ein angeltag in norwegen...

Alexander Perte

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wenn man sich mit alten fischern hier in norwegen unterhält, können einem manchmal fast die tränen kommen. wie könnte das angeln in norwegen heute sein, wenn man früher nachhaltiger mit den fischbeständen umgegangen wäre.

aber ist die kommerzielle fischerei denn heute so viel besser? man kann sich überall in norwegen umsehen, eigentlich gehen die bestände bei den meisten fischarten tendenziell fast überall nach unten.


da habe ich jetzt einfach mal meine phantasie spielen lassen:

ein angeltag in norwegen in 30 jahren, wenn der mensch weiterhin seine gier ungehemmt an den ressourcen der natur ausläßt:


heute war eigentlich ein guter tag. ich meine, gut verglichen mit den tagen davor.

4-5 köhler um die 50cm hatten wir ja jeden tag, aber heute war auf unserem gps gelenkten und mit automatik-downriggern ausgerüsteten boot schon etwas mehr los. 5 lachse gingen auf die neuen hightech-wobbler, die spezielle elektromagnetische impulse aussenden. kosten zwar ein schweinegeld, aber egal, das ist es uns natürlich auf jeden fall wert.

die lachse haben alle die gleichen mißbildungen, typisch für das heutige lachsvorkommen in norwegen. ein genetischer einheitsbrei, dominiert von den aus den farmen entflohenen zuchtlachsen.

so schöne schlanke, makellose wildlachse wie damals gibt es heute in ganz norwegen nicht mehr. aber lassen wir das. sonst fange ich wieder an mit: "früher war alles besser!"

so ist es natürlich auch wieder nicht. ich kann mich noch gut an die zeiten erinnern, als man noch mit 500g schweren pilkern den fischen nachstellte. mann, war das eine plackerei, immer auf und abbewegen, diese riesigen teile. naja, damals gab es ja auch noch dorsche, die ließen sich mit dieser methode vorzüglich fangen. heute lohnt das nicht mehr. und vor allem: man mußte diese fische auch noch mit der hand hochkurbeln, puh, wenn ich nur daran zurückdenke, tut mir das handgelenk weh!

heute ist das natürlich nicht mehr nötig, die cleversten angler sind ja schon vor 30 jahren auf elektrorollen umgestiegen. waren natürlich riesige, primitive klopper damals, da brauchte man sogar eine externe batterie zu!

jedenfalls bin ich froh, daß die sache für mich mit einem knopfdruck erledigt ist. ich bin ja schließlich im urlaub und will mich nicht totmachen.

morgen werden wir mal wieder im tiefen auf schöne lumbs angeln, vor zwei tagen hatten wir sogar einen von 70cm! es soll dieses jahr hier im fjord sogar ein leng gefangen worden sein. aber sicher weiß ich das nicht.

vom land aus habe ich noch ein paar wirklich schöne lippfische gefangen, das war auch nicht schlecht.

wenn ich in diesem urlaub noch die eine oder andere makrele erwische, bin ich eigentlich ganz zufrieden.
 
oder wie wäre es hiermit?

ein angeltag heute, wenn der mensch nicht so radikal in die natur eingegriffen hätte:




strike!

der klicker der rolle kreischt auf! wahnsinn, was der fisch für einen druck macht! die schnur fliegt nur so von der 80lbs rolle. der fjord ist an dieser stelle etwa 400 m tief, da ist dann schon irgendwann schluß, aber wieder hochbekommen muß ich den burschen. dabei bin ich jetzt schon schweißnass.

eine gute stunde später kommt der blauflossenthun dann langsam, aber sicher ans boot. was für ein fisch! so liebe ich das angeln in norwegen, phantastische fänge in grandioser natur.

aber schade, bald ist die thunfischsaison wieder vorbei. dann wird das schwere gerät wieder eingemottet, bis zum nächsten jahr.

bis dahin? ok, heilbuttangeln ist auch ganz nett, ist halt etwas leichteres fischen. wenn diese viecher bloß nicht so träge wären! aber ausdauer haben sie jedenfalls, das muß man ihnen lassen. im gegensatz zu einem 30 kilo dorsch, der ist einfach nur ein schwerer, nasser sack, da hat man im drill nie das gefühl, daß der einen ernsthaft in schwierigkeiten bringt.

naja, schleppen auf lachs ist auch noch ein schönes fischen. ein solider 40-pfünder am schleppgerät, das macht auch laune. ist doch toll, was man hier so für möglichkeiten hat, oder?:)
 
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Mööööööönsch Hein, wie bist du denn drauf? :?
Ist etwa der Lumbenlothar zu Besuch und hat dir den ganzenTag von den
leergefischten Weltmeeren und schmelzenden Polkappen erzählt?:D
Nein, jetzt weiss ich`s. Volker hat dir seine neue Elektrische unter die Nase gehalten und du magst ja den Gestank von durchgebrannten Elektromotoren
in Angelrollen.:>> :lach :lach :lach
 
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nö, der schnellschlepper fährt hier nicht vorbei, schleppnetzfischen ist hier verboten, nachdem fast alles weggefischt war. da sich die bestände aber wieder entwickeln, soll die schleppnetzfischrei auf hering eventuell wieder freigegeben werden.:(

verrückte welt...

mein standpunkt in sachen e-rolle ist ja bekannt. auch wenn olle volker sich darüber nur amüsiert.:)


aber ist doch wahr, der trondheimfjord war früher für seine ausgezeichneten thunfischvorkommen berühmt. man hat hier seit -zig jahren keinen mehr gesehen. was wär das heute für ein magnet für angeltouristen, die dafür richtig geld im land lassen würden. chance vertan...
 
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Alexander Perte schrieb:
...aber ist doch wahr, der trondheimfjord war früher für seine ausgezeichneten thunfischvorkommen berühmt. man hat hier seit -zig jahren keinen mehr gesehen. was wär das heute für ein magnet für angeltouristen, die dafür richtig geld im land lassen würden. chance vertan...

Tatsache? 8o 8o 8o
Das hab ich nicht gewußt! Kann ich mir garnicht vorstellen, Thun soweit im Norden...
 
die gab es bis zu den lofoten. das waren riesige granaten. aber lang, lang ist's her...

und ansonsten?

-heibuttbestand stand schon kurz vor dem ende, berappelt sich ganz langsam wieder.
-dorsch im oslofjord fast verschwunden
-dorschbestand in nordnorwegen in den letzten 5 jahren um 2 drittel gesunken
-jede menge lachsflüsse tot, weil der gyrodactylus-parasit bekämpft werden muß


so ganz unrecht hat der lumben-lothar nicht...
 
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Jep Thune gab es früher häufig dort oben und es werden immer wieder welche gesichtet.:rolleyes:
 
Hein,

die lachse haben alle die gleichen mißbildungen, typisch für das heutige lachsvorkommen in norwegen. ein genetischer einheitsbrei, dominiert von den aus den farmen entflohenen zuchtlachsen.
hört sich an wie Clive Cussler.

Aber Du hast recht, wenn es weiter so geht, könnte es eines Tages Wirklichkeit werden.
 
Selbst im Halsafjord sind vor 15 Jahren noch riesiege Schwärme durchgezogen. Aber seit dem ist es vorbei mit Thune.
Aber dei Hoffnung stirbt zu letzt.
 
In 30 Jahren, sollte ich das erleben dürfen, bin ich ein Greis und werde dann wohl nicht mehr zum Angeln nach Norwegen fahren. Dennoch hoffe ich inständig, dass das von Hein geschilderte Szenario bzgl. Dorsch, Leng, Lumb und Makrele nicht Realität wird. Der Zusammenbruch der Dorschbestände vor Kanada sollte den Norwegern deutlich vor Augen geführt haben, wie es nicht gemacht werden darf.
Dass es in Norwegen Thune gab habe ich bis jetzt auch nicht gewußt. Andererseits, wer weiß heute noch, dass Störe einst in solchen Massen und Größen die Donau bevölkerten, dass sich das Gesinde (nicht zu verwechseln mit Gesindel! :D ) festschreiben ließ, dass es max. 3 mal die Woche Stör zu Mittag geben darf.
 
So war es auch mal in Norge bei den Bauern die Tagelöhner hatten im Vertrag das es max. 3 X Lachs zu essen geben durfte in der Woche .
Wo sind die guten alten Zeiten hin???
 
Alex ist unter die Philosophen gegangen .... und ich kann ihm das problemlos nachempfinden. Ich bin auch einer, der öfter denkt: Was wäre wenn ...
Spätestens aber bei der norwegischen Variante der Tagesschau holt mich dann wieder die Realität ein und ich muss mir selbst klein beigeben, weil ich Naivling für ein paar Gedanken lang den Treib-Satz unserer beknackten Welt aus den Augen verloren hatte: GELD regiert die Welt. Diese unsere Welt zumindest.
 
leuchtturm schrieb:
So war es auch mal in Norge bei den Bauern die Tagelöhner hatten im Vertrag das es max. 3 X Lachs zu essen geben durfte in der Woche .
Das hat es damals bei uns hier am Rhein auch gegeben, heute erinnern noch Ortsnamen wie Salmort daran.
Positiv ist aber, das der Rhein heute einer der besten Fischgewässer Deutschlands ist mit einer großen Artenvielfalt. Was war das früher eine Kloake. Der Umdenkungsprozess hat zwar sehr lange gedauert aber das Ergebnis kann sich sehen lassen und das nicht nur am Rhein. Da gäbe es noch viele andere gute Beispiele. Man wird auch in anderen Regionen der Erde merken, das man sich mit Raubbau an der Natur nur selber schadet. Das sind für mich Gründe um positiv in die Zukunft zu schauen.

Schönes Wochenende

Holger :]
 
holger 65 schrieb:
Positiv ist aber, das der Rhein heute einer der besten Fischgewässer Deutschlands ist mit einer großen Artenvielfalt. Was war das früher eine Kloake. Der Umdenkungsprozess hat zwar sehr lange gedauert aber das Ergebnis kann sich sehen lassen und das nicht nur am Rhein. Da gäbe es noch viele andere gute Beispiele. Man wird auch in anderen Regionen der Erde merken, das man sich mit Raubbau an der Natur nur selber schadet. Das sind für mich Gründe um positiv in die Zukunft zu schauen.

Schönes Wochenende

Holger :]

Zumindest bis zum ruhrpott... Danach sieht es viel schlimmer aus. Es wird zwar immer besser, aber ich will den tag noch erleben das sich den beständen im rhein sich so erholen wie vor 40 jahren bevor den Industriellen boom entstanden ist... Jetzt traue ich mich nicht mal zu baden im Rhein-wasser... Aber es gibt hoffnung, die erste lachse und forellen werden wieder im Rhein gefangen, aber auch den wels wird immer haufiger gesichtet. Dafür werden beständen vom zander und aal immer weniger...

Wenn ich die alte geschichten glauben muß soll der lachs hier in den Niederlanden sogar einheimisch sein, kann ich aber heute fast nicht glauben! Den zander, den es hier vor 10 jahren sehr haufig gab, ist nicht einheimisch (Haben wir langer, langer zeit zurück mal als geschenk bekommen von euch weil wir so gute lachsbeständen hatten). Es ist nun einmal so, wenn eine art verschwindet, kommt eine andere dafür zurück. Ob wir damit den art auch genau so zufrieden sind, ist eine andere diskussion.

So kann man also auch ein vergleich zum Norwegen stellen. An der geschichte von Hein ist was dran, es ist nür der frage der zeit wann die leute kapieren daß man von geld allein nicht leben kann (Geld kann man nicht essen...). Ich hoffe nür ich kann nach 30 jahren noch immer angeln, wie jetzt.

MFG

Patrick
 
Und um der eh nahezu unaufhaltsamen Zerstörung der Natur noch eins drauf zu setzen, wird jetzt dann auf den Lofoten noch schön nach Öl gebohrt. Yo, weiter so...X(
 
ev. kommen ja neue thunfischarten durch die klimaerwærmung dazu!? oder gar schwertfisch! ansonsten møchte ich erst lieber gar nicht an die zukunft denke, geniesse lieber das jetzt! trotzdem muss man immer daran denken das die Zukunft das "jetzt" der kommenden Generationen ist, ich hoffe ich kan dazu einmal wenn ich meinem Studium fertig hab ordentlich was beitragen!
 
@fröya: ... und mein Papi hat nichts dazubezahlt - das klappt nur in der f*******-Werbung!

Wer A wie Auto sagt muss auch B wie Benzin und Diesel sagen nur von rotem Ökostrom wird sich die Menschheit nicht wie heute bewegen können und der Norge-Urlaub wird wohl ausfallen.
Da sollten die lieben, kleinen Kinderlein mal wieder an den NaturschutzNutz in GOD nachdenken und nicht Industriellen und GRÜNEN die Welt überlassen!8o 8o 8o 8o 8o

Petri & all times tight lines;(
 
Angel-Ralle schrieb:
@fröya: ... und mein Papi hat nichts dazubezahlt - das klappt nur in der f*******-Werbung!

Wer A wie Auto sagt muss auch B wie Benzin und Diesel sagen nur von rotem Ökostrom wird sich die Menschheit nicht wie heute bewegen können und der Norge-Urlaub wird wohl ausfallen.
Da sollten die lieben, kleinen Kinderlein mal wieder an den NaturschutzNutz in GOD nachdenken und nicht Industriellen und GRÜNEN die Welt überlassen!8o 8o 8o 8o 8o

Petri & all times tight lines;(

ah, herr schlaumeier hat wieder gesprochen...;)

ich denke allerdings auch, daß die ölbohrmaßnahmen bei den lofoten im verhältnis noch ein eher geringes problem sind.

@stekus: woher sollen die thunfische denn kommen? das problem ist ja, daß gerade thunfische weltweit gnadenlos gejagt und überfischt werden.
 
ich sag norge ab...
is ja nix mehr da!
 
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