15.6. 2026, Nootka Sound Tag 1
Und so fuhren wir bald den Fjord raus. Schon einen Kilometer von der Muendung entfernt kam die Duenung hereingeschwappt. Nicht riesig aber ekelig kurz-frequentig und unangenehm entgegen zu fahren. Als wir uns 10 Minuten spaeter bis zum Leuchtturm Friendly Cove durchgekaempft hatten und auf’s offene Meer schauten, schuettelten wir uns gegenseitig die Koepfe zu; 1.5 m Duenung alle 2-3 Sekunden und eine Meterwelle quer drueber. Haesslich und in unserem Boot nicht befischbar. Ein oder 2 groessere Boote sah man da draussen herumholpern aber die meisten Boote hatten sich im Wind-und Wellenschatten innerhalb vom Leuchtturm und Fjord abgeduckt. Das war auch unser Plan. Je nach Futter konnte man auch hier richtig gutes Angeln erleben. Manchmal war das Futter aber nur um die Ecke herum, zwischen den Felsinseln und Buchten der offenen Kueste. Das war dann frustrierend wenn man weiss, dass die Fische nur paar 100 m weg aber doch unerreichbar waren. Mal sehen.
Ich hielt unser Boot auf Kurs und die Jungs machten Ruckzuck zwei Ruten und die Downrigger fertig. Die beiden waren erfahren und geschickt mit dem Geraet und eine klasse Angelcrew! Eine UV Flashfly, die sowohl eine mittlere Sardine oder Hering aber auch ein Squid imitieren konnte, auf der einen Seite und etwas tiefer einen schlanken, mittelgrossen Glow-Blinker der Kleinheringen oder Sandaalen aehnlich sah. Und so schleppten wir eine halbe Stunde Richtung inneren Fjord, immer dicht am felsigen Ufer entlang. Wir kamen an einer kleinen Insel, die eine kleinere Bucht verdeckte, vorbei und ploetzlich kamen grosse Wolken am Echo auf. Ricardo deutete auch zu springenden kleinen Fischchen vor dem Boot. Hier war Leben, da muesste doch was gehen!? Wir waren schon fast an der Insel vorbei und vor dem oestlichen Eingang zur Bucht als Ricardo ploetzlich aufsprang und sich die Flashflyrute schnappte. Anschlag sass und die Rute war gut krumm. Und, fragte ich? “Richtiger Fisch”? Ricardo wackelte unsicher mit dem Kopf. Es sah so aus als wollte der Fisch Schnur nehmen aber nicht richtig konnte. Wir liessen die zweite Rute noch drinnen. Aber dann hoerte ich ploetzlich die Bremse lossingen. Aha, doch kein Kleiner!? “Nee, das ist was Ordentliches.”, meinte Ricardo jetzt. Alex und ich freuten uns. Na also! Vielleicht fingen wir ja doch wenigstens einen guten Fisch trotz Sturm.
Alex holte schnell die zweite Rute rein und ich beide Downrigger damit kein Hindernis noch in die Quere kam. Ricardo drillte den Fisch gut aus und nach 5 Minuten bekamen wir einen ersten Blick. Jawoll! Das war ein guter Teener Chinook! Bitte bleib’ jetzt dran, dachte ich. Alex stand schon mit dem Kescher bereit aber der Lachs wollte noch nicht und zog noch zweimal tief ab. Aber dann zerrte ihn Ricardo in den wartenden Kescher und er kam an Bord. Mensch, wir alle 3 jubelten und klatschten uns strahlend ab. Das war ein richtig guter Fisch – vielleicht 14- 15 Pfund. Wenn das so losgeht, dann ist doch alles bestens! Schnell hatten wir ein Foto gemacht und den Fisch versorgt und dann die Ruten wieder eingesetzt. Ich drehte zurueck zu dem Futterschwarm. Und keine 10 Minuten spaeter rappelte die Blinkerrute los und Alex hatte einen Fisch am Band. Der schien etwas kleiner aber als er ihn am Boot hatte, kam ein schoener 6-7 pfuendiger Coho in Sicht. Und hier im Fjord drinnen darf man markierte und unmarkierte Cohos behalten. Na klar, den nahmen wir auch gerne mit! Der sollte eines unserer Abendessen werden. Ich zirkelte wieder zurueck und 5 Minuten spaeter der naechste Biss und wieder ein Coho. Der war vielleicht ein bisschen kleiner aber markiert und daher nahmen wir den auch mit. Wer haette das gedacht, dass wir am ersten Abend nach einer Stunde schon eine gute Rutsche Lachs in der Kiste haetten!
Wir sahen jetzt mehr springende und schnappende Kleinfische in dem Buchteingang und so fuhr ich mal um die Insel in die Bucht hinein. Da wurde ploetzlich die Flashflyrute brutalst nach unten und hinten gerissen. Ein Ripper! Bevor Ricardo die Rute auch nur in der Hand hatte, waren schon etliche Meter Schnur von der Rolle. Was war denn hier los? Ein atemberaubender Drill begann und wir feuerten Ricardo an. Der Fisch sprang sogar einmal aus dem Wasser; etwas was Chinooks nicht oft machen. Der war wieder ein feiner Fisch. Und kurze Zeit spaeter lag wieder ein herrlicher Chinook von 17-18 Pfund im Boot. Unglaublich! Und es ging munter weiter. Ich verpasste einen schoenen Biss, Alex verlor einen guten Fisch nach paar Sekunden. Und etwas tiefer in der Bucht wurde wieder die Blinkerrute brutal ausgeloest und waehrend ich noch die Rute aus dem Halter fummelte, zerrte der Fisch schon Schnur von der Rolle. Und er lief und lief und lief…. Wow, das musste ein Brocken sein! Die Jungs machten das Deck frei und holten die Downrigger ein und drehten den Motor zurueck. Endlich hielt der Fisch an und ich machte Druck. Aber jetzt raste der Fisch unaufhaltsam Richtung Boot, und trotzdem ich an der Rollenkurbel alles gab und Ricardo den Motor wieder aufdrehte, war die Schnur sicher 5 Sekunden schlapp und ich hatte wenig Hoffnung, dass der Einzel-Schonhaken solange hielt. Aber ich hatte Glueck und er blieb dran und irgendwann war ploetzlich wieder Widerstand da. Und jetzt hielt der Fisch tief und ich fuehlte maechtige Kopfstoesse. “Das ist ein grosser Fisch!”, meinte ich zu den Jungs, und ich legte mich und das Material voll rein. Jetzt galt es alles rauszuholen. Und langsam kam er. Als er vielleicht 10 m hinter dem Boot das erste Mal an die Oberflaeche kam, sahen wir nur kurz eine maechtige Schwanzflosse aufplatschen und schon zog der Fisch wieder unaufhaltsam ab. Ich musste ihn noch zweimal zum Boot pumpen bis er dann endlich auch kaputt war und sich in den Kescher ziehen liess. Gewonnen! Wieder jubelten wir als Alex den Fisch hereinhievte. Wow, der war schon einiges ueber 20 Pfund! Was fuer ein Fisch! Groesser als jeden den ich das ganze letzte Jahr gefangen hatte. Genau 90 cm lang. Jetzt fuellte sich unsere Fischbox schon ziemlich gut.
Aber es ging weiter! Wir erlebten eine unfassbar gute Angelei in dieser Bucht hier. Es dauerte keine 10 Minuten sie einmal komplett zu durchrunden aber in jeder Runde bekamen wir mindestens einen Biss. Auf der Inselseite bis zum Buchteingang schienen mehr die Cohos zu stehen und wir fingen von denen auch noch einige. Fuer Mitte Juni waren die auch schon gut im Futter und alle mindestens 5- 6 Pfund schwer. Wir behielten erstmal keine weiteren Cohos und liessen alle wieder schwimmen. Alex fing auf einmal einen massigen Lingcod an der Blinkerrute und das veranlasste uns es mal mit Pilkern zu versuchen. Wenn die Lachse hier so zahlreich standen und auch frassen, konnte man sie vielleicht auch am Pilker fangen. Ricardo brachte eine schoene Scholle hoch die ich auch gerne mitnahm. Einige kleinere Felsenbarsche verfielen auch dem Pilker, aber die Lachse hielten sich davon fern. So gingen wir nach einer halben Stunde wieder zum Schleppen ueber.
Da kam auch sofort wieder ein harter Biss an der Blinkerrute bei 30 m Tiefe und diesmal war ich wieder dran. Guter Widerstand, starke Kopfstoesse und die erste Flucht… und ploetzlich war er weg. Oh Mist, das Vorfach war durchgescheuert. Wir vermuteten das der Lingcod mit seinen Zaehnen oberhalb vom Blinker am Vorfach seine Spuren hinterlassen hatte. Und wir hatten nicht kontrolliert. So nachlaessig wollten wir nicht mehr sein. Ich fand noch einen aehnlichen Blinker in meiner Koederkiste. Und die Beisserei ging munter weiter. Ganz hinten in der Bucht zog wieder die tiefere Blinkerrute ab und Alex wurde in einen sportlichen Drill verwickelt. Auch der katapultierte sich einmal aus dem Wasser und war wieder ein feiner Chinook. Es machte uns allen einen Riesenspass einen guten Fisch nach dem anderen zu drillen. Alex strahlte an der Rute. Und schliesslich hatte ihn Alex muede gekriegt und in die Reichweite vom Kescher gebracht und ich sackte ihn ein. Wow, wieder ein 16 Pfuender.
Wir waren begeistert von dieser Angelei hier. In der geschuetzten Bucht konnten wir trotz der steifen Brise in Ententeichbedingungen fischen. Chinook und Coho schienen hier voll drinnen zu stehen und sich an den grossen Kleinfischschwaermen, die wir immer wieder am Echo sahen, die Baeuche vollzuschlagen. Und wir hatten das durch Zufall entdeckt und hatten die Stelle fuer uns alleine. Waehrend die anderen Boot vorne am Leuchtturm in den Wellen kaempften, standen wir hier in ruhigem Wasser dick im Fisch. Wir hatten jetzt 4 grosse Chinook und 1 Coho und eine Scholle an Bord. Wenn mir einer gestern gesagt haette, dass wir auf dem gesamten Tripp soviel fangen wuerden, haette ich das angesichts der angesagten Windverhaeltnisse voll unterschrieben. Das war eine Fuegung von Petrus, keine Frage! Das Witzige war das hinten in der Bucht eine Fishing Lodge am Ufer stand und wir einige Boote raus- und reinkommen sahen. Die fuhren alle raus in die rauhen Bedingungen und konnten nur hoffen halb so viele und gute Lachse dort zu fangen. Dabei standen die dicken Lachse direkt vor deren Haustuere. So kann’s gehen! Irgendwann machten wir Schluss; ich musste ja noch die vielen Fische filettieren und zur Kuehlung vorbereiten und die Jungs wollten was kochen.
Dieser unerwartete Erfolg schon am ersten Nachmittag brachte auch Herausforderungen. Critter Cove hatte keine Gefriermoeglichkeiten fuer die Kabinen und Suites am Dock. Die Chalets auf dem Land hatten das wohl, aber wir mussten ohne auskommen. Normalerweise bot das Resort fuer die Dockside Unterkuenfte einen Eisschrank Service wo man Fische waehrend des Aufenthaltes auf Eis legen lassen kann. Natuerlich nicht umsonst. Dafuer werden die Fische besser nicht filettiert sonder nur ausgenommen und ohne Kopf eingetuetet und dann dort auf Eis aufbewahrt. Aber von Montag Abend bis Freitag war schon eine lange Zeit Fische nur auf Eis gekuehlt aufzubewahren – fand ich zumindest. Mehr als 3 Tage hatte ich das noch nicht probiert. Aber da wir in der No Frill Woche hierwaren, war selbst dieser Service noch nicht fertig. Angeblich erst am Dienstag waere der Kuehlraum fertig und die Belegschaft angelernt das zu bedienen. Gluecklicherweise war das auch vorher so kommuniziert worden und ich konnte mich darauf vorbereiten. Eine weitere Huerde fuer eine Loesung war, dass die Dockside Kabinen und Suites keine Steckdosen fuer Geraete hatten. Das heist, aussen auf der Terasse vor jeder Unit war zwar eine Doppelsteckdose, aber man war gebeten die nur fuer Ladegeraete oder andere Kleingeraete wie medizinische Hilfen oder so zu verwenden. Wahrscheinlich hatten die Schaltkreise keine grosse Kapazitaet fuer etliche Geraete oder Gefriertruhen etc.
Aber ich hatte mir im Winter eine 12V Kuehl-oder Gefriertruhe gekauft im Campingformat und eine feine 12V Lithium Batterie besorgt. Die Truhe konnte bis -20 Grad kuehlen und 2-3 Tage von der Batterie leben. Und die reichte gerade die heute gefangen Fischfilets aufzunehmen. Damit war auch das Problem geloest. Nach 2 Tagen lud ich dann ueber Nacht die Batterie ohne Problem an der Aussensteckdose wieder auf. Waehrend des Ladevorgangs stieg die Temperatur auch nur bis auf -8 Grad wieder an bevor ich wieder neuen Saft hatte. Und so funktionierte auch dieser Behelfsplan. Bei einem schoenen Grillabend und einem kalten Bier liessen wir diesen ueberall erfolgreichen Tag ausklingen. Morgen sollte es um 5 Uhr losgehen. Wir waren heiss und optimistisch auf mehr.













