amerika1110
Stammnaffe
- Registriert
- 22 Juni 2009
- Beiträge
- 1.074
Im Mai 2010 sollte es für meine Eltern und mich wieder einmal für knapp zwei Wochen auf die wunderschöne Insel Varaldsoy im Hardanger Fjord gehen.
Mit großer Besorgnis beobachtete ich die Wetterdaten der Insel, die über eine lange Zeit nur viel Regen und Schnee und Temperaturen von maximal 8°C anzeigten. Als Berufsoptimist sagte ich mir allerdings, wenn so lange schlechtes Wetter ist, muß es mal besser werden. Und so kam es auch. Unsere Anreise über die Route Kiel-Oslo-Rosendal verlief bei strahlendem Sonnenschein und die Temperaturen erreichten auch stattliche 13 - 15°C.
Bei unserer Ankunft auf der Insel waren unsere Vermieter Haldis und Johnny nicht zu Hause, aber unser Hausschlüssel steckte einfach in der Haustür.
Da mir das Angelrevier um die vorgelagerte Insel Silda bestens bekannt ist, fuhren wir am nächsten Morgen sofort einen der Hotspots für die Seelachse an. Es waren an besagter Stelle noch ca. 6 andere Boote, unter anderem auch mein Angelkumpel Silvio. Leider erwies sich dieser "Hotspot" sehr schnell als "Cold Place". Die Seelachse waren noch nicht wie gewohnt auf der Sandbank. Es wurden nur vereinzelte Exemplare gefangen.
Da es auch mit dem dortigen Brotfisch, dem Leng, nicht viel anders war, begann das große Suchen.
Alle Boote waren in unterschiedlichen Richtungen unterwegs und das tolle dabei, die Erfahrungen wurden ausgetauscht.
.... und wir wurden fündig.
So konnten wir entlang der Uferkante der alten Fischfarm regelmäßig Seelachse und Polack fangen. Ein Vormittag brachte mir 12 Pollack mit bis zu 5 kg Einzelgewicht.
Meinem Vater war die Kurbelei des Speedpilkens zu hektisch, so angelte er nebenbei mit leichter Naturködermontage und konnte 6 Leng überreden, ins Boot zu kommen.
Aber insgesamt mußte man sich den Fisch hart erarbeiten.
Immer wieder besuchten wir die altbekannten Hotspots auf der Sandbank und im Verlaufe der zweiten Woche stellten sich immer mehr Kleinfisch und damit auch die Seelachse ein.
Am vorletzten Tag konnte ich meinen Vater davon überzeugen, es doch wieder einmal mit dem Speedpilken auf der Sandbank zu versuchen, da das Echolot voll mit Anzeigen war. Die Bisse ließen nicht lange auf sich warten.
Kurz nachdem wir mit dem Angeln anfingen, ließ mein Vater seinen Pilker ab. Auf dem Echolot konnte ich sehen, daß er gleich auf dem Grund bei 80 m aufschlägt und zählte laut rückwärts.
Das Aufschlagen des Pilkers und der Anschlag meines Vaters waren wohl ziemlich zeitgleich. Anschließend verneigte sich die leichte Rute sehr heftig und die Rolle begann ihre Frühschicht. Nach zehn Minuten hatte mein Vater viel mehr Schnur an den Fisch abgegeben, denn eingeholt. Ich meinte so: "Das scheint ja ein ordentlicher Seelachs zu sein oder gar eine Doublette, wie sie mir im vergangenen Jahr an selber Stelle gelang." Nach zwanzig Minuten konnte mein Vater den Spielstand ausgleichen. Es gelang ihm immer wieder, die Schnur die der Fisch abzog, aufzukurbeln.
Dann ein großer Schreck, aus irgend einem Grund hatten sich die Schnurwindungen "überkreuzt", sodass keine Schur mehr von der Rolle lief. Während ich die Rute übernahm, damit mein Vater die Schnurwicklungen "sortieren" konnte, legte unser Gegenüber eine bestimmte, aber langsame Flucht hin, die das Boot in Richtung Silda zog.
Nun begann das letzte Drittel dieser Partie, mein Vater konnte deutlich an Schur gewinnen und sein Gegenüber legte im wesentlichen "nur noch" seine Körpermasse in die Waagschale. Als der Schnurzähler auf der Rolle noch etwa 25 m anzeigte, verflachte sich der Schnurwinkel zur Wasserfläche rasant, der Fisch trieb auf. Aber unterm Boot durch, hinter uns. Mein Vater saß ziemlich geschafft in seinem Angelstuhl mit dem Rücken zu dem, was mit einer sehr großen Welle die Wasseroberfläche durchdrang. Meine Augen hatten bei dem Anblick die Größe mittlerer Untertassen und ich sah schon das nächste Problem auf uns zukommen. Wie sollten wir diesen Fisch ins Boot bekommen?
Mein Vater holte die letzten Meter Schnur ein und ich machte so gut es ging Platz im Boot, nahm ein Gaff und hakte den Fisch. Der ließ sich von diesem Gaff aber wenig beeindrucken. Mit Hilfe eines zweiten Gaffs und dem Herunterdrücken der Bordwand gelang es uns, den Fisch über diese zu ziehen. An Anheben war nicht zu denken.
Wenn mein alter Herr noch Raucher wäre, hätte jetzt Eine wohl nicht gereicht. Wir beschlossen, das Angeln zu beenden und den Fisch zu versorgen.
Mit einem dicken Seil durch Maul und Kiemen gelang es uns, den Fisch auf den Bootssteg zu heben.
In der Zeit, in der ich die Kamera aus unserem Haus holte, machte ich mir Gedanken darüber, wie ich diesen Traumfisch wiegen soll, denn meine Waage schlug bei 22 kg an.
Es blieb nur, den Fisch in Einzelteilen zu wiegen.
Nachdem der stolze Fänger mit seinem Fisch des Lebens abgelichtet war, begann der zweite Teil der Frühschicht und alles immer noch vor dem ersten Frühstück.
Ich schnitt den Kopf großzügig fürs Präparieren ab und wog ihn mit 10 kg. Dann nahm ich einen 10l Eimer und der reichte gerade für die Eingeweide, diesmal 10,5 kg. Nun bohrte ich ein Loch in die Schwanzwurzel und hing den Rest an die Waage: 13 kg. Wenn mich meine bescheidenen mathematischen Grundkenntnisse nicht täuschten, hatte dieses "Bürschchen" bei einer Länge von 170 cm ein Gewicht von 33,5 kg.
Ach ja eines hätte ich ja beinahe vergessen, der Traumfisch meines Vaters war ein Leng, der sich an einem 80 gr. Pilker an 0,07 Schnur mit 80 gr. Spinnrute vergriff, weil er wahrscheinlich glaubte, mit so einem Leichtgewicht spielend fertig zu werden.
Am Abend war unser obligatorischer Grillabend mit unseren Gastgebern Haldis und Johnny geplant und aus erfreulichem Anlass fiel der etwas länger und feuchter aus, so daß die Ausfahrt an unserem letzten Tag "ausfallen mußte".
Die Heimfahrt verlief "fast" ohne große Zwischenfälle, mein Buss verlor kurz vorm heimatlichen Hafen eine Umlenkrolle, aber zum Glück blieb der Keilriemen drauf und die Wasserpumpe wurde weiter angetrieben.
Inzwischen liegt der Lengkopf in der Tiefkühltruhe und wir sparen für die Präparationskosten.
Nun bin ich mal gespannt, welche Überraschung der Hardanger bei meinem nächsten Besuch im Juli für uns bereit hält........
Mit großer Besorgnis beobachtete ich die Wetterdaten der Insel, die über eine lange Zeit nur viel Regen und Schnee und Temperaturen von maximal 8°C anzeigten. Als Berufsoptimist sagte ich mir allerdings, wenn so lange schlechtes Wetter ist, muß es mal besser werden. Und so kam es auch. Unsere Anreise über die Route Kiel-Oslo-Rosendal verlief bei strahlendem Sonnenschein und die Temperaturen erreichten auch stattliche 13 - 15°C.
Bei unserer Ankunft auf der Insel waren unsere Vermieter Haldis und Johnny nicht zu Hause, aber unser Hausschlüssel steckte einfach in der Haustür.
Da mir das Angelrevier um die vorgelagerte Insel Silda bestens bekannt ist, fuhren wir am nächsten Morgen sofort einen der Hotspots für die Seelachse an. Es waren an besagter Stelle noch ca. 6 andere Boote, unter anderem auch mein Angelkumpel Silvio. Leider erwies sich dieser "Hotspot" sehr schnell als "Cold Place". Die Seelachse waren noch nicht wie gewohnt auf der Sandbank. Es wurden nur vereinzelte Exemplare gefangen.
Da es auch mit dem dortigen Brotfisch, dem Leng, nicht viel anders war, begann das große Suchen.
Alle Boote waren in unterschiedlichen Richtungen unterwegs und das tolle dabei, die Erfahrungen wurden ausgetauscht.
.... und wir wurden fündig.
So konnten wir entlang der Uferkante der alten Fischfarm regelmäßig Seelachse und Polack fangen. Ein Vormittag brachte mir 12 Pollack mit bis zu 5 kg Einzelgewicht.
Meinem Vater war die Kurbelei des Speedpilkens zu hektisch, so angelte er nebenbei mit leichter Naturködermontage und konnte 6 Leng überreden, ins Boot zu kommen.
Aber insgesamt mußte man sich den Fisch hart erarbeiten.
Immer wieder besuchten wir die altbekannten Hotspots auf der Sandbank und im Verlaufe der zweiten Woche stellten sich immer mehr Kleinfisch und damit auch die Seelachse ein.
Am vorletzten Tag konnte ich meinen Vater davon überzeugen, es doch wieder einmal mit dem Speedpilken auf der Sandbank zu versuchen, da das Echolot voll mit Anzeigen war. Die Bisse ließen nicht lange auf sich warten.
Kurz nachdem wir mit dem Angeln anfingen, ließ mein Vater seinen Pilker ab. Auf dem Echolot konnte ich sehen, daß er gleich auf dem Grund bei 80 m aufschlägt und zählte laut rückwärts.
Das Aufschlagen des Pilkers und der Anschlag meines Vaters waren wohl ziemlich zeitgleich. Anschließend verneigte sich die leichte Rute sehr heftig und die Rolle begann ihre Frühschicht. Nach zehn Minuten hatte mein Vater viel mehr Schnur an den Fisch abgegeben, denn eingeholt. Ich meinte so: "Das scheint ja ein ordentlicher Seelachs zu sein oder gar eine Doublette, wie sie mir im vergangenen Jahr an selber Stelle gelang." Nach zwanzig Minuten konnte mein Vater den Spielstand ausgleichen. Es gelang ihm immer wieder, die Schnur die der Fisch abzog, aufzukurbeln.
Dann ein großer Schreck, aus irgend einem Grund hatten sich die Schnurwindungen "überkreuzt", sodass keine Schur mehr von der Rolle lief. Während ich die Rute übernahm, damit mein Vater die Schnurwicklungen "sortieren" konnte, legte unser Gegenüber eine bestimmte, aber langsame Flucht hin, die das Boot in Richtung Silda zog.
Nun begann das letzte Drittel dieser Partie, mein Vater konnte deutlich an Schur gewinnen und sein Gegenüber legte im wesentlichen "nur noch" seine Körpermasse in die Waagschale. Als der Schnurzähler auf der Rolle noch etwa 25 m anzeigte, verflachte sich der Schnurwinkel zur Wasserfläche rasant, der Fisch trieb auf. Aber unterm Boot durch, hinter uns. Mein Vater saß ziemlich geschafft in seinem Angelstuhl mit dem Rücken zu dem, was mit einer sehr großen Welle die Wasseroberfläche durchdrang. Meine Augen hatten bei dem Anblick die Größe mittlerer Untertassen und ich sah schon das nächste Problem auf uns zukommen. Wie sollten wir diesen Fisch ins Boot bekommen?
Mein Vater holte die letzten Meter Schnur ein und ich machte so gut es ging Platz im Boot, nahm ein Gaff und hakte den Fisch. Der ließ sich von diesem Gaff aber wenig beeindrucken. Mit Hilfe eines zweiten Gaffs und dem Herunterdrücken der Bordwand gelang es uns, den Fisch über diese zu ziehen. An Anheben war nicht zu denken.
Wenn mein alter Herr noch Raucher wäre, hätte jetzt Eine wohl nicht gereicht. Wir beschlossen, das Angeln zu beenden und den Fisch zu versorgen.
Mit einem dicken Seil durch Maul und Kiemen gelang es uns, den Fisch auf den Bootssteg zu heben.
In der Zeit, in der ich die Kamera aus unserem Haus holte, machte ich mir Gedanken darüber, wie ich diesen Traumfisch wiegen soll, denn meine Waage schlug bei 22 kg an.
Es blieb nur, den Fisch in Einzelteilen zu wiegen.
Nachdem der stolze Fänger mit seinem Fisch des Lebens abgelichtet war, begann der zweite Teil der Frühschicht und alles immer noch vor dem ersten Frühstück.
Ich schnitt den Kopf großzügig fürs Präparieren ab und wog ihn mit 10 kg. Dann nahm ich einen 10l Eimer und der reichte gerade für die Eingeweide, diesmal 10,5 kg. Nun bohrte ich ein Loch in die Schwanzwurzel und hing den Rest an die Waage: 13 kg. Wenn mich meine bescheidenen mathematischen Grundkenntnisse nicht täuschten, hatte dieses "Bürschchen" bei einer Länge von 170 cm ein Gewicht von 33,5 kg.
Ach ja eines hätte ich ja beinahe vergessen, der Traumfisch meines Vaters war ein Leng, der sich an einem 80 gr. Pilker an 0,07 Schnur mit 80 gr. Spinnrute vergriff, weil er wahrscheinlich glaubte, mit so einem Leichtgewicht spielend fertig zu werden.
Am Abend war unser obligatorischer Grillabend mit unseren Gastgebern Haldis und Johnny geplant und aus erfreulichem Anlass fiel der etwas länger und feuchter aus, so daß die Ausfahrt an unserem letzten Tag "ausfallen mußte".
Die Heimfahrt verlief "fast" ohne große Zwischenfälle, mein Buss verlor kurz vorm heimatlichen Hafen eine Umlenkrolle, aber zum Glück blieb der Keilriemen drauf und die Wasserpumpe wurde weiter angetrieben.
Inzwischen liegt der Lengkopf in der Tiefkühltruhe und wir sparen für die Präparationskosten.
Nun bin ich mal gespannt, welche Überraschung der Hardanger bei meinem nächsten Besuch im Juli für uns bereit hält........





