Lachsangeln Vancouver Island, BC

16.10. 2025; Sooke

Der naechste Deutschlandbesuch stand im Oktober an. Meine Schwiegermutter brachte unsere 15 jaehrige Nichte Clara mit. Clara war vor 2 oder 3 Jahren mit ihrer ganzen Familie hiergewesen und bei der Gelegenheit hatte ich ihren Vater und sie mit dem Angelvirus angesteckt. Das mache ich am allerliebsten! Seidem haben mein Schwager und meine Nichte den Fischereischein in Deutschland gemacht, sind Mitglieder in einem Angelverein am Niederrhein geworden und gehen gemeinsam regelmaessig auf Fischjagd! Darauf bin ich total stolz!!

Jetzt war Clara mit ihrer Oma hier und hoffte natuerlich, dass ich mit ihr ein paar Angelabenteuer einleiten wuerde. Ich hatte leider keinen Urlaub und konnte mir nur mal einen Wochentag freimachen. Das passte mit dem Wind ganz gut und so machten wir un smit MaxWaldi nach Sooke auf. Vielleicht waren noch ein paar spaete Cohos im Meer unterwegs; ansonsten mussten wir es schon auf die naechstjaehrige Chinookgeneration – die Winter Chinooks probieren. Ab Mitte Oktober, besonders nach den ersten ergiebigen Herbstregenfaellen, geht typischerweise die Meeresangelei auf Lachs zu Ende. November und Dezember sind dann normalerweise die mauesten Lachsmonate bis dann ab Weihnachten sich die Winterlachse wieder zahlreich einstellen. Aber irgendetwas wuerde schon noch zuschnappen, hatte ich Clara versprochen.

Wir liessen bei Sunny Shore Marina ein, legten noch die Krabbenfalle aus und schauten einer Herde Stellars Seelowen beim Sonnen zu. Die Kerle hatten Teile der verfallen Marinadocks als Herbstquartier bezogen. Dann duesten wir vor den Sooke Fjord in die Juan de Fuca Strasse. Es war etwas windiger als vorhergesagt, aber nicht schlimm und vorallem trocken. Die erste Stelle war ein Flop, die zweite auch. An der dritten fingen wir 2 oder 3 Shaker (Minilachse) und Clara meinte das waere doch schon mehr als sie manchmal an einem ganzen Wochenende am Vereinssee gefangen hat. Der Wind blies weiter auf und ich sah unsere Chancen schwinden. Ich entschied mich zu einem letzten Versuch direkt vor dem Otter Point, wo ich um diese Jahreszeit eigentlich nie fische.

Clara war schon Experte am Downriggergeschirr und bediente das Geraet perfekt. Wir hatten gerade beide Ruten eingesetzt als Clara ploetzlich aufgeregt zur Steuerbordrute wiess. Ein Blick und ich sah die Rute sich schon tief verbiegen – die war schon lange aus dem Clip heraus – das musste ein guter Fisch sein! Ich war verwundert warum Clara nicht sofort hinreichte aber wollte auch keine Zeit mit Instruktionen vergeuden – den ersten guten Biss heute nach 3 Stunden Nichts wollte ich nicht vergeigen. Also sprang ich hin, riss die Rute raus und hieb an – guter Widerstand. Dann machte ich Druck und lockerte die Bremse und drueckte Clara die Rute in die Hand. Waehrend sie drillte, raeumte ich die andere Rute ein und auch beide Downrigger. Wer weiss, das war vielleicht die einzige Chance heute! Den duerfen wir nicht verlieren – ich wollte Clara ja auch ein paar leckere selbstgefangen Filets mit nach Deutschland schicken.

Sie machte das Klasse und der Fisch schien nicht klein zu sein – nahm aber kaum Schnur. Das machte mich etwas nervoes weil der Fisch dann sicher neben dem Boot verrueckt spielen wuerde und dort gute Chancen hatte den Schonhaken wieder loszuwerden. Als Clara den Fisch endlich auf Sichtweite brachte, staunte ich – das musste ein richtig guter Coho sein. Aber er sprang nicht – komisch! Wie erwartet wurde der Fisch am Boot munter und sausste hier und dahin und immer dicht an den Motoren vorbei. Ich ermutigte Clara die Rollenkurbel ruhig mal loszulassen um den Druck etwas abzufedern. Und dann dah ich eine Kescherchance als der Fisch mal eine Sekunde in Reichweite stillstand. Ich sackte ihn ein und noch waehrend ich den Kescher hochhob versuchte der Lachs aus dem Kescher herauszuspringen. Ich konnte gerade noch rechtzeitig zumachen und brachte den Burschen rein. Was fuer ein praechtiger Coho sagte ich, holte ihn aus dem Kescher heraus und musste mich korrigieren: das war kein Coho, das war ein Chinook! 74 cm und sicher ueber 10 Pfund. Das war erstaunlich gross fuer einen Winter Chinook um diese Jahreszeit – der hatte ja noch ein ganzes Jahr zu wachsen und wuerde sein Gewicht noch vervierfachen! Beim Schlachten stellte sich dann heraus das das tatsaechlich noch ein diesjahriger laichreifer maennlicher Chinook war. Wow, 16. Oktober. Das war offiziell der spaeteste reife Chinook im Jahr den ich je gefangen hatte. Clara freute sich auch riesig ueber diesen schoenen Fang und versorgte ihn auch waidgerecht.

Nun drehten wir natuerlich noch ein paar weitere Runden an der Stelle. Und dismal zog die andere Rute los und Clara machte nun alles alleine. Nach kurzem Drill brachte sie einen mittleren Coho ans Boot den ich auch ainsackte und zu dem Chinook auf Eis legte. Clara konnte sich nun schoen mal den Unterschied zwischen den beiden Lachssorten anschauen. Mehr sollte leider nicht mehr passieren. Der Wind wurde immer staerker und wir machten uns auf dem Heimweg. Ich hielt nochmal an einer Stelle kurz an und wir probierten dort nochmal 10 Minuten aber umsonst. Dafuer hatten wir 2 massige Krabben in der Falle.

Nicht viel Action aber dafuer eine 100% Chancenverwertung und zwei schoene Lachse zum Mitnehmen. Und ich bin richtig stolz auf meine angelbegeisterte und interessierte Nichte! Das wird nicht die letzte Angeltour mit ihr gewesen sein, denke ich.

Waehrend ihres restlichen Kanadaaufenthaltes schafften wir es nicht mehr auf’s Meer raus aber ich fuehrte sie in die Welt des Bellyboot- Fliegenangelns an einem lokalen See ein. Und sie war wieder begeistert dabei und fing einige sehr schoene Regenbogner an der Flegenrute. Das Maedel ist auf immer angel-versaut!

3.jpg4.jpg2.jpg3.jpg5.jpg6.jpg
 
Wahnsinn. Dickes Petri! 👍
 
26.10. 2025; Sooke

Natalie, die Tochter meines Schulfreundes in Deutschland, die ein Semester hier an der Universitaet Victoria studiert, hatte ihren Freund zu Besuch. Und diesen wollte sie auch mal die Wasser-und Fischwelt auf Vancouver Island zeigen. Ich versprach die beiden mal mit raus auf’s Meer zu nehmen. Wir hatten Glueck und schon am Tag nach seiner Ankunft, am Sonntag den 26.10. sah der Wind brauchbar aus und ich holte die beiden morgens an Natalie’s Studentenbude ab. Ihr Freund Max war ein lustiger und leicht zu begeisternder junger Mann, der allerdings mit Angeln noch keine wirkliche Erfahrung hatte. So erklaerte ich schon mal Grundsaetzliches auf der Fahrt zur Marina in Sooke. Es war ein kalter Tag, mit Regenschauern und auch auffrischendem Wind. Ich hoffte Max war seefest.

Ruckzuck war das Boot im Wasser – wir hatten die Marina fuer uns alleine. Ich hielt noch kurz an der neuerlichen Seeloewenkolonie an den aeusseren Marinadocks und die beiden konnten die praechtigen Fleischhaufen auf den Docks bewundern, und auch wie agil die wurden sobald sie im Wasser waren. Dann legten wir noch die Krabbenfalle aus und duesten das Sooke Inlet hinaus. Vor den Sooke Bluffs kamen wir an einer kleinen Gruppe Delfine vorbei. Vielleicht tauchten ja auch noch paar Wale auf. Max war sehr interessiert an allem. Ich wollte zuerst soweit wie moeglich westlich da der Wind nur noch staerker werden sollte und von West kam. Da ich kuerzlich mit meiner Nichte Clara am Otter Point ein paar Lachse gefangen hatte, wollte ich das noch einmal probieren. Ich hatte nicht viel Hoffnung das noch reife Cohos da waren – es hatte schon gut geregnet und ich wusste von der Sooke River Brutstation das die Cohos schon zahlreich im Fluss waren. Aber vielleicht zog noch ein Nachzuegler herum und so fischten wir eine Rute noch ziemlich flach. Die zweite Rute war fuer die Winter Chinooks ausgelegt, die hauptsaechlich grundnah Sandaale jagten.

Ich erklaerte Max das Geraet und ich muss sagen ich habe noch keinen gesehen der das alles so schnell verstanden und drauf hatte. Praktisch nach der Einfuehrung fasste ich das Geraet nicht mehr an. Beeindruckend, und das fuer einen Nichtangler! Erstaunlicherweise fand ich sehr schnell eine groessere Ansammlung von Futterfisch und Lachs. Der erste Biss kam nur Minuten nach dem Einlassen. Natalie hatte Adleraugen wie ihre Mutter und wiess Max gleich auf die schon wippende Rute hin. Das war die tiefe Rute mit schlankem Blinker. Max schnappte sich die Rute und folgte meinen Drillanweisungen. Hin und wieder kurbelte er die Rolle rueckwaerts bis ich ihn ermahnte – die Schnur musste stramm bleiben! Wir hatte Glueck und der Fisch blieb haengen und kam langsam heran. Ich sah ein Silberpaket aus der gruenen Tiefe auftauchen – ja, das war ein anstaendiger Fisch und schnappte mir den Kescher. Ein paar bange Sekunden neben dem Boot denn der Lachs hing knapp und tobte nun an kurzer Leine. Aber bald fand ich einen geeigneten Keschermoment und sackte ihn ein.

Toll, ein schoener 6 pfuendiger Winter Chinook! Das ging ja gut los! Max konnte es gar nicht glauben wie schnell das geklappt hatte. Wir schossen ein paar Fotos von dem gluecklichen Erstfaenger und dann ging das Geschirr wieder auf Tiefe. Ich zog Kreise durch die regelmaessige auftauchenden Futter- und Lachsschwaerme. Und das Beissen an der tiefen Rute ging weiter. Leider wurden die Lachse immer kleiner und wir liessen die alle wieder im Wasser frei. Aber Max freute sich an der reichlichen Action. An der flachen Rute passierte nichts aber ich bestand darauf die dort zu belassen. Wenn wirklich noch ein Coho unterwegs war dann wollte ich wenigstens eine Chance drauf bewahren.

Ein anderes Boot gesellte sich dazu und fing auch einige Fische – ich konnte aber nicht bestimmen ob da Keepers dabei waren oder nicht. Nach und nach wurde das Wetter haesslicher und wir versteckten uns so gut wie es ging unter dem Dach. Fuer Natalie machte ich auch bald den kleinen Propanheizstrahler an um sie vom Einfrieren zubewahren. Nach dem Gezeitenwechsel waren die Futter- und Lachsschwaerme ploetzlich verschwunden. Wir versuchten es noch eine Weile auf der anderen Seite des Otter Points – aber nichts. Dann legte der Wind ordentlich zu und wir machten uns heimwaerts. Vor den Bluffs waren die Delfine immer noch aktiv und ich machte dort nochmal einen kurzen Angelstopp – vielleicht war dort viel Futter das auch Lachse angezogen hatte, aber nach erfolglosen 10 Minuten brachen wir endgueltig ab. Dafuer hatten wir in der Krabbenfalle wenigstens eine massige Dungenesskrabbe und so schickte ich die beiden mit einem feinen Westkuestendinner aus Lachs und Krabbe nach Hause.

Die beiden hatten Spass an dem Ausflug gehabt und Max wird sicher nicht das letzte Mal eine Angelrute angefasst haben. Ich spuere das wenn einer diese Anlage hat – er war nur noch nie damit in Beruehrung gekommen. Schade, dass nicht mehr losgewesen war aber das war jetzt die schwierigste Zeit bis etwa Weihnachten. Daher war ich froh das wir ueberhaupt was gefangen hatten und auch was mitnehmen konnten.

1.JPG2.JPG3.JPG4.JPG

PHEV8761.JPG
 
16.11. 2025; Sooke

Ich habe noch einen Bericht nachzuholen; sozusagen als Jahresabschluss! Leider war ich einige Wochen ausser Gefecht gesetzt durch eine ekelige Fussballverletzung. Sonst haette ich vielleicht nochmal bei den Winterlachsen zugeschlagen, denn es sind definitiv einige hungrig vor Ort.

Am Sonntag den 16.11. konnte ich das schon mal erproben. Es war eine Solotour und auch nicht zu lange weil der Wind auffrischen sollte. Aber ich wollte das Boot nochmal bewegen und beschloss es wieder vor Sooke und um den Otter Point herum zu probieren. Die Marinas und Slipanlagen waren schon vereinsamt und so bekam ich auch am spaeten Morgen ohne Probleme einen der wenigen Anhaengerparkplaetze an der Prestige Hotel Slipanlage. Von dort war der Anfahrtsweg zum Otter Point am kuerzesten. Dann bretterte ich ueber die noch leicht bewegte See und kam 20 Minuten spaeter an. Erst drehte ich eine Runde direkt vor der herausragenden Felsnase des Otter Pointes. Das hatte ja vor kurzem auch noch mit Natalie und Max geklappt. Aber heute war hier wohl keiner zu Hause. Auch ein anderes Boot hatte keinerlei Anfasser.

Und so schleppte ich langsam um die Spitze herum nach Osten. Dort wollte ich gerade wegen vielem Kraut und Treibgut abbrechen und umsetzen als ploetzlich eine Menge interessanter Signale auf dem Echo auftauchten. So arbeitete ich mich durch’s Kraut durch und hatte auch zwei Bisse. Leider nur Kleinlachs der entweder schon beim Einholen abfiel oder schnell abgeschuettelt wurde. Aber ein Lebenszeichen. Zwei andere Boote gesellten sich dazu und wir bearbeiteten die Gegend hinter der Gezeitenlinie und dem Treibgut in 30-40 m Wassertiefe. Das war so die typische Tiefe in der die Winterlachse nach Hering und Sandaal am Boden herumsuchten. Aber es biss nur hin und wieder mal ein Minilachs. Nach einer Weile drehte ich ab ins tiefere Wasser. Bei 50 m war auch nichts. Vor Verzweiflung driftete ich in 60 m Tiefe ab und siehe da, da kamen ploetzlich gute Echos.

Als ich ueber einen grossen Stein oder aehnliche Grundstruktur kam, tauchten wieder gute Signale auf. 20 Sekunden spaeter ruckte die eine Blinkerrute los. Der war besser! Es dauerte eine Weile bei der Tiefe aber endlich hatte ich meinen Widersacher in Sichtweite. Kein richtig Grosser aber wohl in Keeper-Groesse. Als ich ihn neben dem Boot hatte, wollte ich ihn erst erloesen weil er doch nur so knapp 50 cm war, aber er pumpte Blut aus dem Maul und so wuppte ich ihn kurzentschlossen ins Boot. Wenigsten was. Und vielleicht ging ja noch mehr!?

Waehrend des Drills und Landung war ich noch tiefer vom Kurs abgetrieben. Und so drehte ich um und kaempfte mich gegen die Stroemung wieder zum Fangplatz zurueck. Aber auch hier sah ich viel Betrieb am Boden und machte sicher, dass beide Koeder in Grundnaehe herumtaumelten. Und ploetzlich ging es Schlag auf Schlag. Biss an der einen Rute und waehrend ich etwas Kleines einholte, zog die andere ab. Der fuehlte sich besser an und so liess ich die erste wieder liegen und holte erst den Fisch ein. Der ging aber vor Sichtung verloren. Der andere war untermassig. Schnell brachte ich beide Rute wieder auf Tiefe. Ich hatte noch kaum die letzte Rute losgelassen als wieder eine losruckte. Wieder so ein gerade Massiger. Der war aber unversehrt und so hakte ich ihn schnell ab. Kaum fertig, sah ich die andere Rute heftig wuppen. Mann, das artete ja in Arbeit aus. Trotz der kalten Temperaturen und dem auffrischendem Wind, wurde mir warm. Der Fisch war richtig gut und nahm sogar Schnur. Ich drehte den Schleppmotor runter um wenig extra Druck zu haben.

Nach einer Weile hatte ich ihn oben aber noch weit hinter dem Boot. Er schlug dort wild um sich und ich drillte ihn weich um ihm nicht den Haken auszureissen. Aber das ist auch ein Risiko und ich bekam die Quittung – bei einer dieser Sperenzien kam der Haken ploetzlich los und der Fisch verschwand kurz vor dem Kescher in die gruene Tiefe. Mist! Aber jetzt wusste ich das auch bessere Kaliber hier waren.

Die anderen beiden Boote wurden auf mich aufmerksam und einer funkte rueber ob ich was fangen wuerde. Ich machte keinen Hehl daraus – ich hatte kein Problem die Anderen auch an der Action teilhaben zu lassen. Und so kam erst das eine, und als die auch anfingen zu fangen, dann auch bald das Zweite herueber. Ich war schon fast in 70m Tiefe aber es kamen immer noch Bisse. Einige konnte ich nicht verwerten, ein paar Kleine liess ich wieder los. Ich verbuchte einige weitere Doppelbisse. Und dann schlug ploetzlich wieder ein Groesserer ein. Das merkte man gleich nach dem Anschlag, dass da mehr Gewicht dahinter sass.

Aber der nahm kaum Schnur und so war ich etwas unsicher – vielleicht hing noch viel Kraut mit dran? Oder ein Mini-Heilbutt? War ja alles ziemlich sandig-kiesig hier. Dann hatte ich einen Blick auf den Fang und es war ein richtig guter Lachs! Aber der war noch richtig gruen und hatte keinerlei Energie verbraucht im Drill – der wuerde gleich an kurzer Schnur explodieren! So, anders als vorhin als ich den anderen Grossen zu weich gedrillt hatte, nahm ich den hier nun hart ran und zerrte ihn erbarmungslos zum Kescher. Kurz vor dem Kescher wurde dem Fisch wohl klar was hier Sache war und er wollte ausbuechsen. Aber ich liess nicht nach und mit nahezu berstender Rute schob ich den Kescher unter ein schaumschlagendes und wuetendes Etwas. Ich musste den Kescher mit beiden Haenden festhalten sonst waere der Lachs wohl noch damit weggeschwommen! Aber ich hatte ihn! Ein toller Winterlachs – mit ueber 10 Pfund Mitte November, ein ziemlich stattliches Exemplar.

Damit war ich am Tageslimit. Ich schleppte noch mit der anderen Rute ein Stueck weiter waehrend ich die andere wegpackte und fing doch tatsaechlich noch einen brauchbaren Chinook den ich gerne gegen den kleineren Ersten ausgetauscht haette. Geht natuerlich nicht. Dann war Schluss. Zufrieden und ziemlich erschoepft von der non-stop Action der letzten Stunde machte ich mich auf den Heimweg.

Das zeigte mal wieder dass es sich lohnt auch mal ungewoehnliche Dinge zu probieren; die typsiche flachere Zone war unproduktiv und ein bisschen Eingebung und ein bisschen Glueck haben mich dann ueber einen hungrige Lachsschwarm im tieferen Wasser stolpern lassen. Wenn ich auch das Schleppen im Flachen dem im Tiefen bevorzuge, so moechte ich so ein Erlebnis doch niemals missen.

Euch allen ein schoenes Weihnachtsfest und moege der alte rote Mann Euch feine, fischige Dinge bringen!

1.jpg2.jpg
 
30.12. 2025; Sooke

Letzter Angelausflug in 2025! Ein tolles Angeljahr geht somit zu Ende. Die beste Lachssaison seit ich nach Kanada gezogen bin. Und so wollte ich es nochmal geniessen und heuerte meinen “Kleinen” mit seiner Freundin Trin als Unterstuetzungsteam an da ich noch etwas laediert unterwegs bin und wohl kein Ueberbordgehen ohne Hilfe ueberleben wuerde. Und die beiden hatten Zeit und Lust. Trin hatte noch nie einen Fisch gefangen und Alex war auch schon eine Ewigkeit mehr mit seinem alten Mann draussen gewesen.

Der Wind sollte ok vor Sooke sein; im Nachhinein waere ich wohl besser vor Victoria geblieben, denn es bliess dann ein ungemuetlicher Ostwind, der aus dieser Richtung Platz hatte Wellen aufzubauen. Ausserdem lief die ersten 2 Stunden die Flut gegen diesen Ostwind und erzeugte wirklich wackelige Bedingungen. Das war erstmal fuer meine gegenwaertige Behinderung nicht gut und ausserdem hatte ich Bange das Alex seekrank werden konnte. Und von Trin wusste ich ueberhaupt nicht wie sie auf so einen schaukeligen Ozean reagieren wuerde.

Nichtsdestotrotz fuhr ich bis zum Otter Point und fand dort auch schon 2 andere Boot beim Heilbuttangeln. Die wollten es vor der Schonzeit am 1.1. nochmal wissen. Wir schickten zwei schlanke Blinker in 50 m zum Grund und kaempften uns durch die Wellen. Gluecklicherweise fand Trin die Schaukelei lustig und Alex hielt sein Fruehstueck beisammen. Auch wenn es wirklich schwierig war eine gute Linie zu schleppen – Winterlachse waren wohl genug da denn trotz der widrigen Bedingungen kamen bald die ersten Bisse. Der erste Lachs den Alex ans Boot brachte war gleich ein Keeper mit 51 cm. An der unteren Grenze von meinem persoenlichen Mindestmass aber ich war mir nicht sicher wie lange wir heute durchhalten wuerden und ich konnte schon etwas Kuechennachschub gebrauchen. Also ging der gleich in die Kiste. Klasse.

Dann fingen die beiden zwei oder drei untermassige Lachse. Auch ich hatte noch einen kleinen Kerl am Band der sofort wieder schwimmen durfte. Dann beschloss ich mal die Bedingungen um die Ecke, hinter dem Otter Point, zu erproben. Dort duerfte es in Ufernaehe etwas windgeschuetzt sein. Beim Einholen der einen Rute wurde es ploetzlich schwer. Ich dachte erst ich haette mich mit der anderen Schnur, die Alex gerade einzog, vertueddelt. Aber als er sein Geraet tueddelfrei an Bord hatte und ich immer noch Widerstand fuehlte, wusste ich das da irgendwas am Haken haengen musste. Ein kleiner Butt? Schon passiert hier in der Gegend. Aber dann kam etwas spindelfoermiges an die Oberflaeche – ein Dorsch! Na das war mal ein besonderer Fang. Passiert zwar schon mal hier und da aber leider immer nur als unerwarteter Beifang. Darum angelt hier auch keiner gezielt darauf. Da die Lebensweise der pazifischen Dorsche sehr aehnliich der der atlantischen Dorsche ist, muessten die eigentlich auch in groesseren Schwaermen umherziehen. Manchmal faengt man mehrere Kleine hintereinander aber die groesseren Exemplare kommen meist als Einzelfang oder Beifang auf andere Spezien.

Diesen hier wuerden die Norwegenfahrer unter Euch wohl als Kuechendorsch bezeichnen. Obwohl, heist das dann das Groessere Badezimmer oder Wohnzimmerdorsche sind!? Ich habe ueber die Jahre schon wesentlich groessere erwischt aber trotzdem war ich total zufrieden mit diesem Kaliber heute. Um die Ecke war der Wellengang tatsaechlich wesentlich angenehmer aber leider hielten sich dort kaum Lachse auf. Einen kleinen Shaker erwischten wir und so zog es uns bald wieder zur Stelle wo wir begonnen hatten. Nach dem Gezeitenwechsel wurde der Wellengang etwas weniger und so hielten wir noch eine Weile durch. Gut, denn die Lachse waren da und auch in Beisslaune. Alex verpasste erst einen Ripper der die eine Rute schon hart heruntergezogen hatte. Aber Alex und Trin brauchten zu lange zum Entscheiden wer zur Rute ging und so war der Fisch weg als Alex endlich da war. Ich ermahnte zu besserer Koordination. Ich brachte gerade einen Shaker ans Boot als ich die andere Rute wieder in die Knie gehen sah. Erstaunlich harter Biss fuer diese tiefe Angelei. Diesmal war Alex gleich dran und drillte einen sichtlich besseren Fisch. Ich kescherte ihn bald und brachte einen schoenen 6 – 6,5 Pfuender ins Boot. 63 cm, klasse! Und nicht lange danach schnappte sich Trin selbststaendig die ruckende Rute und drillte auch einen Keeper mit 56 cm ins Netz. Ihr erster selbstgefangener richtiger Fisch! Sie war sehr stolz aber toeten musste ihn dann doch Alexander.

Wir hatten noch zwei oder drei Kleinere und auch noch ein paar verpasste Bisse aber es sollte bei den 3 Lachsen und dem einen Dorsch in der Kiste bleiben. Nicht schlecht fuer so einen suboptimalen Tag. Eine gute Felsenkrabbe war auch noch in der Krabbenfalle sodas einem Westcoast Dinner nichts mehr im Wege stand. Die beiden hatten noch einen Heidenspass mit den Robben am Schlachttisch. Das Spiel wird wohl nie alt! Wenn ich jetzt auf die Windvorhersage schaue, koennte ein Neujahrlachsausflug anstehen!

Best Wuensche Euch allen, moege es ein fischiges Jahr werden!

1.jpg2.jpg3.jpg4.jpg5.jpg6.jpg7.jpg
 
Danke für den tollen Bericht.
Frohes Neues Jshr.
 
3.1. 2025; Victoria

Der angedachte Neujahrstagausflug hatte leider nicht geklappt, aber am 3.1. stand alles auf GO! Es war ordentlich Regen angesagt, aber kein Wind. Wegen der Regenvorhersage sagte dann auch mein Freund Dave ab – er wird alt und bequehm. Meine Jungs waren auch nicht verfuegbar. So fuhr ich eben alleine los. An der Slipanlage in Victoria angekommen, staunte ich nicht schlecht. Der Meerespiegel stand etwa 1m hoeher als ich es jemals gesehen hatte. War ein Tsunami im Gange? Ich traf meinen Bekannten Kris an der Rampe; er hatte sein Boot schon im Wasser und am Dock. Wie war er da nur da hingekommen? Er hatte hohe Gummistiefel an. Ich aber hatte nur knoechelhohe Bootsschuhe und da waren bestimmt 20 m Wasser zu ueberbruecken. Kris meinte die tiefste Stelle waere etwa 40 cm tief. Was solls? Es wuerde noch 2h dauern bis der Wasserstand runterkam und es sah schoen und fischig aus da draussen. Kris half mir das Boot zu slippen aber ich wollte ihn dann doch nicht fragen ob er mich Huckepack zum Dock tragen wuerde. Mit Dave haette ich das gemacht. Ich schmiss ein paar Stuecke Treibholz ins Wasser und versuchte mich dann schnell drueberwegzubalancieren. Das klappte aber nur etwas und ich tappte schliesslich doch wadentief ins Wasser und musste nun mit nassen Fuessen angeln.

Es stellte sich heraus, es war eine King-Tide – also Springflut – und gleichzeitig war Sturm auf dem offenen Pazifik gewesen der das Wasser gewaltig in die Juan de Fuca Strait hereingedrueckt hat. Ziemlich verrueckt!

Kris hatte die selbe Angelstelle angedacht; praktisch direkt vor Downtown Victoria. Von dort hatte es vielversprechende Berichte ueber die Feiertage gegeben. Es war schoen ruhiges Wasser heute und damit gute Bedingungen fuer eine Solotour. Schnell war ich am Ort und hatte zwei Ruten im Wasser. 3 oder 4 anderen Boote waren schon unterwegs und Kris gesellte sich auch dazu nachdem er seine zwei Krabbenfallen versenkt hatte. Und es blieb nicht lange ruhig und ich hatte kaum Zeit meine nassen Socken am Propanheizer zu trocknen. Ein Schwarm knapp untermassiger Chinooks war vor Ort und die rappelten regelmaessig an den Ruten. Ich hatte gut zu tun. Um diesen 40-45cm Kleinlachsen auszuweichen, schleppte ich in tieferes Wasser. Dort war Ruhe, aber eben auch Vollruhe. Nach einer Stunde, textete ich mal Kris an und er hatte einen schoenen 68 cm Lachs in der Box. Im Flacheren gefangen. Also, setzte ich meine naechste Bahn im Flacheren an.

Ein weiterer Kleinlachs kam dazu aber nichts weiter was auf einen Schwarm groesserer Fresslachse hingewiesen haette. Auch keine Futterwolken oder interessante Echosignale. Totes Meer. Bei Kris ging auch nichts mehr aber er war wohl geduldiger als ich. Ich sagte ihm, dass ich nach Westen an meine andere bekannte Schleppstrecke vor Victoria verlegen wuerde. Vielleicht war da mehr Leben. Die Fahrt war hoechstens 5 Minuten. Dort schleppte ich die Blinker in 40-50 m Tiefe – einen direkt am Grund und einen 3-5 m darueber. Und hier war tatsaechlich mehr los auf dem Echo. Aber Bisse bleiben erstmal aus. Dann hoerte ich ploetzlich meine hoehere Rute aechzen – mehr als ich die wilden Reissbewegungen sah. Wow! Der wollte aber wirklich weg!

“Endlich”, dachte ich, als ich besseren Widerstand fuehlte. Der Fisch tobte am anderen Ende und ich hatte eigentlich nicht allzugrosse Hoffnung, dass der den langen Weg haengen bleiben wuerde. Auch an der Oberflaeche angekommen hoerte der Lachs nicht auf zu toben. Er war nicht sehr gross aber mein bisher Bester heute. Als ich ihn neben dem Boot hatte und er mal eine Sekunde still hielt, mass ich ihn per Augenmass ab, etwa 60 cm. Gut, der kommt mit, wer weiss was noch alles oder nicht kommt heute. Ich drehte noch weitere Runden um die Fangstelle aber es biss nichts mehr. Komisch.

Dann zog ich weiter und an einer felsigen Untiefe fand ich dann einen weiteren Lachsschwarm und die waren hungrig! Es kam Biss auf Biss und mir wurde warm vom Kurbeln und Fisch abhaken. Ich fing so bestimmt 6 Lachse, alle so um die 50 cm und im Notfall behaltbar aber ich hoffte auf einen richtigen Brocken fuer mein Tageslimit. Als ich schon wieder Richtung Hafen zurueckschleppte hatte ich noch einen harten Biss, der auch sofort ausloeste und sich fuer einen Augenblick schwer anfuehlte – dann aber leider sofort wieder ausstieg. Eine fette Scholle fing ich noch – Beweis, dass ich gut grundnah gefischt hatte. Aber ein zweiter Lachs zum Mitnehmen sollte sich nicht mehr finden.

Kris war auch schon fertig und hatte neben seinem Lachs noch ein paar schoene Krabben gefangen. Also war der Tag doch gar nicht so schlecht – auch wenn das sicher noch ausbaufaehig ist. Aber das Jahr faengt ja gerade erst an und Fische gibt es schon mal! Und von wegen Regen, es wurde ein schoener, fast warmer und trockener Tag auf dem Wasser und am Ende waren sogar meine Socken wieder trocken!

0.webp1.webp2.webp3.webp4.webp
 
Danke für deinen tollen Bericht.
 
Wie immer ein schöner Bericht vom Lachsangeln an der Westcoast.
Erinnerungen werden wach (Erdnusslocken).


Gruß

Olaf
 
7.3. und 15.3. 2026; Victoria/Sooke

Die Zeit verfliegt und ich kam einfach nicht dazu mal einen Bericht zu schreiben. Dabei bin ich sogar zweimal im Maerz auf’s Meer rausgekommen. Davor war mein Boot einsatzunfaehig gewesen wegen kleinerer Wartungsmassnahmen – Salzwasser ist der Feind aller Materialien. Am 7.3. machte ich eine kurze Probetour mit meinem Grossen und seiner Freundin, und sogar meine bessere Haelfte kam mal mit, da ich versprach es wuerde ruhig und kurz werden. Wir drehten bei ziemlich schoenen Wetter ein paar Runden vor Downtown Victoria auf der Suche nach paar hungrigen Winter Chinooks. Wir fanden auch ein paar Kleine aber es dauerte eine Weile bis sich mal einer mit massiger Groesse an einen der eingesetzten Blinker wagte. Katarina, Ricardos Freundin, durfte sich mit fast allen Fischen messen und sie wurde von Ricardo wachsam geschult. Die Freude war gross als er dann endlich mal einen 58 cm langen Chinook kescherte und den Studentenkuehlschrank mal wieder mit gesundem Seafood fuellte.

Da wir die beiden Blinker entweder hart am Boden oder kurz darueber fischten, war auch die Chance auf einen Bodenraeuber gegeben. Eine fette Scholle kam bald zutage und ich nahm die auch gerne fuer mich mit. Waere schoen gewesen noch 2 oder 3 weitere dazuzupacken aber leider passierte das nicht. Kurz vor Schluss zog ich noch eine Schleife etwas tiefer und Ricardo liess gerade den einen Koeder wieder bis zum Grund hinunter, als diese Rute auch sofort ausloeste. Er dachte erst er haette beim Ablassen zu hart gezogen aber sogleich zeigte das ungeduldige Reissen an der Rute das da was Lebendiges am Haken hing. Und scheinbar auch was Schweres denn die Rute blieb schwer gekruemmt und Ricardo musste auch gleich Schnur lassen. Das war was Groesseres und nun herrschte ploetzlich Aufregung auf dem Boot. Ricardo bot Katarina wieder die Rute an aber die winkte diesmal ab.

Der Fisch stand tief und wuppte nur hin und wieder mal mit dem Kopf, wie es schien. Vielleicht ein Heilbutt? Ricardo zuckte mit den Schultern. Wir waren alle gespannt. Ich holte vorsorglich die andere Rute und die Downrigger ein, um klar Schiff fuer die Landung zu haben. Dann tobte der Fisch los und Schnur flog von der Rolle – aha, jetzt ist er erst richtig aufgewacht! Der musste wirklich gut sein! Vor einigen Jahrzehnten kamen im Maerz schon die ersten Fruehaufsteiger einiger Chinookstaemme hier durch die Juan de Fuca Strait durch. Das waren meistens Chinookstaemme von weit oben im Fraser River; tief in den Rockies. Die hatten eine 1500 km und mehrmonatige Reise zu ihren Laichgruenden vor sich und waren daher schon so fueh im Jahr unterwegs. Auch einige Chinookstaemme im Puget Sound hatten frueher solche Fruehaufsteiger. Oft waren das richtige Brecher in der 30-50 Pfund Klasse. Leider sind viele dieser Staemme ausgestorben oder so arg dezimiert, so dass der Fang eines dieser selten Exemplare heute fast wie ein Lottogewinn aussieht. Aber hin und wieder hoert man mal vom Fang eines 20+ Pfund Chinooks im Maerz. Aber wegen diesen Fruehaufsteigern hat der Chinook hier auch seinen Spitznamen “Spring oder Spring Salmon” abbekommen, obwohl jetzt die Grosszahl der uebriggebliebenen Chinooks im Sommer und Fruehherbst zieht.

Hatte Ricardo vielleicht einen dieser Dinos am Haken? Schien fast so! Leider werden wir es nie wissen denn nach vielleicht 2 oder 3 Minuten war der Kontakt ploetzlich weg. Einfach Haken ausgeschlitzt. Schade! Den haetten wir gerne wenigstens mal gesehen. Danach machten wir auch schon Schluss. Aber das Erlebnis regte die Jagdlust in mir definitiv wieder an.



Am darauffolgenden Wochenende mobilisierte ich dann meinen Freund Dave und wir fuhren diesmal weiter westlich nach Sooke, weil dort der Wind ruhiger sein sollte. Dave hatte auch Angst vor einem Regenguss, der wohl in der Vorhersage stand, aber er bliebt erfreulicherweise aus bis wir wieder zu Hause waren. Wir setzten die Ruten oestlich des Otter Points ein aber in der ersten Stunde passierte dort absolut nichts. Auch zwei andere Boote blieben ohne Action. So verschob ich uns nun weiter westlich, direkt vor den Otter Point. Da schnappten mal zwei Untermassige zu aber insgesamt blieb das Ergebnis dort auch unbefriedigend. Da schlug ich vor noch weiter westlich bis zum Muir Creek zu fahren. Eine stark frequentierte Lachsstelle im Sommer, aber im Winter/Fruehling habe ich noch nie einen Troller hier gesehen; oder vielleicht wusste ich das nur nicht weil ICH noch nie so weit im Westen um diese Jahreszeit hier war?

Die Stelle war eine steile Scharkante vor der Muendung des Baches Muir Creek, der eine weitlaeufige flache Sandbank vor der Bachmuendung geschaffen hatte. Dann ploetzlich fiel der Grund von 15m auf 40m ab. An dieser Kante zogen im Sommer gerne alle Lachsarten entlang. Warum sollten hier nicht auch mal im Winter Lachse herumspuken? Wenn Futter da war? Schien aber nicht da zu sein, laut Echo. Also die Erwartung war niedrig. Und trotzdem riss es ploetzlich an meiner Rute und ich fuehlte ordentlichen Widerstand. Na also! Ein beherzter Drill brachte einen 62 cm Chinook zutage. Dave sackte ihn ein. Er war auch markiert – was Voraussetzung fuer’s Behalten jetzt ab Maerz war. Klasse! Weiter so, dachten wir. Aber einige Schleifen ueber der Fangstelle brachte nichts mehr. So schleppten wir weiter.

Da! Es riss wieder an meiner Rute und loeste sofort aus. Das musste wieder was Kraeftigeres sein! Und der Fisch machte gleich Alarm. Heftig Schnurnehmen wechselte sich mit wildem Einkurbeln ab. Der Fisch brachte mich zum Schwitzen und meine Kurbelhand brannte. Dann kam er das erste Mal in Sicht. Wow, ein toller Teenager! Aber damit war noch lange nicht Schluss. Der Fisch tobte und raste am Boot herum als ahnte er schon was ihm bluehte. Und Dave war wohl rostig am Kescher! Einige Male zog ich den Lachs in Kescherweite aber irgendwie zoegerte Dave zuzulangen und der Fisch drehte immer wieder ab. Einmal langte Dave zu aber der Fisch, noch halb draussen, wand sich wieder aus dem Netz. “Den werden wir wohl noch vergeigen!” warnte ich Dave. Dann endlich nutzte er mal die volle Laenge des Teleskopstiels und versenkte den Lachs im Netz. Endlich! Wir klatschten uns ab und ich setzte mich erstmal erschoepft hin. Wow, man vergisst wie kraftvoll so ein groesserer Lachs doch ist. 77 cm und 13 Pfund. Schoenes Silberpaket fuer einen Winter Chinooks.

Dave kopierte nun exakt mein Koedersetup. Aber der naechste Biss kam wieder bei mir. Der war zwar etwas kleiner als der Vorherige aber mindestens so gross wie der Erste. Dave wollte schon keschern, da sahen wir aber die Fettflosse. Der war unmarkiert und durfte wieder schwimmen. Eigentlich ungewoehnlich um diese Zeit einen unmarkierten und damit vielleicht einen wilden Chinook zu fangen. Typischerweise sind die Chinooks hier vor dem Suedzipfel der Insel zwischen Spaetherbst und Fruehsommer fast alle markierte Chinooks aus US Brutstationen. Deswegen duerfen wir ja auch ueberhaupt noch Lachsfischen, denn diese erbrueteten Lachse sind zur Bestandsstuetzung aber auch fuer die Fischerei ins Meer gesetzt worden. Die Devise heisst: Wildlachse freilassen, Hatchery Lachse mitnehmen. War dieser eine hier tatsaechlich einer der seltenen Wildlachse? Mitten zwischen den beiden kuenstlich erbrueteten Lachsen, die ich vorher gefangen hatte? Eher unwahrscheinlich. Und es war ja auch nicht einer der riesigen Fruehaufsteiger von denen ich vorher erzaehlt habe. Eher wahrscheinlich war der auf der Fettflossenbeschneidungsmaschine durchgerutscht und damit ein falscher Wildlachs. Aber Regeln sind Regeln und mit einer intakten Fettflosse hatte der Lachs nunmal ein Visa fuer freie Fahrt durch die Angelfischerei.

Dann machten wir auch bald Schluss. Dave konnte nicht glauben, dass ich heute alle Fische gefangen hatte obwohl er praktisch das Gleiche gemacht hatte. War natuerlich mein Boot Schuld, irgendwas stimmte auf seiner Bootsseite wohl nicht! Ich gab ihm den Kleineren zum Trost. War zwar nicht die tolle Beiserei gewesen, aber es Spass gewesen und ein 13 Pfuender im Maerz ist ein beachtlicher Fisch und macht Appetit auf mehr.

1.webp2.webp3.webp4.webp5.webp1.webp2.webp3.webp
 
3.5. 2026; Victoria

Nach fast einer Woche im Okanagan Valley im Inneren von BC wegen einer Konferenz war ich dann doch froh am Sonntag den 3. Mai wieder an der Kueste auf meiner Insel zu sein. Versteht mich nicht falsch; ich mag das Okanagan Valley sehr. Die riesigen Seen in den steppenartigen Taelern, mit Bergen umgeben. An den Talhaengen unendliche Wein- und Obstplantagen deren Produkte in unzaehlichen Weinguetern und Obststaenden am Strassenrand angeboten werden. Im Sommer afrikaaehnliches Wetter; heiss und trocken. So ganz ueberhaupt nicht wie man sich Kanada vorstellt! Aber im Sommer ist es mir dort zu heiss und von Touristen ueberlaufen. Und seit 20 Jahren wueten im Inneren von BC jedes Jahr grosse Waldbraende, die oft auch im Okanagan Valley die Luftqualitaet beeintraechtigen. Jetzt, Ende April/Anfang bis Mitte Mai und vielleicht noch Ende September bis Mitte Oktober finde ich die besten Zeiten das Tal zu besuchen. Und das scheinen mittlerweile auch die deutschen Touris zu wissen; auf dem Hinweg (400 km) habe ich 2 oder 3 Wohnmobile mit deutschen Touris gezaehlt (es gibt 3 Womoanbieter die ausschliesslich im deutschsprachigen Raum anbieten) – auf dem Rueckweg 5 Tage spaeter schon 20-30. Im Juli/August werden es dann hunderte. Es war auch meine erste Langstreckentour mit einem Stromer; einem ziemlich neuen Chevy SUV mit ueber 500 km Reichweite. War etwas nervoes weil ich auf jeden Fall unterwegs mal aufladen wollte/musste um keine Panikattacke zu kriegen. Und ich muss sagen, ich bin absolut ueberzeugt: man kann jetzt auch ohne Sorgen und Probleme mit Stromern in BC reisen. Genuegend Schnelladestationen in allen Gegenden und wir hatten nie Probleme eine freie Station zu finden. Hatte mir vorher eine Ladekarte besorgt; sonst geht das auch ueber Handy-Apps. Ich habe die Kostenabrechnung gesehen – die 800 gefahrenen Kilometer haben uns ganze $30 gekostet. Unglaublich! Wer jetzt noch ueber die Spritpreise jammert, sollte mal nachdenken.

Anglerisch bietet das Okanagan Valley zwar auch Einiges, und die Fahrt dahin zieht sich an herrlichen Forellenfluessen entlang, und ich hatte auch meine Fliegenrute mit Minimalausruestung dabei, allerdings fand sich dann doch keine Zeit zum Angeln und bei Reisepausen an den Fluessen ergab sich durch die starke Schneeschmelze und damit verbundenen Wasserbedingungen auch keine realistische Moeglichkeit. So freute ich mich auf die Heimkehr zu meinen Inselfischen. Den Tag nach meiner Rueckkehr lockte es mich auch direkt wieder auf Meer; kaum Wind und gute Berichte von den Lachsfischern. Mein Sohn Alex kam auch mit. Wir nahmen auch das Heilbuttzeug mal mit; fuer den Fall dass wir schnellen Lachserfolg haetten und dann noch den Stroemungswechsel fuer einen Buttversuch nutzen wollten. Mit nur 2 Personen an Bord kann man auch Geschirr fuer beide Angeleien mitschleppen, ohne ueber alles stolpern zu muessen.

Der Parkplatz an der Slippe war schon sehr voll als wir Mitte Morgen ankamen. Ruckzuck war das Boot im Wasser und wir unterwegs. Ich entschied mich etwas weiter zu fahren – zu den Oak Bay Flats, etwa 20 Minuten Fahrt um die halbe Victoria Waterfront herum. Als wir ankamen war da schon eine gute Flotte unterwegs. Wir fingen noch im ziemlich flachen Wasser an. Wir kamen an einer Futterfischansammlung vorbei an der die Meeresvoegel verrueckt spielten. Das war ein gutes Zeichen. Und tatsaechlich riss es ploetzlich superhart an der Blinkerrute die im Mittelwasser fischte. Ein guter Fisch hing dran und nahm ordentlich Schnur von der Rolle. Ein Nachbarboot sah uns im Drill und feuerte uns an waehrend sie etwas abdrehten um uns nicht ins Gehege zu kommen. Sehr freundlich! Der Lachs verkaufte sich wirklich gut aber nach etwa 5 Minuten hatten wir ihn neben dem Boot – Alex war schon mit dem Kescher bereit aber da sah ich deutlich die Fettflosse – schade, unmarkiert, wahrscheinlich ein Wildlachs und daher momentan geschuetzt. Ich hakte ihn im Wasser ab und er spritzte mich zur Verabschiedung nass.

Wir drehten noch mehrerer Runden in der Gegend aber konnten keine Bisse mehr provozieren. Dann zogen wir langsam weiter. Ich brachte uns in Gebiete mit etwas abwechslungsreicherem Untergrund. Und sofort begann die grundnahe Blinkerrute allerlei Bodenfische aufzusammeln. Erst ein kleinerer Lingcod, dann mal eine Scholle und auf einmal einen sehr feinen Felsenbarsch, den wir auch behielten. Meine Lieblingsfischart fuer Ceviche. Aber wo waren die Lachse?

Die Stroemung wechselte und verursachte richtige Wirbel in dieser Gegend. Und das schien die Lachse aufzuwachen. Ploetzlich riss es wieder an der tiefen Blinkerrute und ich schnappte mir die Rute. WIeder ein sportlicher Gegner der auch sofort gen USA rasen wollte. Alex drehte den Motor runter damit ich weniger Widerstand hatte. Der fuehlte sich auch schwer an wenn er mal stillhielt. Langsam bekam ich ihn hoch und naeher heran. Dann blitzte er das erste Mal silbrig im Wasser auf – ein herrlicher Moment. Und der war weit ueber 10 Pfund, wahrscheinlich so um die 13 – 14 Pfund. Schoener Fisch fuer diese Jahreszeit. Aber war er markiert? Wir konnten das nicht bestimmen; der Fisch hielt sich zu tief und hielt kaum mal still. Hin und her um das Boot und einmal sausste er sogar unter dem Boot durch. Hatten Glueck das er sich nicht um das Kabel des zweiten noch ausgelegten Downrigger wickelte. Dann endlich sackte Alex ihn in den Kescher ein. Ein banger Blick ins Netz – jawoll! Keine Fettflosse, ein Markierter und damit ein legaler Keeper! Feiner Fisch!

Die Stroemung hatte uns waehrend des Drills ziemlich abgetrieben und wir tuckerten wieder zu der Beissstelle zurueck. Da zog ploetzlich wieder die tiefe Rute ab und Alex drillte den naechsten Fisch. Der schien auch gut aber kam etwas williger heran. Als wir ihn in Bootsnaehe hatten, zoegerte ich mit dem Kescher – ich haette gerne zuerst gesehen ob er markiert war oder nicht. Es ist immer besser einen Fisch der freigelassen wird, gar nicht erst zu keschern. Besonders Lachse. Der Fisch war bestimmt auch um die 10 Pfund und waere willkommen an Bord gewesen. Waehrend wir so auf den Lachs starrten um einen Fettflosse zu erkennen oder nicht, bekam der Fisch ploetzlich neue Kraft und in dem Moment wo ich auch schon eine Fettflosse erkannte, schlug der Fisch um sich und kam vom Haken frei. Nun gut, das sparte uns die Arbeit. Es ist eigentlich ungewohnlich schon so viele Wildslachse im Mai anzutreffen; normalerweise waren um diese Jahrezeit noch etwa 90% der Lachse vor Victoria Lachse aus Brutstationen im Puget Sound, USA und damit alle markiert.

Einen weiteren Markierten haetten wir noch gerne gehabt. Wir drehten weiter Runden um die produktive Stelle. Die naechsten 2 Bisse verpassten wir; bzw. die Fische blieben einfach nicht haengen bis wir an den Ruten waren. Dann sah ich mal wieder 2 Zucker, diesmal an dem hoeheren Blinker, Ich riss die Rute rauss und hieb auf Verdacht hin an – hing! Der Fisch war schon einiges kleiner als die Vorherigen und so brachte ich ihn schnell ans Boot. Und der war nun endlich mal wieder markiert und kam auch gleich in Boot; 57 cm ein brauchbarer Keeper. Damit waren wir am Limit fuer Chinook und andere Lachsarten waren noch nicht vor Ort.

Somit brachen wir das Trolling ab und duesten zu einer relativ neuen Heilbuttstelle. Dort duerfte es auch trotz fehlender klassischen Heilbuttgezeiten heute etwa 2-3 Stunden fischbar sein. Wenn Butt da war dann sollte das reichen. Schnell waren wir verankert und hatten 2 Ruten mit duftigen Koedern am Grund. Warten, warten, warten….leider passierte in 2,5 h nichts und wir packten unverrichteter Dinge wieder ein. Manchmal geht eben nichts. Es passiert nicht allzu haeufig, dass man mal Lachs und Butterfolg am selben Tag verbuchen kann hier vor Victoria. Aber wir waren mit der Lachsbeute zufrieden und hatten einen schoenen, sonnigen Tag mit schoenen Drills zusammen verbracht.

1.webp2.webp3.webp4.webp5.webp6.webp7.webp8.webp9.webp10.webp
 
9.5. 2026; Victoria

Ein windstiller Wochenendtag; mein Grosser war mal wieder zu Hause und mein Quasi-Adoptivsohn Alec hatte noch einen Tag Zeit vor seinem Abflug nach Italien. Und so machten wir uns am Samstag auf den Weg zur Victoria Bootsrampe welche um 9 Uhr morgens schon uebervoll war und ich den leeren Anhaenger in einer Seitenstrasse parken musste. Wow, waren die Angler aber ausgehungert oder was? Stellte sich heraus, dass Heilbuttderby war; veranstaltet von einem grossen Angelladen hier in der Stadt. Die Gezeiten passten aber wir wollten heute Lachse jagen. Ich hatte zwar auch zwei Pilkruten dabei aber das war eher fuer Lingcod und Felsenbarsch gedacht. falls Lachs schnell oder gar nicht ging.

Es war ohne jeglichen Wind richtig heiss auf dem Wasser! Das findet man selten hier. Wir duesten wie vorige Woche zu den Oak Bay Flats. Ich erwartete dort aehnlich stetige Action wie letzte Woche. Schnell setzten wir die 2 schlanken Blinker ein und fuhren den GPS Markierungen vom vorherigen Wochenende nach. Es waren anfangs noch 3 oder 4 andere Boot am Lachsschleppen oder Pilken aber mit fortschreitender Zeit verduennten sich die meisten. Am Horizont sahen wir eine grosse Menge Punkte – alles Buttangler die hinter der Schifffahrtslinie vor Anker lagen. Nach 2 Stunden hatten wir nur eine kleinere Scholle hochgebracht. Es war wie ein totes Meer. Wir hatten zwar viel zu erzaehlen, weil wir uns schon eine Weile nicht mehr gesehen hatten und besonders schon laenger nicht mehr miteinander geangelt hatten. Aber ein bisschen Action waere schon schoen, dachten wir. Und so beschloss ich zur Constance Bank rauszufahren. Vielleicht trieben sich da einige hungrige Lachse herum.

Auch dort lagen im Tieferen viele Sportboote vor Anker auf Heilbutt. Aber es waren hier bestimmt auch 10 Lachstroller am Werke – manche ganz oben auf der Bank in 20 m Tiefe und manche an der Kante zum Tieferen. Ich fuhr uns auch an der Kante zwischen 30 und 40 m Tiefe entlang. Den ersten Biss verpassten wir. Dann ruckte es an der Rute mit dem hoeheren Blinker – die Jungs hatten es gar nicht bemerkt aber ich war auf dem Sprung. Und als es nochmal ruckte, ruckte ich zurueck und etwas Schweres blieb haengen. Ich drueckte Ricardo die Rute in die Hand und er hatte gleich eine ordentliche Fluch zu parieren. Aha, das musste ein groesserer Fisch sein!

Wir liessen aber die zweite Rute noch drin um vielleicht einen Doppelbiss zu provozieren. Ich drehte die Drehzahl etwas zurueck um es Ricardo zu erleichtern. Der gewann jetzt immer wieder Schnur zurueck bevor er mal wieder was verlor. Das musste ein besserer Fisch sein, keine Frage. Er genoss den sportlichen Drill und Alec wartete schon mit dem Kescher. Dann sahen wir ihn – ein feiner Lachs – Mitte 70ger. Aber war der auch markiert? Der Lachs tobte jetzt hinter dem Boot herum und immer hin und her. Alec wollte ein paar mal mit dem Kescher zulangen aber immer wieder buechste der Lachs im letzten Moment aus. Wir glaubten keine Fettflosse zu sehen aber es war schwierig das an dem aktiven Fisch zu bestimmen. Dann sackte Alec ihn endlich ein und wir starrten in den Kescher. Ich fuhr nochmal mit dem Finger ueber den hinteren Ruecken – nope, keine Fettflosse. Klasse, ein Keeper! Da hatte der hungrige Student wieder was fuer seine Vorratskammer in Vancouver!

Waehrend Ricardo den Fisch versorgte, brachte ich uns wieder auf Kurs. Den naechsten Biss, wieder an der selben Rute, schnappte sich Alec. Der Fisch kam aber ohne viel Gegenwehr ans Boot und war auch deutlich kleiner. Er hatte wohl gerade so mein persoenliches Mindestmass von 50 cm aber er war auch noch unmarkiert und Alec liess ihn schnell wieder schwimmen. Jetzt hatten wir wohl einen Schwarm gefunden? Denkste. Jetzt wurde es wieder ruhig. Wir sahen auch auf den anderen Booten, die an uns vorbeikamen, keinerlei Action. Und so zog ich uns weiter zur Westseite der Bank. Hier zog die Stroemung schon ziemlich hart und mehr und mehr Heilbuttangler holten ihre Anker ein und gesellten sich zu uns zum Lachsschleppen. Ein Kleinboot mit 2 Maennern hatte zwei schoene Butte aussen am Boot im Wasser haengen. Na dann mal dickes Petri!

Da ruckte es ploetzlich zweimal kurz an der tieferen Rute – dann war wieder still. Ich blieb aber neben der Rute stehen und ploetzlich rappelte es wieder. Die spielen wohl nur herum mit den Koedern. Ich hieb an und es blieb Widerstand. Seitdem ich auf Geflochtene gewechselt hatte, blieben eindeutig mehr Lachse haengen und man sah auch die kleinen Rucke und Attacken besser. Die 15-20m Mono Topshot sollten aber immer noch etwas Dehnung erlauben um knapp Gehakte nicht immer zu verlieren. Beim tiefen Winderlachsangeln – definitiv eine Verbesserung zu pur Mono. Mal sehen wie das im Sommer mit den Grosslachsen aussieht.

Mein Lachs machte auch ordentlich Spektakel an der Rute und nutzte die nun harte Stroemung gut. Es dauerte einige Zeit bis ich den Fisch endlich am Boot hatte. Etwas kleiner als Ricardo’s aber ging auch auf die 70 cm zu. Leider aber unmarkiert und so hakte wir ihn einfach neben dem Boot ab. Schade. Wir haetten schon gerne noch mindestens einen. Der naechste Biss kam wieder hammerhart und an der tiefen Rute aber Ricardo verlor schon nach wenigen Sekunden den Kontakt. Ich hielt uns mehr oder weniger in der Stroemung auf der Stelle, was gut war wenn man einen Lachstruppe gefunden hatte. Allerdings garantierte keiner das auch die Lachse an der Stelle blieben.

Nach vielleicht weiteren 20 Minuten zeigte Ricardo ploetzlich aufgeregt zur flachen Rute. Die war schon aus dem Clip und als Alec die Rute aufnahm, zog sich auch gleich die Schnur stramm. Auch der Fisch verkaufte sich gut aber war offensichtlich kein Riese. Bald hatte Alec ihn muede gedrillt und ans Boot gebracht. Ein langer Blick aus 6 Augen – keine Fettflosse, war das einstimmige Urteil. Und sogleich kam der Kescher zum Einsatz. 62 cm, nicht schlecht! Jetzt haetten wir noch gerne einen Dritten um unsere 3 Lizenzen zu fuellen. Aber wie das so ist, jetzt ging ploetzlich nichts mehr. Ich schleppte uns nochmal die Kante entlang von vorher aber auch hier keinerlei Action. Und so packten wir gegen 13 Uhr ein um der Heilbuttarmada am Schlachttisch und der Rampe zuvor zu kommen. Funktionerte gut und wir hatten keine Wartezeit am Dock. Ein herrlicher, sonniger, windstiller Tag, fast schon zu warm auf dem Boot. War schoen mal wieder mit den Jungs draussen gewesen zu sein und deren neuesten Geschichten zu hoeren. Passiert nun schon viel zu selten. Sie angeln immer noch gerne aber haben eben jetzt ein eigenes beschaeftigtes Leben.

1.webp
 
15.6. – 19.6. 2026; Nootka Sound

So, nach meinem Seeausflug und dem ersten Deutschlandspiel bei der WM ging es auch gleich zum naechsten Angeltrip. Ich hatte mich schon lange auf diesen Trip mit meinen beiden Soehnen zum Nootka Sound gefreut und schon laenger mit den Vorbereitungen begonnen. Nootka Sound ist einer meiner Happy Places und wenn ich mal ein Jahr nicht nach Nootka konnte, fehlte mir einfach was im Jahr. Seit 2012 fahre ich nun fast jedes Jahr hin. Normalerweise gegen Ende Juni oder Anfang Juli. Das ist eigentlich noch Vorsaison weil die zum Nootka Sound rueckkehrenden Lachse, und dabei geht es hauptsaechlich um die grossen Chinooks, typischerweise erst in der 3. Juliwoche tiefer in das Fjordgebiet reinkommen. Im Juni und fruehen Juli angelt man hauptsaechlich vor der offenen Kueste ausserhalb des Fjordes um an die vorbeiziehenden US- und Sued BC Lachse heranzukommen. Die kommen nicht tief in den Fjord hinein weil sie da ja eigentlich nichts verloren haben, sondern die fressen sich auf ihrem Weg zu den suedlicheren Heimatfluessen entlang der gesamten Vancouver Island Westkueste jeden Tag die Baeuche voll.

Das Schoene im Juni dort zu angeln war, dass man das ganze Revier nur mit wenigen Anderen teilen muss. Ab Ende Juli wird es naemlich auch im abgelegenen Nootka Sound voll. Dann laufen die zahlreichen Lodges und Resorts auf Hochtouren und dutzende Guideboote grasen neben hunderten Privatbooten die Angelstellen ab. Natuerlich ist das Nootka Sound Gebiet riesig und man sollte meinen das verteilt sich schon gut. Aber die Wahrheit ist, dass die Angler sich typisch aberglaeubig immer wieder ein einigen wenigen Stellen massiv konzentrieren. Und die Dichte der standorttreuen Riffraeuber wie Felsenbarsch und Lingcod, aber auch Heilbutt, nimmt ab August im kuestennahen Gebiet merklich ab. Die Guideboote donnern dann schon 40 – 50 km offshore um ihren Kunden regelmaessig ihr Tageslimit an Bodenraeubern zu verschaffen. Das ist im Juni unnoetig und man kann ein fantastisches Pilkangeln auf diese Raeuber im kuestennahen Bereich erleben. Der andere Vorteil ist natuerlich, dass die Unterkuenfte in der Vorsaison noch viel billiger sind, wenn sie denn ueberhaupt schon in Betrieb sind. Aber….. und das ist der grosse Nachteil im Juni, die gesamte Angelei spielt sich eben vor dem Fjord an der offenen Kueste ab. Und dort ist man auf das Erbarmen des Windes angewiesen. Das ist die Lotterie die man in der Vorsaison eingeht und die Chancen auf milde Windverhaeltnisse sind meiner Erfahrung nach Ende Juni/Anfang Juli 50/50. Wer meine Berichte hier schon seit Jahren verfolgt, der kann sich vielleicht an einige Nootkatrips erinnern als es fast unmoeglich war vor der Kueste vernuenftig zu angeln und daher dann auch der Fangerfolg begrenzt war. Viele Norwegenangler kennen ja auch diese Wetterlotterie die man immer wieder bereit ist einzugehen weil es einfach so herrlich ist wenn man mal Glueck hat und einem das Angelparadies in allen Richtungen offen steht.

Nun, dieses Jahr fuhren wir also noch frueher als sonst, weil es einfach immer schwieriger wird mit meinen erwachsenen Soehnen eine passende Zeit zu finden. Als der Termin feststand, hiess es Daumen druecken das der Wind mitspielte. Als ich vom Inneren BC wiederkam und zum ersten Mal die Windmodelle fuer die folgende Woche aufrief, fielen mir fast die Augen raus; da war ein regelrechter Sturm vor der gesamten Vancouver Island Westkueste angesagt! Oh nein! Und je naeher die Abfahrt kam, desto roter wurde die Windkarte. Auch Du Sch…., was jetzt? Als ich meine Jungs mal beisammen hatte, stellte ich mal in den Raum das wir die Reise auch absagen konnten. Es saehe wohl so aus als ob wir an keinem Tag wirklich aus dem Fjord herauskaemen und daher hoechstens an ein paar im Fjord herumjagende Winter Chinooks herankommen koennten. Vielleicht noch den einen oder anderen kleineren/mittleren Lingcod. Heilbutt wuerde komplett ausfallen denn die kommen nur selten weit in die tiefen und meist felsigen Fjorde.

Aber zu meiner grossen Freude meinten Alex und Ricardo sofort das sie trotzdem fahren wollten, selbst wenn wir wenig fangen wuerden. Sie sind tatsaechlich erwachsen geworden und geniessen nun auch einfach Zeit miteinander und mit dem Papa zu verbringen. Machte mich maechtig stolz! Und so fuhren wir mit MaxWaldi im Schlepp um 4 Uhr morgens am 15.6. los. Die Fahrt ging flott und ohne Probleme und um 9:30 Uhr kamen wir in Gold River am Ende des Asphaltes an der Bootsrampe an. Dort standen schon 2 Boote vor uns und warteten. Wir wussten auch worauf; vor 10 Uhr war nicht genug Wasser in der Flussmuendung an der die Slipanlage war, um ueber die flachen Stellen bis zum Fjord durchzukommen. War bloedes Gezeitentiming fuer unseren Trip aber das war leider nicht zu aendern. Ab Mittag blies es vor Gold River oft den Fjord hoch und konnte die einstuendige Bootsfahrt zum schwimmenden Resort Critter Cove sehr unangenehm machen – zumindest fuer die ersten 10-12 km bis man dann im weitverzweigten inneren Fjordsystem Schutz fand. Daher war ich ungeduldig und wollte so schnell wie moeglich auf’s Wasser. Aber wir warteten noch bis 10:15 Uhr und als dann ein aehnlich grosses Boot vom Fjord her an der Slippe ankam, traute ich mich auch. Alex stand vorne am Bug und hielt nach grossen Steinen oder anderen moeglichen Hindernissen im Fluss Ausschau waehrend ich langsam und mit hochgekippten Motor die 200 m Flussstrecke hinuntertuckerte. Alles gut und dann ging es los.

Es war schon bisschen wellig aber wir konnten noch Vollgas geben. 20 Minuten spaeter kamen wir in geschuetztere Gefilde und ich uebergab mal Alex das Steuer. Ploetzlich rief Ricardo auf und zeigte zum Ufer. EIn Schwarzbaer stromerte an einem kleinen Kiesstrand bei Ebbe umher und suchte sicher nach Krabben und Muscheln die in kleinen Tidepools festhingen. Alex fuhr und langsam bis dicht vor den Strand sodas wir dem Baer eine Weile zugucken konnten. Der hatte uns aber bemerkt und war sehr misstrauisch und fuehlte sich gestoert. Daher liessen wir ihn auch bald wieder in Ruhe und duesten weiter. Nach einer weiteren halben Stunde und an mehreren unbeliebten Lachsfarmen vorbei, kam endlich das Critter Cove Resort in Sicht. WIr waren gerade auf der Hoehe des Camel Rock, einer der beruehmten und beliebten Lachsangelstellen wenn im Juli und August die Lachse tief im Fjord waren, als wir ein Boot sahen, dessen Besatzung gerade einen Fisch drillte. Wir beobachteten das eine Weile und sahen die Crew bald einen richtig ordentlichen Lachs keschern. Nanu? Jetzt grosse Lachse hier tief im Fjord? War das ein Zufallsfang? Oder sollten sich uns vielleicht doch ungeahnte Moeglichkeiten sogar im Windschutze des Fjordes ergeben?

Kurz darauf legten wir vor unserer Suite am Dock an, meldeten uns an und bezogen die Wohnung. Klein aber genug. Es war No Frill Week in Critter Cove; das Restaurant hatte diese Woche noch zu, und der sonst uebliche Service war begrenzt weil in dieser Woche erst die neue Belegschaft eingewiesen und angelernt wurde. Dafuer bezahlten wir aber auch nur ein Viertel von dem was uns eine Augustwoche gekostet haette. Am fruehen Nachmittag stachen wir dann zum ersten Mal in die See. Ich wollte bis zum Leuchtturm, der am Flordeingang stand, fahren und mal sehen wie die Bedingungen vor der Kueste wirklich aussahen. Ich hatte Alexander versprochen, nicht auf Teufel komm’ raus in hoher Duenung und grossem Wellengang zu angeln. Er vertrug das noch weniger als ich. Ricardo war in dieser Beziehung unzerstoerbar.

A.webpA0.webpA1.webpA2.webpA3.webpA4.webp
 
15.6. 2026, Nootka Sound Tag 1

Und so fuhren wir bald den Fjord raus. Schon einen Kilometer von der Muendung entfernt kam die Duenung hereingeschwappt. Nicht riesig aber ekelig kurz-frequentig und unangenehm entgegen zu fahren. Als wir uns 10 Minuten spaeter bis zum Leuchtturm Friendly Cove durchgekaempft hatten und auf’s offene Meer schauten, schuettelten wir uns gegenseitig die Koepfe zu; 1.5 m Duenung alle 2-3 Sekunden und eine Meterwelle quer drueber. Haesslich und in unserem Boot nicht befischbar. Ein oder 2 groessere Boote sah man da draussen herumholpern aber die meisten Boote hatten sich im Wind-und Wellenschatten innerhalb vom Leuchtturm und Fjord abgeduckt. Das war auch unser Plan. Je nach Futter konnte man auch hier richtig gutes Angeln erleben. Manchmal war das Futter aber nur um die Ecke herum, zwischen den Felsinseln und Buchten der offenen Kueste. Das war dann frustrierend wenn man weiss, dass die Fische nur paar 100 m weg aber doch unerreichbar waren. Mal sehen.

Ich hielt unser Boot auf Kurs und die Jungs machten Ruckzuck zwei Ruten und die Downrigger fertig. Die beiden waren erfahren und geschickt mit dem Geraet und eine klasse Angelcrew! Eine UV Flashfly, die sowohl eine mittlere Sardine oder Hering aber auch ein Squid imitieren konnte, auf der einen Seite und etwas tiefer einen schlanken, mittelgrossen Glow-Blinker der Kleinheringen oder Sandaalen aehnlich sah. Und so schleppten wir eine halbe Stunde Richtung inneren Fjord, immer dicht am felsigen Ufer entlang. Wir kamen an einer kleinen Insel, die eine kleinere Bucht verdeckte, vorbei und ploetzlich kamen grosse Wolken am Echo auf. Ricardo deutete auch zu springenden kleinen Fischchen vor dem Boot. Hier war Leben, da muesste doch was gehen!? Wir waren schon fast an der Insel vorbei und vor dem oestlichen Eingang zur Bucht als Ricardo ploetzlich aufsprang und sich die Flashflyrute schnappte. Anschlag sass und die Rute war gut krumm. Und, fragte ich? “Richtiger Fisch”? Ricardo wackelte unsicher mit dem Kopf. Es sah so aus als wollte der Fisch Schnur nehmen aber nicht richtig konnte. Wir liessen die zweite Rute noch drinnen. Aber dann hoerte ich ploetzlich die Bremse lossingen. Aha, doch kein Kleiner!? “Nee, das ist was Ordentliches.”, meinte Ricardo jetzt. Alex und ich freuten uns. Na also! Vielleicht fingen wir ja doch wenigstens einen guten Fisch trotz Sturm.

Alex holte schnell die zweite Rute rein und ich beide Downrigger damit kein Hindernis noch in die Quere kam. Ricardo drillte den Fisch gut aus und nach 5 Minuten bekamen wir einen ersten Blick. Jawoll! Das war ein guter Teener Chinook! Bitte bleib’ jetzt dran, dachte ich. Alex stand schon mit dem Kescher bereit aber der Lachs wollte noch nicht und zog noch zweimal tief ab. Aber dann zerrte ihn Ricardo in den wartenden Kescher und er kam an Bord. Mensch, wir alle 3 jubelten und klatschten uns strahlend ab. Das war ein richtig guter Fisch – vielleicht 14- 15 Pfund. Wenn das so losgeht, dann ist doch alles bestens! Schnell hatten wir ein Foto gemacht und den Fisch versorgt und dann die Ruten wieder eingesetzt. Ich drehte zurueck zu dem Futterschwarm. Und keine 10 Minuten spaeter rappelte die Blinkerrute los und Alex hatte einen Fisch am Band. Der schien etwas kleiner aber als er ihn am Boot hatte, kam ein schoener 6-7 pfuendiger Coho in Sicht. Und hier im Fjord drinnen darf man markierte und unmarkierte Cohos behalten. Na klar, den nahmen wir auch gerne mit! Der sollte eines unserer Abendessen werden. Ich zirkelte wieder zurueck und 5 Minuten spaeter der naechste Biss und wieder ein Coho. Der war vielleicht ein bisschen kleiner aber markiert und daher nahmen wir den auch mit. Wer haette das gedacht, dass wir am ersten Abend nach einer Stunde schon eine gute Rutsche Lachs in der Kiste haetten!

Wir sahen jetzt mehr springende und schnappende Kleinfische in dem Buchteingang und so fuhr ich mal um die Insel in die Bucht hinein. Da wurde ploetzlich die Flashflyrute brutalst nach unten und hinten gerissen. Ein Ripper! Bevor Ricardo die Rute auch nur in der Hand hatte, waren schon etliche Meter Schnur von der Rolle. Was war denn hier los? Ein atemberaubender Drill begann und wir feuerten Ricardo an. Der Fisch sprang sogar einmal aus dem Wasser; etwas was Chinooks nicht oft machen. Der war wieder ein feiner Fisch. Und kurze Zeit spaeter lag wieder ein herrlicher Chinook von 17-18 Pfund im Boot. Unglaublich! Und es ging munter weiter. Ich verpasste einen schoenen Biss, Alex verlor einen guten Fisch nach paar Sekunden. Und etwas tiefer in der Bucht wurde wieder die Blinkerrute brutal ausgeloest und waehrend ich noch die Rute aus dem Halter fummelte, zerrte der Fisch schon Schnur von der Rolle. Und er lief und lief und lief…. Wow, das musste ein Brocken sein! Die Jungs machten das Deck frei und holten die Downrigger ein und drehten den Motor zurueck. Endlich hielt der Fisch an und ich machte Druck. Aber jetzt raste der Fisch unaufhaltsam Richtung Boot, und trotzdem ich an der Rollenkurbel alles gab und Ricardo den Motor wieder aufdrehte, war die Schnur sicher 5 Sekunden schlapp und ich hatte wenig Hoffnung, dass der Einzel-Schonhaken solange hielt. Aber ich hatte Glueck und er blieb dran und irgendwann war ploetzlich wieder Widerstand da. Und jetzt hielt der Fisch tief und ich fuehlte maechtige Kopfstoesse. “Das ist ein grosser Fisch!”, meinte ich zu den Jungs, und ich legte mich und das Material voll rein. Jetzt galt es alles rauszuholen. Und langsam kam er. Als er vielleicht 10 m hinter dem Boot das erste Mal an die Oberflaeche kam, sahen wir nur kurz eine maechtige Schwanzflosse aufplatschen und schon zog der Fisch wieder unaufhaltsam ab. Ich musste ihn noch zweimal zum Boot pumpen bis er dann endlich auch kaputt war und sich in den Kescher ziehen liess. Gewonnen! Wieder jubelten wir als Alex den Fisch hereinhievte. Wow, der war schon einiges ueber 20 Pfund! Was fuer ein Fisch! Groesser als jeden den ich das ganze letzte Jahr gefangen hatte. Genau 90 cm lang. Jetzt fuellte sich unsere Fischbox schon ziemlich gut.

Aber es ging weiter! Wir erlebten eine unfassbar gute Angelei in dieser Bucht hier. Es dauerte keine 10 Minuten sie einmal komplett zu durchrunden aber in jeder Runde bekamen wir mindestens einen Biss. Auf der Inselseite bis zum Buchteingang schienen mehr die Cohos zu stehen und wir fingen von denen auch noch einige. Fuer Mitte Juni waren die auch schon gut im Futter und alle mindestens 5- 6 Pfund schwer. Wir behielten erstmal keine weiteren Cohos und liessen alle wieder schwimmen. Alex fing auf einmal einen massigen Lingcod an der Blinkerrute und das veranlasste uns es mal mit Pilkern zu versuchen. Wenn die Lachse hier so zahlreich standen und auch frassen, konnte man sie vielleicht auch am Pilker fangen. Ricardo brachte eine schoene Scholle hoch die ich auch gerne mitnahm. Einige kleinere Felsenbarsche verfielen auch dem Pilker, aber die Lachse hielten sich davon fern. So gingen wir nach einer halben Stunde wieder zum Schleppen ueber.

Da kam auch sofort wieder ein harter Biss an der Blinkerrute bei 30 m Tiefe und diesmal war ich wieder dran. Guter Widerstand, starke Kopfstoesse und die erste Flucht… und ploetzlich war er weg. Oh Mist, das Vorfach war durchgescheuert. Wir vermuteten das der Lingcod mit seinen Zaehnen oberhalb vom Blinker am Vorfach seine Spuren hinterlassen hatte. Und wir hatten nicht kontrolliert. So nachlaessig wollten wir nicht mehr sein. Ich fand noch einen aehnlichen Blinker in meiner Koederkiste. Und die Beisserei ging munter weiter. Ganz hinten in der Bucht zog wieder die tiefere Blinkerrute ab und Alex wurde in einen sportlichen Drill verwickelt. Auch der katapultierte sich einmal aus dem Wasser und war wieder ein feiner Chinook. Es machte uns allen einen Riesenspass einen guten Fisch nach dem anderen zu drillen. Alex strahlte an der Rute. Und schliesslich hatte ihn Alex muede gekriegt und in die Reichweite vom Kescher gebracht und ich sackte ihn ein. Wow, wieder ein 16 Pfuender.

Wir waren begeistert von dieser Angelei hier. In der geschuetzten Bucht konnten wir trotz der steifen Brise in Ententeichbedingungen fischen. Chinook und Coho schienen hier voll drinnen zu stehen und sich an den grossen Kleinfischschwaermen, die wir immer wieder am Echo sahen, die Baeuche vollzuschlagen. Und wir hatten das durch Zufall entdeckt und hatten die Stelle fuer uns alleine. Waehrend die anderen Boot vorne am Leuchtturm in den Wellen kaempften, standen wir hier in ruhigem Wasser dick im Fisch. Wir hatten jetzt 4 grosse Chinook und 1 Coho und eine Scholle an Bord. Wenn mir einer gestern gesagt haette, dass wir auf dem gesamten Tripp soviel fangen wuerden, haette ich das angesichts der angesagten Windverhaeltnisse voll unterschrieben. Das war eine Fuegung von Petrus, keine Frage! Das Witzige war das hinten in der Bucht eine Fishing Lodge am Ufer stand und wir einige Boote raus- und reinkommen sahen. Die fuhren alle raus in die rauhen Bedingungen und konnten nur hoffen halb so viele und gute Lachse dort zu fangen. Dabei standen die dicken Lachse direkt vor deren Haustuere. So kann’s gehen! Irgendwann machten wir Schluss; ich musste ja noch die vielen Fische filettieren und zur Kuehlung vorbereiten und die Jungs wollten was kochen.

Dieser unerwartete Erfolg schon am ersten Nachmittag brachte auch Herausforderungen. Critter Cove hatte keine Gefriermoeglichkeiten fuer die Kabinen und Suites am Dock. Die Chalets auf dem Land hatten das wohl, aber wir mussten ohne auskommen. Normalerweise bot das Resort fuer die Dockside Unterkuenfte einen Eisschrank Service wo man Fische waehrend des Aufenthaltes auf Eis legen lassen kann. Natuerlich nicht umsonst. Dafuer werden die Fische besser nicht filettiert sonder nur ausgenommen und ohne Kopf eingetuetet und dann dort auf Eis aufbewahrt. Aber von Montag Abend bis Freitag war schon eine lange Zeit Fische nur auf Eis gekuehlt aufzubewahren – fand ich zumindest. Mehr als 3 Tage hatte ich das noch nicht probiert. Aber da wir in der No Frill Woche hierwaren, war selbst dieser Service noch nicht fertig. Angeblich erst am Dienstag waere der Kuehlraum fertig und die Belegschaft angelernt das zu bedienen. Gluecklicherweise war das auch vorher so kommuniziert worden und ich konnte mich darauf vorbereiten. Eine weitere Huerde fuer eine Loesung war, dass die Dockside Kabinen und Suites keine Steckdosen fuer Geraete hatten. Das heist, aussen auf der Terasse vor jeder Unit war zwar eine Doppelsteckdose, aber man war gebeten die nur fuer Ladegeraete oder andere Kleingeraete wie medizinische Hilfen oder so zu verwenden. Wahrscheinlich hatten die Schaltkreise keine grosse Kapazitaet fuer etliche Geraete oder Gefriertruhen etc.

Aber ich hatte mir im Winter eine 12V Kuehl-oder Gefriertruhe gekauft im Campingformat und eine feine 12V Lithium Batterie besorgt. Die Truhe konnte bis -20 Grad kuehlen und 2-3 Tage von der Batterie leben. Und die reichte gerade die heute gefangen Fischfilets aufzunehmen. Damit war auch das Problem geloest. Nach 2 Tagen lud ich dann ueber Nacht die Batterie ohne Problem an der Aussensteckdose wieder auf. Waehrend des Ladevorgangs stieg die Temperatur auch nur bis auf -8 Grad wieder an bevor ich wieder neuen Saft hatte. Und so funktionierte auch dieser Behelfsplan. Bei einem schoenen Grillabend und einem kalten Bier liessen wir diesen ueberall erfolgreichen Tag ausklingen. Morgen sollte es um 5 Uhr losgehen. Wir waren heiss und optimistisch auf mehr.

A4a.webpA5.webpA6.webpA7.webpA8.webpA9.webpA10.webpA11.webpA12.webpA13.webpA14.webpA15.webpA16.webpA17.webp
 
17.6. 2026, Nootka Sound Tag 3

Fuer den dritten Tag hatten wir uns mal ein abwechlungsreiches Programm vorgenommen. Am Morgen wollten wir mal zum Leuchtturm fahren und vielleicht um die Ecke zur offnen Kueste schauen. Wenn es sich machen liesse, wuerden wir mal die erste Bucht am Strand und zwischen den ersten Klippen auf Lachs und vielleicht auch etwas weiter draussen auf Butt schleppen. Wenn das nicht ging, konnten wir es immer wieder innen im Fjord und in unserer Bucht versuchen. Das so bis Mittag und dann wuerden wir bis zum ganz inneren Ende des Nootka Sounds fahren, zum Moutcha Bay Resort an der Conuma River Muendung. Dort wuerden wir unser Boot an der Marina abstellen und zu Fuss mehrere Kilometer die Schotterstrasse den Fluss hochwandern, zu ein paar Flussangelstellen die uns in der Vergangenheit zu dieser Jahreszeit schon herrliche Forellen gebracht haben. Wir hatten dafuer extra Spinnzeug dabei.

Wieder kamen wir um 5 Uhr aus den Kojen und waren eine Stunde spaeter beim Leuchtturm. Alex hatte sich fuer die Fahrt in die Bootskoje verkrochen und schlief wieder. Am Leuchtturm angekommen, sahen wir einige Boote auch ausserhalb fischen. Ich fuhr um die letzte schuetzende Felsnase herum und voila, es war gar nicht schlimm. Klar, es war Duenung aber wenn man langsam schleppte sollte man das nicht so sehr merken. Ausserdem war die erste Bucht am Strand noch dazu von einigen im Meer liegenden Felsklippen und Inselchen etwas geschuetzt. Und so tuckerten wir in die Bucht hinein und machten 2 Ruten fertig. Hier hiess es sehr flach schleppen weil wir nur so in 12 -15 m tiefem Wasser unterwegs sein wuerden. Eine Rute hing bei 10 m und eine bei 12 m. Es waren einige grosse Fischsicheln in der Bucht unterwegs und auch Futterwolken die etwas anders aussahen als die Heringsschwaerme, die wir nun schon gewohnt waren. Vielleicht Squids? Die laichten hier in solchen Buchten im Fruehjahr und fruehen Sommer. Dann schossen sich alle Raubfische auf dieses Beutemuster ein. Unsere Flashfly passte gut in dieses Muster.

Ploetzlich sprang Ricardo auf und ich sah gerade noch wie die Flashflyrute wieder brutal nach hinten gerissen wurde und schon wieder Schnur ablief bevor Ricardo auch nur die Rute aus dem Halter hatte. Grosslachsalarm! “Oh ja, ohhh ja….” kam da aus Ricardo’s Mund und der Fisch zog unaufhaltsam ab. Ich holte schnell die andere Rute ein und die beiden Downrigger. Alex war vom Krach wach geworden und kam auch hervor und uebernahm das Steuer. Ein aeussert spannender Drill spielte sich nun vor unseren Augen ab. Immer wieder raste der Fisch wild davon bis dann Ricardo es schafft dessen Kopf zu drehen und ihn wieder ein paar Meter Richtung Boot zu bringen. Dann sahen wir etwas Grosses sich weit hinter dem Boot an der Oberflaeche zu waelzen. Der war richtig gross! Aber Ricardo hatte ja die letzten Tage schon gut geuebt und parierte jeden Trick des Fisches. Keine einzige Sekunde war die Schnur locker und so hatte der Lachs keine Chance den Haken abzuschuetteln, wenn er denn gut hing. Die Fluchten wurden nun immer kuerzer und bald sahen wir den Fisch das erste Mal in Bootsnaehe. Wow, was fuer ein Brocken! So einen Stiernacken!

Ein paar heikle Momente noch dicht am Boot aber Ricardo war auf der Hut und sprang von einer Seite zur anderen und hielt die Schnur aus den Motoren heraus. Dann langte Alex mit dem Kescher zu und fast waere der Lachs nochmal aus dem Kescher rausgesprungen. Aber dann lag er besiegt im Boot. Alex sagte nur bewundernd “Mein Gott!”. Ein makeloser Lachs. Wenn ich einen Lachs malen wollte, wuerde der so aussehen. Perfekte Proportionen und einen richtige Schoenheit. Wir freuten uns alle mit dem erfolgreichen Faenger. Ricardo hielt das Massband an: 91 cm. Damit einen Zentimeter laenger als meiner am ersten Abend; der groesste der Tour bisher. Und wird schwer zu toppen! Noch benommen vor Begeisterung aber auch befluegelt machten wir das Geraet wieder einsatzbereit. Ich hielt das Boot dicht an den vermeintlichen Squidschwaermen und das schien sich auszuzahlen. Ploetzlich riss die Blinkerrute hart an und loeste aus. Ich schnappte mir die Rute kurbelte kurz an bis Widerstand fuehlbar wurde und hieb an. Aaaaah, diese herrliche Gefuehl wenn ein Anschlag in etwas Grosses und Schweres sinkt. Und seit dem ich auf geflochtene Hauptschnur gewechselt habe, kommt dieses Gefuehl natuerlich noch besser durch. Sofort war mein Gegner wach und raste los. Hier hin und dahin, nicht allzuweit weg diesmal, aber in ploetzlichen, abrupten und brutalen Kurzsprints. Staendig musste ich von Rolle bedienen und Rolle loslassen hin und herwechseln. Nach einigen Minuten zerrte ich dann einen schoenen 79 cm Chinook in den Kescher. Der war sicher auch seine 17-18 Pfund schwer. Gluecklich packten wir auch den in die Kiste. So langsam begann ich zu rechnen wann wir genug Beute haetten. Einer oder zwei Grosse vielleicht noch aber dann war Schluss. Vielleicht noch einen oder zwei Cohos wenn sie markiert waren und vielleicht schon bluteten. Ansonsten nur noch Butt. Ich haette vor dem Tripp nie gedacht das ich mal so rechnen wuerde. Alles richtig gemacht!

Wir drehten noch eine Runde durch die Bucht am Strand und dann versuchte ich zur Scharkante zum tiefen Wasser zu kommen. Das war eine gute Schleppstrecke auf der man mit Blinker oder Squidimitat am Grund geschleppt Chinooks aber auch regelmaessig Butt kriegen kann. Aber sobald wir die Bootsnase aus der etwas geschuetzten Bucht und vor die vorgelagerten Klippen steckten, kamen wir voll in die Duenung und in den Wellengang rein. Alex fing auf der Strecke noch einen Coho und einen mittleren Chinook bis er sich dann elend fuehlte und ich abdrehte. Wir schleppten noch eine Strecke mit den Wellen Richtung Leuchtturm aber es tat sich hier nichts mehr. Schade, mit etwas mehr Zeit haetten wir sicher hier einen oder mehrere Heilbutte gekriegt. Aber so hatte das keinen Zweck. Hinter dem Leuchtturm packten wir die Lachsruten weg und hielten nochmal an der Snapper-Untiefe zum Pilken an. Aber nach 3 Snappern, einer davon war schon um die 60 cm lang, machten wir Schluss hier. Wir fuhren nun doch erstmal zum Resort zurueck weil ich die beiden Lachse ausnehmen und auf Eis legen wollte bevor wir zum Fluss fuhren. Die beiden Lachse waren mit 20 cm grossen Squids nur so vollgestopft. Hatte ich richtig vermutet mit den Echosignalen in der Bucht am Strand. Eine neue populaere Lachsfangmethode ist mittlerweile das Mooching mit lebendigen oder toten Squids an einer Posenmontage. Aber dafuer brauch man sehr ruhiges Wasser. Waere schon cool das mal zu probieren!

Auf dem Rueckweg kamen wir an einer Ansammlung von Seeottern vorbei. Da mussten wir anhalten und uns diese niedlichen Tiere laenger ansehen. Ich hatte vor kurzem einen herrlichen Imax Film ueber diese putzigen Tiere gesehen. Jetzt hier die Live-Version. Eine Mutter mit einem kleinen Fellknaeuel-Babyotter auf dem Bauch war auch dabei. Zum verlieben!

Dann fuhren wir die halbe Stunde zum Moutcha Bay Resort und wanderten mit Spinnausruestung und etwas Verpflegung den Fluss hoch. Es war heiss und die Sonne donnerte auf uns runter waehrend wir die Strasse entlang liefen. Nach paar Kilometern kam die Lachsbrutstation und da konnte man zum Fluss runter. Wir fanden den Fluss extrem niedrig. Das war erstaunlich denn wir waren frueher hier als jedes andere Jahr zuvor und immer war der Fluss noch wasserreicher gewesen. Aber das passt mit den Nachrichten wo es immer hiess das die Schneedecke in den Gebirgen von Sued-BC diesen Winter besondern duenn war und so die Fluesse und Baeche wenig Schmelzwasser abbekamen. Ein grosses Problem fuer die hiessigen Lachsgewaesser. Und hier deutlich zu sehen. Und auch die Forellen bekamen das zu spueren. Wir wussten das im Conuma River in einigen tiefen Gumpen sehr grosse Regenbogenforellen lebten, solange genug Wasser da war. Das waren speziell angepasste Forellen – keine Steelheads die sowieso ins Meer abwanderten, aber aehnlich grosse Raubforellen die im Hochsommer wenn der Conuma stark zusammenschrumpfte ins Muendungsgebiet, ins Brackwasser, abwanderten. Aber das war sonst immer erst im Juli/August gewesen. Jetzt waren sie schon Mitte Juni weg wie wir feststellten. Wir fischten ein paar der vielversprechenden Stellen aber bis auf eine kleine Forelle war da nichts mehr drin. War trotzdem ein bildschoener Fluss und ein herrlicher Ausflug.

Auch mal gut sich die Beine zu vertreten nach so viel Zeit auf dem Boot. Bei der Rueckkehr zu Moutcha Bay kehrten wir in deren Restaurant ein und hauten uns die Maegen voll. Wirklich exzellente Kueche mitten in der Wildnis. Ich tankte dann noch das Boot auf und dann fuhren wir wieder nach Critter Cove, unsere schwimmende Wahlheimat. Das war der 3. Tag. Einen vollen Tag hatten wir noch.

C1.webpC2.webpC3.webpC4.webpC5.webpC6.webpC7.webpC8.webpC9.webpC10.webpC11.webpC12.webpC13.webp
 

Anhänge

  • C14.webp
    C14.webp
    85,4 KB · Aufrufe: 3
ein Traum! 😍
 
Oben