Angekommen an der Fähre. Nun heißt es Warten. Dieses typische Hafen-Stand-by, bei dem die Zeit nicht verstreicht, sondern zäh wie geschmolzener Käse über die Windschutzscheibe tropft.
Ich nutze die Zeit, um das soeben erlebte für die Nachwelt festzuhalten:
Mein Mann schaltet sofort in den Reptilien-Modus: Beifahrersitz auf schmerzfreie 170 Grad gekurbelt, Basecap tief ins Gesicht gezogen und augenblicklich weggedöst. Schnarch-Frequenz: unauffällig. So weit, so gut.
Hasepups, eben noch motiviert auf dem Fahrersitz, erlitt derweil eine spontane, medizinisch völlig unerklärliche Fehlfunktion ihres Nasen-Rachen-Raums. Kein Geschmack, kein Geruch – weg. Einfach so. Ihre wissenschaftlich fundierte Selbstdiagnose verlangte nach nur einer einzigen, unaufschiebbaren Rettungsmaßnahme:
Ich muss mich flach auf den Rücken legen.
Einziger Haken: Ich belegte zu diesem Zeitpunkt in aller Seelenruhe die Doppelsitzbank hinten. Als herzensguter Mensch sage ich natürlich: „Klar, komm nach hinten, kannst dich hinlegen.“
Ein kurzes, akustisch von leisem Fluchen begleitetes Gewusel später sitzt sie neben mir. Und da zeigt sich wieder die reine Physik: Trotz ihrer wirklich lachhaft geringen Körpergröße reichte ein einziger Sitzplatz zum flachen Niederlegen schlichtweg nicht aus.
Erneutes Gewusel im Innenraum. Ich opfere mich, zwänge mich in einer anatomisch hochgradig bedenklichen Bewegung mit dem Allerwertesten voran zwischen den Sitzen durch nach vorne und lasse mich auf den Beifahrersitz plumpsen. Es bleibt bis jetzt völlig offen, ob ich mich dabei für immer verkantet habe oder ob mich die Feuerwehr irgendwann aus diesem Mercedes schneiden muss.
Währenddessen versucht Hasepups da hinten auf gefühlten 0,438 Quadratmetern ein liegendes Wendemanöver. Ich beobachte das Spektakel im Rückspiegel und bewundere gerade ihre beachtlichen, fast schon schimpansenhaften Fähigkeiten, sich mit den bloßen Zehen an einer Wasserflasche festzuklammern – als plötzlich ein Schrei die Stille des Color-Line-Terminals erschüttert.
Ein Krampf. Aber kein normaler. Ein Todeskrampf in ihrer Wade.
Was folgte, war ein Drama in drei Akten: Roter Kopf, verzerrtes Gesicht, ein hohes Winseln, gefolgt von einem leisen Quietschen. Hasepups hing kopfüber und völlig hilflos halb vom Sitz.
Nun gab es zwei Optionen.
Option A: Ich spiele die mitfühlende Freundin, leiste Erste Hilfe und dehne ihr Bein.
Option B: Ich bleibe sitzen und feiere diesen Anblick aus tiefster Seele.
Habe mich für Option B entschieden und tränen gelacht. Man muss die Feste schließlich feiern, wie sie fallen – auch wenn die Freundin dabei aussieht wie ein gestrandeter Klappstuhl.
Hasepups kaut jetzt nervös eine magnesium Tablette nach der anderen und klagt über die Nachwehen im Unterschenkel-Triebling.
...sollte ich ihr sagen, dass ich meine letzten reisetabletten in eben diese magnesium-tabletten dose gepackt habe....?