauten auf die feinen Cohos zu unseren Fuessen. Und damit waren wir schon nur noch einen markierten Coho weg vom Tageslimit fuer Cohos. So schnell kann’s gehen.

Tini versorgte die Lachse und ich machte das Geraet wieder startklar. Und es dauerte nicht lange und wir hatten wieder einen Doppelbiss und Doppeldrill. Diesmal waren beide unmarkiert. Und die Beisserei ging munter weiter. Alles flach. Die tiefe Rute war tot. Einmal brachte ich wieder einen etwas kleineren Coho ans Boot – markiert. Ich schaute Tini kurz an – er nickte und so nahmen wir den auch mit. Damit war die Coho Quote fuer heute voll. Jetzt konnten wir nur noch auf einen Chinook hoffen. Fast schon am Otter Point angekommen, sah ich einen zaghaften Biss. Ich dachte “Shaker” und schlug halbherzig an und war dann ueberrascht doch ziemlichen Widerstand zu fuehlen. Als ich den Fisch heranzerrte, kam etwas Braeunliches zum Vorschein. Eine Jack Mackerel! Ja gibt’s denn sowas? Vor Jahren hatten wir mal eine warme Stroemung die bis tief in die JDF Strait reinkam und Horden dieser gierigen Raeuber mitbrachte. Aber heute haette ich damit ueberhaupt nicht gerechnet. Sie war so 55 cm lang und wuerde gut mit in die Raeuchertonne passen. Was es alles gibt heute!

Wir hatten noch etwa 10 Minuten bis Schlusspfiff und waren nun schon fast an der Spitze des Otter Points. Da zog nochmal eine Rute los und Tini meinte ein guter Fisch. Er nahm sogar etwas Schnur. Sollten wir etwa Glueck haben und noch einen Chinook passend im Entnahmefenster kriegen? Es sah so aus! Etwas grosses Silbernes kam langsam in Sicht. Das koennte der passende Chinook sein. Dann riss der Lachs sein Maul auf und ich sah das weisse Zahnfleisch zwischen den Zaehnen – eindeutig Coho. Tini war die Enttaeuschung ins Gesicht gedruckt. Er fragte zweimal “Wirklich?”, “Bist Du sicher?”. Tot sicher. Und zu seinem Entsetzen war der auch noch markiert. Das war der groesste Coho den wir in den letzten beiden Tage gefangen hatten; wahrscheinlich sogar inklusive meines vorherigen Bamfieldtrips. Das war ein grosser Milchner, schon mit einem sichtbaren Laichhaken. Er war massiv und tief und sicher ueber 10 Pfund. Ein herrliches Tier. Er hing vorne in der Schnautze und konnte ohne irgendeinen Schaden ausgehakt werden. Schnell sausste er wieder in die Tiefe. Hoffentlich um seine grosswuechsigen Gene weiterzugeben.

Tini und ich schwankten zwischen Freude den schoensten Coho wegschwimmen zu sehen und dem Unglauben das gerade der groesste Coho markiert war und nur dann gebissen hatte nachdem wir schon das Coholimit hatten. So ein Pech fuer uns und so ein Glueck fuer den Fisch! Damit packten wir dann auch ein und fuhren zurueck. In der Krabbenfalle waren leider nur zwei kleinere Weibchen drin; also nichts zum Mitnehmen. Zuhause nahm Tini dann die behaltenen 4 Cohos aus und packte sie zu dem gefrorenen Filets von gestern. Und zu seinem Trost stellte sich heraus, dass seine Kuehltruhe mit der Beute rappelvoll war und somit der grosse finale Coho eh nicht mehr gepasst haette. Ich lieferte die beiden Verrueckten puenklich an der Faehre ab und wir verabschiedeten uns wie alte Bekannte. Angeln und gemeinsame Angelerlebnisse koennen einen schnell zusammenschweissen und die letzten beiden Tage waren wirklich herrliche Erlebnisse fuer uns alle. Ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder, Jungs! Der grosse Coho wartet noch auf Euch. Und auch ein extra dicker Chinook, da bin ich mir sicher!

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Wahnsinns toller Bericht mal wieder , tolle Bilder . Bielen Dank dafür.
Gruß Uwe
 
Vielen Dank für den tollen Bericht. Ja, der letzte Coho 😅
Der soll brav nachkommen produzieren. Wunderschönes Tier!
 
Servus,
ich hätte da mal eine Frage.
Warum wird nicht mit Stationärrolle oder Multirolle gefischt?

Gruß Johann
 
Servus,
ich hätte da mal eine Frage.
Warum wird nicht mit Stationärrolle oder Multirolle gefischt?

Gruß Johann
Weil, das kann ja jeder!! 🤣🥱
Mal im Ernst, das ist einfach eine BC spezifische Eigenheit die sich vor Jahrzehnten so herausgebildet hat. Wir Einheimischen sagen jetzt wir machen das weil es aufregender ist einen grossen Lachs mit einer 1:1 Uebersetzung zu drillen. Weil wir gute Angler sind und eine Herausvorderung lieben. Oder weil wir gerne mal bei einer brutalen Flucht die Kurbelgriffe auf die Fingerknoechel gepruegelt bekommen. Stationaerrollen eignen sich tatsaechlich nicht zum Trolling mit dem staengigen hoch und runter. Die Amis fischen alle Multis und daher werden sie von uns auch sofort erkannt auf dem Wasser. Und belaechelt. Und der Kanadier laesst nie eine Gelegenheit aus sich von Amis zu unterscheiden. Im jetztigen politischen Klima sowieso.
 
Bamfield aendert sich nun auch rapide seit die Zufahrtsstrasse befestigt ist. Man hoert mittlerweile viel Deutsch und Oekotourismus verdraengt langsam die Anglerkundschaft. Es wird nicht lange dauern bis der Bradys Beach von einem betuchten Projektentwickler gekauft wird und dort dann ein 4 Sterneresort mit Privatstrand entsteht. Bamfield wird Tofino 2.0. Wer das verschlafene, etwas muffige aber urspruengliche Westkuesten-Fischerdorf Bamfield nochmal so erleben moechte, muss sich beeilen. Und wir muessen weiterziehen in noch abgelegenere Gebiete an der Westkueste.
So habe ich es auf einer Reise auf Vancouver Island auch empfunden . Siehe meinen damaligen Bericht Schiffstour „ MV Frances Barkley“ der Lady Rose Reederei Port Alberni (Vancouver Island - Kanada) | Womo-Abenteuer
 
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