Manchmal nützt auch noch so viel Erfahrung nichts. Ich habe selbst erlebt das manchmal banal erscheinende Dinge für das Kentern eines Bootes entscheidend sein können. So zum Beispiel wenn bei rauher See und hohen Wellen auf dem Rückweg ein Tank leergefahren und gegen einen Vollen getauscht werden muss. Die kurze Zeit ohne Antrieb kann ausreichen, das dass Boot quer schlägt und kentern kann. Oder wenn man nach einer Trift (Drift) den Motor nicht mehr starten kann weil sich eine Batterieklemme von der Batterie gelockert hat, was nur durch händisches Prüfen festgestellt und behoben werden kann. Wenn das Boot antriebslos Richtung Felsen treibt, kann das ebenso tragisch ausgehen.
Solange nicht die genaue Ursache des tragischen Unfalls feststeht, sollte man sich mit Vermutungen das Unerfahrenheit oder fehlende Bootspraxis die Unfallursache waren, möglichst zurückhalten.
Ich möchte mich an dieser Diskussion generell nicht hier beteiligen, da ich konkreten Unfall und Mutmaßungen, eigene Erlebnisse, gute Ratschläge und Meinungen lieber trenne.
Aber ich möchte dem ersten Satz teilweise wiedersprechen.
Ich nenne es mal nicht Erfahrung, sondern (gute) Seemannschaft.
Beispielsweise das ein Tank NIEMALS leer gefahren wird! Niemals!!!
Die Kraftstoffversorgung für die Fahrt wird dann sichergestellt, wenn die Bedienungen voll unter Kontrolle sind. Wenn ich mit einem 25 Liter Tank mehr als 45 km fahre (das wäre jedenfalls die Reichweite bei unseren kleinsten Tanks/Booten), dann ist bei Tourplanung generell etwas im argen.
Ansonsten ist der Tank in der Drift/beim Angeln via Schüttelschlauch nachzufüllen bevor lange Strecke gefahren wird.
Ich gebe generell recht, dass unerwartete technische Probleme zu Motorstop führen können. Aber der Weg hin zu einem tödlichen Unfall ist von hier noch sehr weit (bzw fast unerreichbar), wenn gute Seemannschaft mit im Spiel ist = Ankergeschirr, Rettungswesten, Wetterschutzkleidung, Kommunikationsausrüstung, grundlegende Kenntnisse der Umgebung vorhanden sind.
Wie gesagt möchte ich mich überhaupt nicht zu den aktuellen Geschehnissen äußern, aber bei den schweren Unglücken mit Angeltouristen in den vergangenen 15 Jahren in Norwegen - ich bilde mir ein mir jeden einzelnen Fall recht genau angesehen zu haben - war es in jedem einzelnen Fall wenigstens teilweise schlechte/komplett fehlende Seemannschaft, die den Unfall fatal gemacht hat.
Schlechte Seemannschaft und Unerfahrenheit wohnen oft in der selben Straße, wie man frei übersetzt aus dem Norwegischen sagen würde.
Gute Seemannschaft würde ich selbst im Grunde definieren als Kombination aus viel gesundem Menschenverstand, solider Erfahrung und einem Teil guter Ausbildung. Mit entsprechender Gewichtung in der Reihenfolge der Aufzählung.
Wäre allein der gesunde Menschenverstand mit an Bord, dann würden wir maximal alle paar Jahre mal einen schweren Vorfall sehen (und da schließe ich jetzt Unfälle norwegischer Sportboote mit ein).