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Unsere nur halb ernst zu nehmende Dorscherfahrung in Flatanger/Mittelnorwegen

Früher, da war das mit dem Dorsch noch ne ganz andere Nummer. Da konnte man den Pilker selbst ohne Haken und Schnur ins Wasser werfen, und schon war die Fischkiste voll. Das Meer schien förmlich gepflastert mit den marmorierten Gesellen. Fischen können musste man nicht, selbst mit 5 PS Nussschale und ohne Echolot war die Kiste voll. Heute muss man für einen ordentlichen Dorsch schon etwas mehr Arbeit investieren, die Bestände sind doch geringer. Nicht so dramatisch wie in der Ostsee, aber spürbar. Aber wenn wir ehrlich sind: Der Dorsch ist und bleibt der Kumpeltyp unter den Fischen. Friendzone… Er ist nicht nachtragend und beim Essen so wählerisch wie ein Labrador. Gummifisch, Eisen, Beifänger – was vor dem Maul tanzt, wird inhaliert.

Anglerisch dadurch natürlich so eine Sache. Ein großer Offshore-Dorsch ist schick und liefert einen soliden Kampf, klar. Aber verglichen mit den Hooligans des Nordmeeres – Köhler oder Pollacks – erinnert der Drill eines Dorsches doch eher daran, als würde man einen nassen Sack Kartoffeln oder einen Gummistiefel voller Wasser aus der Tiefe pumpen. Paar Kopfschläge, danach viel stures Gewicht.

Deshalb hat sich unsere Taktik in den letzten Jahren verschoben. Wir fischen auf die Athleten, die einem die Bremse heißlaufen lassen. Der Dorsch wurde bei uns schleichend vom "Zielfisch Nr. 1" zum willkommenen Beifang degradiert. Das lag oft auch am Timing. Wer wie wir oft erst im Mai oder später in den Schären unterwegs war, kennt das „Problem“: Die flachen "Schären-Dorsche" verstecken sich vor der Strömung und vegetieren auf der Stelle im Fjord vor sich hin. Bloß nicht bewegen, Sport ist Mord, nicht das man Muskeln bekommt. Richtige Fjord-Potatos. Das Fleisch ist zwar immer noch lecker – ein frisches Dorschfilet bleibt nun mal lecker –, aber die feste, schneeweiße Textur, die wir so lieben, findet man eher im kalten Offshore-Bereich als im aufgewärmten Badewannenwasser. Insbesondere der Bauchlappen (wenn denn mal nicht voll sich kringelnder Würmer) ist halt eher ein Lappen, wie der Name schon sagt. Aber leider eher der alte, benutze von letztem Jahr. Da wir aber immer die Fische voll verwerten, gibt es halt ne Fischboulette mehr als sonst 🤷‍♂️ dafür ist der Dorschbauch ja immernoch top.

Aber dieses Jahr werden die Karten neu gemischt. Wir brechen mit der Tradition und fahren schon Ende April hoch. Die Hoffnung ist groß: Das Wasser ist noch kalt, die Filets sind (bestimmt) knackig fest. Der Fisch hatte ja wenig Zeit im Jahr zum rumgammeln und bestimmt gute Vorsätze: „dieses Jahr mehr Sport“. Vielleicht erleben wir ja eine Renaissance und es wird für uns ein echtes Dorschjahr? Wenn die Qualität stimmt, nehme ich den "Sack Kartoffeln" am Haken jedenfalls liebend gern in Kauf – denn in der Pfanne bleibt er Top!
EIgentlich hat dein Beitrag mehr als nur ein Like verdient und schön geschrieben, aber da du so ,,abwertend" gegenüber meinen Freunden schreibst kannst es vergessen;-)

Aber du hast schon Recht:-)
 
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Reaktionen: Aik
Es war wirklich sehr schön hier wieder etwas lesen zu können. Da freut man sich schon riesig auf den Urlaub ( leider erst Ende August und somit noch etwas hin)!
Zum Thema kann ich selber leider mangels Erfahrung nicht wirklich erhellendes beitragen.
Und vom Meterdorsch bin ich genauso weit weg wie von einer Mondlandung.
In meiner Kindheit war ich immer mit meinen Eltern in Norwegen.
Dort habe ich zwar einige Dorsche gefangen.
Diese waren aber keine Riesen.
Und der Vergleich mit dem nassen Sack im Drill traf es ganz gut.

Die beiden letzten Jahre waren wir am Romsdalsfjord. Hat uns sehr gut gefallen dort.
Wir wollten aber auch Mal was anderes sehen und freuen uns daher schon riesig auf Flatanger!
Am Romsdalsfjord haben wir zumeist auf Köhler ( da könnte ich mit dem Meter dienen), wittling, leng und Seehecht gefischt.
Das hat auch super geklappt.
Ein zwei Mal haben wir es in Ufernähe mit Gummifisch auf Pollack versucht.
Ich hatte dabei ein paar Bisse ( dabei blieb es leider) meine Lebensgefährtin könnte zwei schöne Pollack fangen.
Das hat uns sehr gut gefallen und ist halt deutlich entspannter als das stupide Seelachskurbeln ( ist am Roms aber leider so erfolgreich...).
Daher ist der Plan es dieses Jahr in Flatanger vermehrt auf Pollack zu versuchen.
Sollte dabei wirklich der ein oder andere Dorsch ans Band gehen hätte ich damit aber kein Problem 😀.

LG Christoph
 
Obs der erste Meterdorsch war glaub ich nicht, aber immerhin der erste Überbeißer!

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