Steelheadangeln BC, Kanada

Dieses Thema im Forum "Angeln weltweit" wurde erstellt von cohosalmon, 9. Mai 2012.

  1. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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    Cowichan River, 19.2. 2012

    So, nach langer Durststrecke moechte ich mal wieder einen Bericht einstellen. Diesmal keine Lachs- oder Heilbuttgeschichte, sondern einen Steelheadjagdbericht!
    Falls einige von Euch keinen Begriff von Steelheads haben, hier eine kurze Erlaeuterung: Die Steelhead Forelle (zu deutsch Stahlkopfforelle) ist eine spezielle Form der allgemein bekannten Regenbogenforelle. Unterschied; die Steelhead verlaesst als Jungfisch das Suesswasser und wandert in das Meer ab wo sie, den Lachsen aehnlich, laengere Wanderungen bis zur Geschlechtsreife unternimmt.
    Durch das groessere Nahrungsangebot im Meer erreicht die Steelhead eine erheblich groessere Durchschnittsgroesse als die Suesswasser-Regenbogenforelle (mal abgesehen von gemaesteten Teichforellen). Steelheads koennen ueber 30 Pfund erreichen; allerdings gelten Exemplare von ueber 20 Pfund als absolut kapital und werden heute nur noch selten gefangen.
    Zum Laichen kommen Steelheads zu ihren Ursprungsgewaessern zurueck und koennen im Gegensatz zu den Pazifischen Lachsen diese Strapaze auch haeufig ueberleben und kehren nach getaner Pflicht wieder ins Meer zurueck. Daher koennen Steelheads mehrfach laichen. Prinzipiell kommen Steelheads an der pazifischen Nordamerikakueste von Kalifornien bis Alaska in allen pristinen Kuestenfluessen- und Baechen vor. Bedauerlicherweise trifft die Bezeichnung “pristin” nur noch auf eine begrenzte Anzahl an Fliessgewaessern zu – je weiter suedlicher desto seltener wird das Vorkommen der Steelhead Forelle.
    In British Columbia gibt es noch eine Vielzahl an Steelhead-Revieren, wenn auch eine Menge von Bestandsstuetzaktionen abhaengig sind. Man unterscheidet generell zwei Typen von Steelheads: die Sommer-Steelheads und die Winter-Steelheads. Beide Typen unterscheiden sich nur durch die Aufstiegszeit in den Fluss.
    Der haeufigste Typ in BC is die Winter-Steelhead, welche zwischen Dezember und April in die Fluesse kommt, sich an den Lachseiern labt und dann nach dem Laichen im Fruehjahr in den unteren Flussgebieten wieder absteigt. Die Sommer-Steelheads laichen meist in den oberen Flusseinzugsgebieten und ziehen dadurch bedingt schon zwischen July und November in die Fluesse um zum Fruehjahr ihre Laichgebiete erreicht zu haben.
    Das Angeln auf Steelheads ist streng reguliert. Hier in BC ist es erlaubt wenn man eine extra Marke fuer seine Angellizenz kauft, allerdings muss man sich an die oertlichen Geraete- und Fangbeschraenkungen halten. Unmarkierte Steelheads (Fettflosse noch dran) darf man fast ueberhaupt nicht mehr entnehmen und auch markierte nur in einigen wenigen Gewaessern (Stamp River z.B.). Es ist also fast ausschliesslich eine Catch&Release-Fischerei.

    Am letzten Sonntag hatte ich nun endlich mal die Gelegenheit diesem fabelhaften Sportfisch nachzustellen. 10 lange Jahre hat es bis zu diesem Moment gedauert – aber ich habe mir nun selbst versprochen, dass das von nun an oefters passieren wird!
    Hier direkt um Victoria herum haben wir leider keine erfolgversprechende Steelheadgewaesser. Im Sooke River sind ein paar vorhanden; dass weiss ich von meiner Taetigkeit bei der Lachsaufzuchtstation. Jedes Jahr erwischen wir in paar Winter-Steelheads und erbrueten dann auch ein paar tausend Jungsteelies. Aber es waere wohl eine gewaltige Geduldsprobe es mit der Angel auf die 2 – 3 Duzend Exemplare im Fluss abzusehen. Die naechsten vielversprechenden Fluesse sind der San Juan River und Gordon River in Port Renfrew und natuerlich der sehr bekannte Cowichan River in Duncan.
    Nun ist Flussangeln auf Winter-Steelheads von vielen Faktoren abhaengig: wenn Starkregen oder Schneeschmelze den Fluss stark anschwellen lassen und trueben, sind die Aussichten auf einen Fang minimal. Ist der Wasserstand sehr niedrig und das Wasser Gin-klar, sind die Steelheads aeusserst vorsichtig und leicht verschreckt.
    Ausserdem ist es nicht jedermanns Sache bei klirrender Kaelte oder peitschendem Winterwind oder monsunartigem Regen am oder im Fluss zu stehen. Ausserdem gelten Steelheads als waehlerisch und ziehen im Fluss umher. Wer also nicht oft am Fluss ist, kann kaum wissen wo und was heute gerade geht. Ausserdem kommen Steelheads in kleinen Trupps nach und nach in den Fluss, aber nicht in grossen Schwaellen wie Lachse so dass ploetzlich der Fluss voll Fisch waere.
    Alle diese Faktoren hatten mich bis jetzt davon abgeschreckt. Ist es die Muehe wirklich wert?

    Mein Freund Greg ist ein begeisterter Flussangler und da er nicht weit vom wahrscheinlich aussichtsreichsten Steelheadfluss auf Vancouver Island lebt (Stamp River), hat er auch schon einige Erfahrung mit dieser Art. Weil er nun arbeitsbedingt nach Alberta umsiedelt, wollte ich mit ihm noch einmal ein besonderes Angelerlebnis teilen. Ich beschloss uns einen Steelheadguide mit Driftboot am Cowichan River zu buchen.
    Weder Greg noch ich haben jemals am Cowichan auf Steelhead geangelt. Ich bin den Cowichan schon zweimal geschnorchelt um fuer das Fischereiministerium Fische zu zaehlen, und habe auf diversen Campingtrips im Sommer mal hier und da eine Angelschnur eingeworfen.
    Es gibt eine klasse Population an schoenen Bachforellen (eingeschleppt aus Europa), ansaessigen Regenbognern und einige Cutthroat Forellen die entweder im oberen Bereich aus dem grossen Cowichan Lake herunterziehen oder aus dem Meer (den Lachseiern hinterher) aufsteigen. Der Cowichan hat nur Winter-Steelheads. Ausserdem ist der Cowichan ein sehr malerischer Fluss der an vielen Teilen noch an unberuehrte Natur erinnert.
    Der Cowichan hat einen fast ausschliesslich wilden Steelheadbestand und es werden jedes Jahr Exemplare um die 20 Pfund gefangen und natuerlich wieder freigelassen. Die Entnahme ist verboten.

    7:30 trafen Greg und ich unseren Guide Ian in Duncan, von wo aus wir dann zusammen zum 10 Minuten entfernten Fluss fuhren. Wir liessen zwei Autos an der unteren Bootslandestelle und fuhren dann 12 Flusskilometer flussaufwaerts. Ian ist ein noch junger aber schon erfahrener Guide, der alle groesseren Vancouver Island Fluesse bedient. Dadurch ist er vielleicht nicht der absolute Experte in einem einzelnen Fluss, aber er ist ein sehr angenehmer Typ, der weiss was zu tun ist und seine Gaeste sicher und mit Freude fuehrt. Er besitzt ein klasse Fluss-Schlauchboot, was mir als aeusserst stabil und recht bequem vorkam.

    Greg und ich hatten beide jeweils eine Spinnrute und eine Fliegenrute mitgebracht. Ist zwar nicht noetig, da Ian alles geraetemaessig auch zur Verfuegung stellt, aber da wir passendes Geraet besitzen, wollten wir lieber unser eigenes Geschirr benutzen.
    Ich brachte auf Ians Ratschlag meine 3 m, #7 Fliegenrute mit einer #7 Sinkspitzen-Schnur wobei die 5 m Sinkspitze mindestens eine Sinkgeschwindigkeit von 10-15 cm pro Sekunde aufweisen sollte. Fuer Spinn- oder Posenfischen brachte ich eine 3 m Shimano Sedona Rute, 20 – 60g Wurfgewicht mit einer Saenger Stationaerrolle mit 30ger Fluro-beschichteter Mono.
    Er stellte sich heraus, dass die Flussbedingungen nicht die besten fuer Fliegenfischen waren. Posenfischen war angesagt, ein 15 cm langer, kraeftiger und gut sichtbarer Schwimmer-Kork, 5 oder 6 grosse Bleischrote, Wirbel und ein vielleicht 70 cm langes 28ger Mono-Vorfach. Daran ein widerhakenloser Einzelhaken mit einer orangen Plastikperle auf die Schnur oberhalb des Hakens gezogen. Das war’s. Sehr simpel.

    Es hatte am Tag zuvor etwas geregnet, so dass das Wasser nicht ganz klar war – aber bei weitem nicht trueb. Eigentlich ideal. Nur etwas mehr Wasser wuenschte sich Ian. Wir stiegen alle ein und Ian schob uns in den Fluss. Greg sass am Heck und ich am Bug. Ian verzoegerte die Drift durch zureuckrudern und hiess uns an vielversprechende Stellen auswerfen. Meist waren das Stroemungskanten mit 1-2 m Wassertiefe.
    Die tiefen Pools seien nicht erfolgsversprechend fuer Winter Steelhead, meinte Ian. Haette man Wurm oder echte Lachseier – dann ja. Aber da wir mit einer Plastikperle im Lachseidekor fischten, mussten wir die Fische im vorbeirauschen da erwischen, wo die Steelies keine Zeit fuer lange Koederinspektionen hatten.
    So zumindest reimte ich mir das zusammen warum wir tiefe Gumpen und ruhige Kehrstroemungen ausliessen. Das heisst ich warf viele davon im vorbeischwimmen trotzdem an, hatte aber kein Glueck. Die besten Stellen schienen nach Ians Meinung die tailouts von Pools und Gumpen – als die Schwanzstrecken wo das Wasser wieder zusammenkommt und Geschwindigkeit aufnimmt. Dort kommt dann das Futter konzentriert vorbei.

    An verheissungsvollen Stellen ankerte Ian das Boot im Fluss oder wir landeten am Ufer um dann konzentriert die Stelle abzuarbeiten. Leider liess sich eine ganze Weile nichts blicken. Nicht mal eine der Bachforellen schnappte zu.
    Ich war das viele Auswerfen und Einkurbeln gar nicht mehr gewoehnt! Richtig Arbeit! Ian zeigte mir genau wo ich hinwerfen sollte, wie ich die Schnur verbesserte und straff hielt und wie ich die Drift beeinflussen sollte. Hin und wieder schnappte er sich auch seine eigene Angel. Er fischte die gleiche Montage nur mit einer Centerpinrolle. Ich beobachtete begeistert wie er 20-30 m Wuerfe mit dieser Fliegenrolle aber ohne Fliegenschnur hinbekam.

    Bei jeder Koederdrift musste man sich hoellisch auf die Pose konzentrieren denn die verschwand oefters in einem Schwupps. Natuerlich Haenger – aber man weiss ja nie! Ian meinte, dass man bei jeden Posenverschwinden mit einem Biss rechnen muss und man einen Anhieb innerhalb von 2 Sekunden durchbringen muss da ansonsten die Steelhead die Plastikperle durchschaut und wieder ausgespuckt hatte.
    Das ganze war auch nicht ganz ohne Geraetverlust moeglich, ein paar mal musste ich das Vorfach sprengen um das Restgeschirr freizubekommen und eine komplette Montage ziert jetzt eine ueberhaengende Zeder vor einem tiefunterspuelten Ufer. Aber im Vergleich zu Spinnkoedern oder mein Meeresgeschirr fuer Lachs ist diese Steelheadmontage ja spottbillig.

    So gegen 10:30 ankerten wir wieder mal dicht vor einem zugewachsenen Ufersaum (es gibt an diesen Wildfluessen nur wirklich wenig vom Ufer aus zugaengige Stellen – daher ist ein Boot sooooo mehr vielversprechend) und warfen an die Stroemungskante und liessen die Koeder weit hinabtreiben. Greg und ich fanden uns in einen abwechselnden Wurfrhythmus um uns nicht zu verfangen.
    Ich warf vielleicht zum 10. Mal ein und liess mein Geschirr diesmal noch weiter treiben und zog es dicht vor ueberhaengendes Ufergestruepp. Meine Pose war sicher 30 m stromab und durch die glitzernden Wellen und durch Zeige verdeckt, verlor ich Sicht. Zeit zum Einkurbeln dachte ich und zog an. Hm, haengt fest!
    Ich zog fester und es kam ein oder zwei Kurbelumdrehungen. Dann ploetzlich zog es unaufhaltsam ab mit kraeftigen Stoessen! Wow, das ist ein Fisch! Und bestimmt kein Kleiner! Ian und Greg wurden ganz aufgeregt und machten freie Buehne fuer mich. Da sprang ein riesiger Fisch weit unten, ich sah einen grossen grauen/silbernen Leib aufplatschen und waehrend es mir etliche Meter Schnur von der Rolle zog, yahooten Ian und Greg gleichzeitig auf vor Vergnuegen.
    Das musste doch ein Lachs sein, sagte ich zu Ian. Nein, keine Lachse mehr im Fluss, meinte er. Du hast eine grosse Steelhead gehakt, meinte Ian schmunzelnd. Der Fisch waelzte sich wieder an der Oberflaeche, ich hatte noch nicht einen Meter Schnur gewonnen.
    Der Fisch stand in der schnellen Stroemung und versuchte durch Waelzen und Kopfschuetteln den Haken loszuwerden. Ich konnte gar nicht glauben, dass das eine Forelle sein sollte.
    Nur nicht Spannung verlieren, rief Ian immerzu. Ich zog was die Schnur hergab und ganz langsam zog der Fisch naeher an das Boot. Nach vielleicht 10 Minuten hatte ich ihn das erste Mal in Bootsnaehe. Der Fisch schien dem stetigen Druck nun widerwillig zu folgen, aber ohne gross herumzutoben. Vielleicht war das meine Chance ihn ohne weiteres Risiko in den Gummikescher zu ueberlisten.
    Als ich den Schatten neben dem Boot sah, erschrak ich. So gross kann doch keine Forelle sein! Ian jaulte schmerzvoll auf als er diesen Prachtfisch sah, er wollte ihn gerne mal vor der Kameralinse sehen. Greg lachte nur und meinte zu mir: “Good luck with that!”. Die beiden wussten wohl was noch kam.
    Der Fisch war zu tief zum Keschern und als er Ian mit dem Kescher fuchteln sah, raste er wieder flussabwaerts. Nichts als nur zugucken konnte ich. Die Schnurspule meiner Rolle qualmte fast. Unglaublich! Und jetzt hielt der Fisch auch noch auf Ufergestruepp zu.
    Ich versenkte meine Rutenspitze tief ins Wasser um die Schnur ja nicht in den Uferzeigen zu verfangen. Der Fisch sauste einfach under dem Gestruepp durch ohne dass ich auch nur eine leiseste Chance gehabt haette ihn davon abzuhalten. In dem Moment hatte ich den Fisch praktisch abgeschrieben. Aber Anfaengerglueck haelt manchmal laenger!
    Ian loeste den Anker und wir drifteten nun dem Fisch hinterher. Tatsaechlich hatte meine Schnur das Ufergezweig unbeschadet passiert. Der Fisch zog jetzt wieder Richtung Flussmitte. Ian ankerte wieder und ich gewann nun wieder Schnur zurueck. Dann 5 m stromab vom Boot wollte der Fisch nicht mehr. Ich konnte ziehen wie ich wollte, alles was das bewirkte war, dass der Fisch zur Oberflaeche kam, sich dort quer zur Stroemung stellte und ich ihn durch diesen Druck auf die Schnur wieder zum Flussboden gehen lassen musste.
    Das ging ein paar Minuten so und jedes Mal wenn er zur Oeberflaeche kam, blieb uns das Herz stehen weil wir befuerchteten er wuerde springen und dann dem Ganzen ein Ende machen. Was fuer ein Fisch, dachte ich nur. Und das als meine erste Steelhead! Ian meinte der Fisch waere nun muede. Trotzdem keine Chance ihn gegen diese Stroemung die letzten 5 m zum Boot zu bringen ohne Schnurbruch zu riskieren. Ok, dann eben das Boot zum Fisch bringen, dachte Ian und loeste den Anker.
    Wir trieben direkt ueber den Fisch und ich zog ihn wieder zur Oberflaeche – wir hatten nur eine Chance zum Keschern weil uns dann die starke Stroemung am Fisch vorbei stromab getrieben haette – aber es gelang! Der Fisch kam hoch und in diesem Moment moneuvrierte Ian den Fisch in den Kescher. Ein dreistimmiger Freudenschrei toente durch den Urwald! Der Haken war schon ‘raus!
    Ich machte mir die Neoprenhandschuhe nass und hob den Fisch vorsichtig heraus um ihn in Ians und Gregs Kamera zu halten. Fett und hoch war er, nicht nur lang! Ian schaetze auf 15 Pfund oder sogar etwas mehr. Er war nicht mehr silbern, musste also schon ein paar Wochen im Fluss sein. Er hatte auch eine kleine Verletzung am Schwanz. Vielleicht ein Adler, oder ein Revierkampf mit einem anderen Maennchen.
    Nach 2, 3 Fotos wollte der Fisch nicht mehr und begann sich zu winden. Ich wollte nicht riskieren, dass er in’s Boot faellt und dirigierte ihn praktisch im Fallen ueber Bord wo er mit einem lauten Platsch im Fluss verschwand! Mir zitterten die Knie, Ian war auch ganz aufgeregt und Greg schuettelte nur schmunzelnd seinen Kopf ueber mein unverschaemtes Glueck! Ich machte erstmal Brot-und Bierpause um wieder nochmalen Blutdruck zu bekommen.

    Dann drifeten wir weiter, fischten hier und da. Greg hatte einen kurzen Einsteiger aber leider nur fuer den Bruchteil einer Sekunde. Dann hielten wir zur Mittagspause an einem malerischen Flussbogen und wir schwaermten nach einer Staerkung zu Fuss aus. Aber leider liess sich da auch nichts ueberlisten.

    Dann ging’s weiter im Boot, durch einige Rauschen und Stromschnellen die unser Boot super geschmeidig meisterte, ueber unergruendlich tiefe Gumpen mit tief-gruenem Wasser. Dann ankerte Ian neben einer Rausche auf der anderen Flusseite. Die Stelle sah gar nicht so verlockend aus fuer mich aber Ian bestand auf paar Wuerfe genau an der Grenze zur ruhigen Stroemung. Der Flussboden bestand hier durch die starke Stroemung bedingt aus sehr groben Kies und grossen Steinen.

    Schon bei der zweiten Drift sah ich Greg seine Rute zurueckreissen und krumwerden. Fisch? Da platschte es auch schon 20 m stromab auf und ein silberner Fischkoerper waelzte sich an der Oberflaeche. Nach paar Sekunden wurde seine Schnur schlaff und ein Fluch ging ueber Gregs Lippen. Kurz vor einem Felsbrocken im Fluss war dieser Biss gekommen.
    Wir liessen unsere Koeder abwechselnd dahin treiben. Ich stellte meine Montage einen Fuss tiefer. Dadurch schliff der Koeder und Blei ueber Grund und hing sich oefters an Steinen fest. Ich verlor ein oder zwei Vorfaecher aber ein paar Wuerfe spaeter verschwand meine Pose wieder ploetzlich und automatisch ruckte ich an und sofort erhielt ich Fischmeldung!
    Der Fisch schraubte sich aus dem Wasser und wir konnten seinen blitzeblanken Koerper bewundern. Nur hing er bei der Landung nicht mehr am Haken. Mist! Jetzt agierten wir hochkonzentriert. Hier musste eine Gruppe lauern.
    Zwei Driften spaeter liess ich meinen Koeder genau vor den Felsbrocken treiben, das Wasser musste dort tief sein. Im Moment als ich herausholen wollte, verschwand die Pose und ich schlug an. Und sofort ging der Tanz los.
    Was jetzt folgte was atemberaubend! Der Fisch, eine silberblanke Steelhead, war wie auf Drogen. Der Fisch sprang unzaehlige Male und schien mehr in der Luft als im Wasser zu sein. Es war kein Riese aber mit geschaetzten 8 Pfund eine ordentliche Steelhead. Als Ian sah was sich abspielte schaltete er seine festmontierte Videokamera an und ich habe den link zu dem Youtube Video unten angehaengt. Ich hoffe sehr, dass das Video fuer Euch funktioniert.
    Nach einer unglaublichen Akrobatikshow und unfassbarem Glueck, dass der relativ kleine widerhakenlose Haken durch diese ganze Show festhielt, konnten wir den Fisch gluecklich keschern, bewundern und unverletzt wieder freilassen.

    Was soll ich sagen, wenn man Glueck hat, hat man Glueck. Ich hakte kurz darauf noch eine Steelhead, die sich aber auch bei der ersten Flucht vom Haken befreite und hatte noch zwei weitere Bisse, die ich nicht verwerten konnte. Einer der Bisse kam keine 3 m vom Boot enfernt als ein Wurf zu kurz geriet und die Pose kurz nach der Landung ruckartig veschwand, war ich sicher es waere ein Haenger an einem der Steine die ich vom Boot aus sehen konnte.
    Ich schlug nicht an sondern ruckelte nur ein bisschen herum um das Geraet zu befreien und merkte ploetzlich wie es am anderen Ende zurueckzog mit heftigen Kopfstoessen. Als ich verdutzt reagieren wollte, war es schon zu spaet und der Fisch spukte den Haken.
    Dann hatten wir die Stelle wohl verangelt, wie Ian meinte, weil sich nichts mehr tat.

    Es sollte auch die letzte Fisch-Action bleiben an diesem Tag. Wir drifteten noch eine Weile durch diese traumhafte Flusslandschaft, sahen Adler in den Baeumen lauern und fanden Wolfsspuren im Ufersand. Das Wetter war klasse, bedeckt mit einigen Sonnenloechern, 10^C ; aber das Flusswasser war saukalt! Woran ich das merkte in meinen Neopren-Wathosen? Nun, ich glaube es ist Zeit fuer eine neue Wathose!

    Beim Bootlanden trafen wir mit einem anderen Guide plus Gaesten zusammen und waehrend ich am Boot auf Greg und Ian, die den Haenger von flussauf abholten, wartete, tauschte ich mit den anderen beiden Gastanglern begeisterte Geschichten und Fotos aus.
    Die hatten 9 Steelhead gelandet und eine davon schien sogar noch groesser als meine Grosse gewesen zu sein! Ihr Guide war wohl ein alter Hase am Fluss, der fast jeden Tag darauf unterwegs war, aber hinter vorgehaltener Hand sagte mir der eine Gast: “Ein alter Fuchs der den Fluss in- und auswendig kennt, aber ein alter muerrischer Brummbaer!”

    Na da war mir der freundliche und lustige Ian doch lieber fuer ein schoenes Abschiedsangeln mit Greg. Und der wird bestimmt bald mal wieder an die Kueste kommen um mir zu zeigen, dass er auch noch fangen kann!

    Und hier ist der link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=wtBXrOA99Tk


    Foto 1: Zu Fuss Ausschwaermen
    Foto 2 & 3: 15 Pfund Cowichan River Steelhead
    Foto 4: Von Boot aus angeln. Unsere 2. produktive Stelle.
    Foto 5: Chromsilberne Steelhead auf Drogen!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. Mai 2012
  2. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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    Samstag den 25.3. 2017 hatten wir mal was besonderes im Programm. Ich mache das nicht haeufig und es ist auch nicht ganz billig aber am Ende jeden Cent wert: eine Driftangeltour auf Steelhead und Forelle. Wir hatten unseren beiden Soehnen Ricardo und Alex eine gefuehrte Tour auf dem Cowichan River zu Weihnachten geschenkt – zusammen mit ihren beiden besten Freunden Alec und Owen. Ian und ich, die beiden Vaeter, wollten aber auch mitkommen und so bestellten wir uns 3 Flussguides und 3 Driftboote. Die Steelheadsaison am Cowichan River geht normalerweise von Dezember bis Anfang April – das ist fuer Winter-Run Steelheads, also Wanderforellen die erst im Winter in den Fluss ziehen um im Fruehling zu laichen. Im Gegensatz dazu steigen Summer-Run Steelheads schon im Sommer in den Fluss und verbringen dann dort die ganze Zeit bis zum naechsten Fruehjahr. Auf Vancouver Island gibt es allerdings nicht allzuviele Fluesse, die Summer-Run Steelheads haben. Das liegt wohl daran, dass viele Inselfluesse im Sommer fast austrockenen durch das besondere Inselklima.

    Der Cowichan River ist einer der bedeutensten Fluesse auf Vancouver Island. Er kommt aus dem Cowichan Lake ca. 1.5 h noerdlich von Victoria und ergiesst sich suedlich von Duncan nach ca. 50 km Fliesstrecke in das Meer auf der Ostseite der Insel. Durch die stetige Wasserspeisung und Verbindung mit dem See, hat dieser Fluss auch im Hochsommer wenigstens noch etwas Wasser im Flusslauf und die heimischen Forellen haben die Moeglichkeit sich in den See zu verziehen wenn der Fluss zu niedrig und zu warm wird im Sommer. Der Cowichan Lake ist gross und extrem tief – also perfektes Salmonidenrevier. Hier hausen riesige Cutthroat und Regenbogenforellen und auch einige Saiblingstaemme. Der See spuelt auch staendig wichtige Naehrstoffe in den Fluss so dass dieser fuer einen Inselfluss ungewoehnlich produktiv ist. Es gibt aber noch eine andere Besonderheit am Cowichan River; es ist der einzige Fluss westlich der Rockies in Kanada, der eine sich selbsttragende Bachforellenpopulation hat. Die sind vor ueber 100 Jahren eingeschleppt wurden und haben sich gehalten und sogar praechtig entwickelt. Die natuerlichen Cutthroatbestaende im Fluss haben dadurch zwar gelitten aber die Bachforellen fuehlen sich in diesem Fluss pudelwohl. 50 cm plus Exemplare sind nicht selten und es gibt immermal Berichte und Bilder von 70-80 cm Monstern die ueber 5 kg wiegen wuerden. Das genaue Gewicht sollte man besser nicht wissen – der ganze Fluss ist ein reines Catch&Release Gewaesser ausser ein paar Lachsarten die man im Herbst eventuell behalten darf.

    Neben den Bachforellen ist der Fluss Heim fuer natuerliche Regenbogenforellen die auch zu beachtlichen Groessen abwachsen koennen aber meist in der 30 – 40 cm Klasse gefangen werden. Ein paar Cutthroatforellen steigen mit vielen Regenbognern aus dem See in den Fluss ab, wenn im Herbst die Lachse im Fluss laichen, um sich dann den ganzen Winter ueber an den Lachseiern zu laben. Und wie gesagt, die Winter-Run Steelheadforellen sind heimisch im Cowichan River. Das ist ein Wildstamm der bekannt ist fuer Exemplare bis ueber 20 Pfund. Die Durchschnittsgroesse, die man regelmaessig faengt, liegt immerhin noch bei 7 – 15 Pfund. Waehrend die Bachforellen (Brown Trout) im oberen Abschnitt, eine exklusive Fliegenstrecke, das Ziel vieler einheimischer und touristischer Angler sind, sind im mittleren und unteren Flussbereich die Steelhead und im Herbst die Lachse das Hauptziel.

    Unsere Tour sollte in der Flugangelstrecke beginnen und dann bis in den mittleren Bereich, das Steelheadrevier gehen. Das war auch eine gute Gelegenheit fuer die Jungs das Flugangeln mal zu lernen. Und es sollte uns nicht leicht gemacht werden! Die vielen Regenfaelle der letzten Wochen hatten den Fluss gut anschwellen lassen. Die Stroemung war oft so schnell und stark, dass unsere Guides die Boote nur an ruhigen Randstellen verankern konnten welche uns kaum Rueckraum fuer’s Werfen liessen. Aber die Jungs kamen schon nach kurzer Zeit gut klar mit dem Geraet.

    Schon an der Stelle, an der wir die 3 Boote zu Wasser liessen, sahen wir im klaren Wasser grosse dunkle Schatten am Grund stehen. Die Fischdichte im oberen Flussbereich war wirklich beeindruckend und wir waren alle aufgeregt und konnten den Start kaum erwarten. Die juengeren Burschen legten mit ihrem Guide Edd zuerst ab und waren praktisch fuer den ganzen Tag verschwunden. Die groesseren Jungen mit Guide Alex blieben immer in unsere Naehe, was schoen war um mal ein paar Fotos voneinander zu machen und auch um ein paar Witze und Ulkereien hin und herzurufen. Schliesslich hatten wir auch einen kleinen Wettkampf; pro gelandeten Fisch ein Punkt und fuer den groessten (vom Guide geschaetzt) Fisch 3 Punkte. Fuer den Gewinner gab’s die Mones Cup Trophaee.

    Wir legten nur kurz ab und verankerten keine 50 m flussab und begannen da mit dem Fischen. Vor dem Boot standen einige Regenbogner – manche wahrscheinlich 50 cm plus lang - zwischen Steinen am Grund. Die Schwierigkeit bestand darin, eine Fliege bei der starken Stroemung und ordentlichen Tiefe bis direkt vor die Fische zu kriegen. Das Wasser war noch eiskalt und die Forellen stiegen nicht. Der Koeder musste runter. Nur die schwerste Sink-Tip Schnur schaffte das. Ian, mein Bootspartner, hatte den Trick am schnellsten raus. Ruckzuck hatte er einen schoenen vielleicht 35 cm Regenbogner am Band. Herrlich im Laichkleid gezeichnet. Ich frickelte mal wieder mit der Flugschnur zu meinen Fuessen herum, als Nelson, unserer Guide zu mir meinte: “Hast Du nicht einen Fisch dran!?”. Unglaeubig strippte ich den Schnurbogen ein und tatsaechlich – meine Rute bog sich nun durch. Leider nur fuer ein paar Sekunden – der verpasste Anschlag raechte sich.

    Ploetzlich war wieder Ian’s Rute krumm und seelenruhig und unaufgeregt drillte dieser Anfaenger schon seinen zweiten Fisch an’s Boot. Kurz darauf schlug Ian wieder an und diesmal ging seine #5 Rute richtig in die Knie. Ich wollte gerade meine Schnur einholen um ein paar Fotos zu schiessen, rums, jetzt war ich auch am Fisch – Doppelbiss. Ich versuchte meinen Fisch von Ian’s Schnur wegzuhalten – dafuer sausste mein Fisch jetzt unter unser Boot – oh je, auf die Ankerschnur hinzu. Ich steckte meine Rutenspitze tief ins Wasser um den Fisch wieder da herauszudirigieren und ploetzlich war der Kontakt weg. Mist! Ian wiederum zauberte eine toll gezeichnete Regenbogenforelle in den Kescher – 40 cm! Wir bearbeiteten diese Stelle noch eine Weile weiter und verbuchten noch den einen oder anderen Biss. Ich beobachtete die Fische vor uns durch meine Polbrille und ploetzlich sah ich einen grossen Schatten – etwas heller als die anderen Forellen. Ich zeigte das Nelson und er meinte Steelhead. Der war locker 70 cm lang! Ich nahm meine #9 Rute und Nelson band eine Steelheadfliege dran. Ich liess die Fliege mehr als einmal genau auf die Forelle zutreiben und einmal machte sie auch einen seitlichen Schlenker – mir blieb fast das Herz stehen. Leider, leider nahm sie den Koeder nicht. Aber was fuer ein Adrenalinfischen – so auf Sicht!

    Dann drifteten wir weiter und uebernahmen eine Stelle, an der Alex mit den groesseren Jungs gerade gefischt hatten. Ricardo hatte eine Mini-Steelhead gefangen (vielleicht 20 cm) aber sonst waren die noch Schneider. Irgendwas mussten die aber falsch gemacht haben, denn Ian war sofort wieder am Fisch – und diesmal rappelte es richtig an seiner Rute. Der nahm voll Schnur und die Rute war ein Halbkreis. Ich beobachtete gespannt wie das Tauziehen ausging. Der Fisch sausste paar Mal in die starke Stroemung weiter draussen und nutzte dort seinen Vorteil. Ian hatte ordentlich zu tun, ihn von dort wieder in unsere ruhige Bucht zu kriegen. Dann war er endlich in Sicht – eine praechtige Bachforelle! Noch ein paar heikle Momente um das Boot und dann lag sie im Kescher. Was fuer ein toller Fisch! Ian war stolz – und zurecht; ein tolles Maennchen, 47 cm lang mit einem Hakenmaul.

    Dann ging es weiter flussab. Jetzt ankerten wir auf der gegenueberliegenden Seite von unseren grossen Jungs. Die hatten immernoch nichts weiter gelandet. Jetzt musste ich aber auch mal was vorzeigen. Ich wechselte auf Lachseiimitation und hatte am Stroemungssaum sofort einen Biss – verpasst! Damn! Noch einmal diese Drift – rums, Rutenspitze nach unten gerissen, Anschlag sass! Haha, in Sichtweite der Jungs drillte ich eine ordentliche Regenbognerin von vielleicht 35 cm. Nach beherzten Kampf kam sie gerade neben das Boot und Nelson wollte keschern als der Haken auschlitzte. Gibt’s ja nicht – wieder nichts zum vorzeigen! Ian schmunzelte nur “Wer ist hier der Experte?”.

    Dann drifteten wir durch ein paar Stromschnellen und durch tiefe Schluchten. Alleine die Bootstour war schon atemberaubend. Das Wetter war durchwachsen, hin und wieder ging ein Schauer nieder und dann kam die Sonne wieder heraus und liess die Natur dampfen. Ich war aber froh, dass ich die Neoprenwathosen anhatte. So war ich schoen warm die ganze Zeit. Wenn wir Strecke machten, zeigte uns Nelson vielversprechende kleine Stellen hier und da beim Vorbeidriften und wir warfen diese Stellen nach seinen Instruktionen an. An einer Pflanzen und Strauchueberwucherten Uferstelle an der wir mit guter Geschwindigkeit vorbeiflogen, warf ich genau vor die Zweige und Straeucher und zwei Sekunden spaeter gab es einen heftigen Schlag in meiner Rute. Die Schnur kam sofort an die Oberflaeche und eine tolle Bachforelle katapultierte sich wohl einen halben Meter aus dem Wasser. Whooaa – “fish on” rief ich, aber Nelson sagte nur “Bleib’ dran – hier koennen wir nicht halten!” Na das kann ja fein werden – ich konnte ja nicht mal einen Fisch am Haken behalten als wir ruhig in einer Bucht verankert lagen. Jetzt jagten wir mit einem Affenzahn den Fluss hinunter und ich hatte eine wilde Forelle am Schonhaken die schon wieder sprang und Schnur von der Rolle riss. Das kann doch nicht gutgehen.

    Es war aber auch wirklich eine unguenstige Stelle fuer eine Fischlandung. Mittlerweile hatte ich den Fisch das erste Mal neben dem Boot – ein herrlicher Fisch – aber Nelson konnte die Ruder nicht weglegen weil wir auf eine Flusskurve zutrieben an der ein Baum halb ueber den Fluss hing. Noch eine Flucht und dann schwamm der Fisch, nun wohl auch erschoepft, neben dem Boot in der schnellen Stroemung. Ich warf Ian den Kescher zu – der versuchte den Fisch ins Netz zu kriegen aber das war in dieser Stroemung gar nicht so einfach weil das Netz sich nicht oeffnen konnte. Dann schaufelte er den Fisch aber doch irgendwie in den Kescher und reichte ihn mir an das Heck. Ich hielt den Fisch im Kescher im Wasser bis wir nach 2-3 Minuten wieder ruhigeres Wasser erreicht hatten und am Ufer landen konnten.

    Hier bewunderte ich den Fisch ausgiebig und wir schossen von dem Weibchen noch ein paar Nahaufnahmen und liessen sie dann unversehrt schwimmen. 45 cm – eine meiner groessten Bachis – jemals.

    Es wurde jedoch deutlich, dass je weiter wir stromab kamen, desto geringer die Fischdichte wurde. Wir sahen vereinzelt in Pools und tiefen, klaren Stellen ein oder zwei Forellen stehen, aber nicht mehr die regelrechten Schwaerme wie weiter oben. Ian hatte noch einmal kurz Fischkontakt aber dann wurde auch diese Fangmaschine ruhig. Wir legten mal an und machte kurz Pause. Dann kamen wir bald an die Fliegenstreckengrenze und griffen nun zu den Spinnruten. Jetzt ging es auf Steelhead mit Pose und Lachseiimitat. Jetzt konnte man gut in Grundnaehe fischen. Wir hielten an einer Inselzunge an und befischten den stroemungsberuhigten Teil direkt unterhalb der Insel. Das roch nach Fisch. Nelson angelte nun auch ein bisschen und wollte etwas stromauf hinter der Insel werfen – seine Schnur blieb beim Wurf aber an einem Gestraeuchzweig haengen und sein Koeder baumelte gerade an der Wasseroberflaeche nur einen halben Meter vom Ufer weg. Waehrend Nelson versuchte seine Schnur vom Zeig freizuzuckeln, sahen wir ploetzlich wie ein riesiger silberner Koerper direkt vor seinem Koeder auftauchte, sich drehte und wieder abtauchte. Unglaublich! Nun feuerten wir ein ums andere Mal zu dieser Stelle und befischten die ganze Strecke ausgiebig. Nichts. Bummer! Als wir ablegten und langsam ueber die tiefe Stelle unterhalb der Insel trieben, sahen wir ploetzlich einen grossen Schatten tief unten herumziehen. Wow, das war ein 80 cm plus Fisch – wahrscheinlich 15 Pfund und mehr. Schade aber gewaltig anzusehen!

    Sie waren also da, die beruehmten Steelheads. Aber aehnlich wie eine Meerforelle in der Ostsee, nennt man die Steelhead den Fisch der 10000 Wuerfe. Da hatten wir noch etwas Arbeit vor uns. Das einzige Mal das ich den Cowichan River zuvor beangelt hatte, auch mit Driftboot und Guide, hatte ich das Glueck gleich eine fast 15 pfuendige Steelhead zu fangen neben noch einer etwas Kleineren plus 2 oder 3 im Drill ausgestiegenen. Das muss aber nicht immer so gehen.

    Wir ankerten dann mal wieder an einer Stelle wo sich das Flussbett teilte und ein kleiner Seitenarm hinter einer Kiesinsel mit Schwemmholz langfloss. Nelson hiess uns aber auf den Hauptarm an der Stroemungskante zu konzentieren. Da dort aber fuer drei Angler recht wenig Platz war, sprang ich raus und wollte den Seitenarm erkunden. Ich watete bis zu der Insel und kletterte ueber paar Baumstaemme und Wurzelwerk und kam an diese fischig riechende Stelle. Ein kleiner Teil des Flusses kam hier ueber ein paar Steine in diese kurze aber bestimmt 1,5 m tiefe Rinne geschossen, wo das Wasser etwas ruhiger lief bis es sich etwa 20 m weiter abwaerts wieder Richtung Hauptarm bewegte. Wenn ich ein Fisch waere, der sich mal von der brutalen Hauptstroemung ausruhen wollte, dann waere ich hier.

    Ich stellte meine Pose etwas flacher, so dass das Eiimitat genau am Grund entlang poltern musste, und warf an den oberen Saum der Rinne. Ich bekam nur eine etwa 5 Sekunden lang dauernde Drift aus dieser kurzen Stelle heraus. Beim dritte Wurf verschwand die Pose – haengt wohl irgendwo am Grund, denke ich – ich zog halbherzig an und ploetzlich fuehlte ich 2 – 3 schwere Kopfstoesse. Ehe ich noch “Fish on!” rufen konnte war der Spuk vorbei. Aha, da stand was drin in der Rinne. Konzentriert bis in die Haarspitzen versuchte ich weitere Wuerfe. Nichts mehr. Gerade wollte ich das Geraet einholen als die Pose etwas weiter abwaerts wieder verschwand. Ich ruckte vorsichtshalber diesmal an und – hoho, sofort ging die Post ab und Schnur wurde von meiner Rolle gerissen. “Fish on!” schrie ich Nelson zu denn hier brauchte ich Hilfe. Baumstaemme im Wasser weiter oben und unten – wenn der Fisch hier richtig Gas gab, hatte ich schlechte Karten. Ich drehte die Bremse fester und der Fisch kam an die Oberflaeche und waelzte sich. Ein toller fast silberner Fisch – weit ueber 10 Pfund, das war sicher. Aber das war auch alles was ich zu sehen bekam denn durch das Waelzen kam der Fisch frei und ich stand mit zitternden Haenden und Knien da – sehr enttaeuscht. Ein paar unschoene Worte entfuhren meinen Lippen als ich noch ein paar Wuerfe versuchte. Am Boot bekam ich dann ein paar troestende Schulterklapse, Nelson hatte den Fisch auch gesehen und verstand meine Gefuehl.

    Ein paar Ecken weiter, trafen wir wieder auf Ricardo und Alec und die packten gerade den Kescher zusammen. Ricardo rief mir stolz zu, dass er gerade eine etwa 10 pfuendige Steelhead gelandet haette. Na also! Mein Junge! Klasse! Er war aus dem Haeuschen. Wir ankerten unweit von denen vor einer Steilwand und versuchten unser Glueck. Oftmals wanderten Steelheads in kleinen Gruppen von 2 – 6 Exemplaren. Aber es sollte nicht sein fuer uns. Es ging dann wieder ueber Stromschnellen und durch schnelle Rieselstellen. Angeln war hier kaum moeglich – der Fluss war extrem schnell hier. Erst den letzten Kilometer vor der Endstelle fanden wir wieder ein paar Stellen die sich fuer ein paar Wuerfe lohnten. Allerdings blieb es bei der Ausbeute. Hier kamen wir an eine scharfe Flusskurve in der das Wasser sehr tief und ruhig floss. Nelson riet uns ueber den Bootrand ins Wasser zu schauen denn oft stuenden hier grosse Steelheads. Angeblich wuerden die hier aber nie beissen – zumindest haette er noch nie eine der hier stehenden Forellen fangen koennen – in all den Jahren die er schon Trips fuehrte. Und tatsaechlich sah ich einen Chinook-grossen Schatten weghuschen als wir ueber diesen Pool drifteten. Wow, das muss ein Klopper von Steelhead sein!

    Den abenteuerlichen Schluss bildete die Landung in einer kleinen Uferniesche direkt oberhalb der Skutz Faelle – ueber die wir auf keinen Fall fahren wollten. Die Guides wussten was zu tun war. Dennoch war es schon mit etwas Nervenkitzel verbunden wenn man 30 m weiter unterhalb das Wasser weiss rauschen und ueber Felsen stuerzen sah. Das ist nichts fuer Anfaenger am Ruder!

    Hier trafen wir uns alle wieder und die Jungs waren ganz aufgeregt und wollte alle Geschichten innerhalb zwei Minuten loswerden. Das war ein Geplappere und Fotogezeige. Ian lag gut im Rennen fuer die Trophae mit 4 gelandeten Fischen und einer 47 cm Forelle. Bis sein junger Sohn kam und ebenfalls 4 Fische inklusive einer 11 pfuendigen Steelhead ankuendigte! Wow! Wir wollten alle das Beweisfotos sehen – aber es gab nur ein Bild von einem grossen Platscher im Wasser – Owen hatte angeblich den Fisch aus den Finger gleiten lassen, bevor die Kamera schoss! Edd, sein Guide versicherte hoch und heilig und mein Sohn Alex bestaetigte. Das genuegt wohl in Anglerkreisen und so gewann Owen – der eher Anfaenger ist – die Trophaee. Ich war froh ueber diesen Ausgang. Jeder hatte mindestens einen Fisch gefangen und einige richtig tolle Fische. Ein Trip der uns immer in Erinnerung bleiben wird und hoffentlich nicht der letzte dieser Art gewesen sein wird!

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  3. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2017
  4. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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    Owens grosser Platsch der eine 11 pfuendige Steelhead gewesen sein soll! :-)
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  5. Ytre Sula

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  6. Maisel

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    Angeln in grandioser Natur , was willste mehr -große Klasse und Danke fürn Bericht !
     
  7. ossipeter

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  8. Christoph Amann

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  9. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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    28.2.2018; Cowichan River

    Nach langer Abstinenz mal wieder ein Bericht von mir. Ich bin wirklich nicht viel zum Angeln gekommen in diesem Winter. Lag teilweise an den familiaeren Verpflichtungen aber auch an dem unangenehmen Wetter. Waehrend wir sonst um die Weihnachtstage eigentlich immer feines Angelwetter hatten, mussten wir uns diesen Winter doch tatsaechlich mit Eis und Schnee und Frost herumplagen. Den Januar ueber hatte es nur aus allen Eimern geschuettet – und bei solchen Wetterbedingungen kriegt mich auch keiner auf’s Meer. Ich habe mit meinen Jungs allerdings in den seltenen Regenpausen den einen oder anderen Abstecher an die lokalen Seen gemacht bei denen wir einige Forellen aergern konnten. Da konnte ich mal einige meiner neuerdings selbstgebundenen Fliegen ausprobieren. Ein faszinierendes aber auch anspruchsvolles Hobby, zumindest wenn man sich wie ich an sich selbst hohe Ansprueche stellt. Die Fische scheinen da weniger waehlerisch zu sein denn auch die meines Erachtens nach misratenen Fliegen fanden Abnehmer!

    Ein deutscher Tourist brachte mich dann mal wieder richtig zum Angeln! Moritz kontaktierte mich durch das Forum und erzaehlte mir, dass er ab Februar einige Wochen durch Nordamerika cruisen wuerde und dabei einige Zeit auf Vancouver Island verbleiben wuerde. Ich schlug ihm einen Steelheadtrip am Cowichan River vor da Lachs im Meer nicht sehr vielversprechend klang und Heilbutt erst ab Maerz losgehen wuerde. Moritz war sofort begeistert und uebte schon mal mit einer schnell besorgten Fliegenausruestung an den Baechen nahe Campbell River – mit beachtlichem Erfolg, muss ich sagen! Wir hatten uns dann fuer den 28.2. frueh morgens am Highway in Duncan verabredet nachdem ich uns einen Driftbootguide fuer den Tag organisiert hatte. Die Tage zuvor hatten wir bange die Flusspegelstaende beobachtet, da durch den Dauerregen im Januar die Fluesse zu reissenden und nicht-beangelbaren Stroemen angeschwollen waren. Da aber der Februar relativ trocken blieb, kamen die Pegelstaende schoen runter und der Fluss war am 28.2. dann in perfekter Verfassung.

    Wir trafen unseren Guide Nelson am Coffeeshop am Highway und folgten ihm dann im zweiten Fahrzeug. Nelson berichtete, dass er gestern in einer unteren Flussstrecke 4 Steelheads erwischt hatte und schlug daher vor die Flugangelstrecke links liegen zu lassen und uns auf die untere Strecke, wo man auch mit anderen Methoden angeln darf, zu konzentrieren. Wir hatten vollstes Vertrauen in Nelson’s Einschaetzung. Wir hatten damit eine etwa 20 km Flussstrecke vor uns. Wir liessen das zweite Fahrzeug an der Endstelle und liessen das Driftboot flussaufwaerts ein. In den umliegenden Bergen lagen noch einige Schneereste gar nicht so weit hoeher – es war kuehl und sah nach Regen aus. Ich schluepfte schnell in meine Neoprenwathosen, die mich warmhalten wuerden. Nelson hatte Moritz nicht nur Angelzeug mitgebracht sondern auch Wathose, Watstiefel und Regenjacke. Auto-Schwimmweste drueber und wir waren fertig fuer die Wildwasserfahrt!

    Nelson wies uns noch kurz am Geraet ein und die generelle Taktik; wir fischten mit Spinnrute und Posenmontage mit Lachseiimitaten als Koeder. Ich hatte zwar meine eigene Spinnrute mit, probierte aber immermal wieder die Baitcaster oder die Centerpinausruestung von Nelson – besonders wenn ich einen Abriss hatte und Nelson wieder neu montieren musste. Ich hatte aber auch wirklich einen verlustreichen Tag; ich glaube ich bueste 5 Posen plus Koeder und Blei ein! Anfaenger!

    Das interessante beim Steelheadangeln ist die Standortwahl. Ich habe mein ganzes Leben an Fluessen geangelt und meine die guten Flussangelstellen lesen zu koennen. Fuer Flussforellen, Barsche, Zander, Hechte…. alles intuitiv. Nur Steelheadforellen verhalten sich anders! Vielleicht ist auch das ein Grund warum die Steelhead fuer Anfaenger so schwer zu fangen ist – aehnlich der deutschen Meerforelle als der Fisch der 10000 Wuerfe verschrien. Die Steelies fressen nicht richtig im Fluss und liegen daher auch nicht in den ueblichen Gumpen, Kehrstroemungen oder unterspuelten Ufern auf Lauer. Die Steelies ziehen den Fluss in kleinen Trupps hoch um an ihre Laichstellen zu kommen. Sie schnappen nach fressbarem wenn es ihnen praktisch vor die Nase schwimmt aber machen keine grossen Anstalten etwas zu jagen. Da im Winter, der Hauptwanderzeit der Steelheads, losgespuelte Lachseier im Fluss umherdriften, sind diese eine leicht zu schnappende Nahrung fuer die Steelheads. Daher die Vorliebe fuer alles in pink/rot.

    Die Steelies ziehen also im Fluss und suchen sich meist im offenen Flussbereich den Weg des geringsten Widerstandes. Oft ziehen sie am Rande der schnellen Stroemung von Stein zu Stein in deren Stroemungsschatten sie kurz rasten. Nur selten sind die Steelies in unmittelbarer Ufernaehe zu finden. Oftmals sehen die besten Fangstellen fuer mich gar nicht fischig aus – einfach ein Stroemungssaum direkt neben der vollen Hauptstroemung. Und die Steelheads liegen immer dicht an den Grund geduckt um dort die langsameren Stroemungsverhaeltnisse zu nutzen. Man kann diese Fische also in den seltensten Faellen vorher sehen; manche sagen sogar, dass Steelheads die man sieht unfangbar sind, weil sie einen selber schon laengst gesehen haben.

    Nelson wies uns an – vorallem Moritz als den blutigen Steelheadanfaenger – wohin wir werfen sollten und wo wir es gar nicht erst versuchen brauchten. Wir fischten entweder vom driftenden Boot waehrend Nelson das Boot kontrolliert durch die Stellen manoevrierte, oder wir ankerten im Fluss und bearbeiteten eine Stelle dann besonders intensiv. Moritz kam mit dem Geraet schnell klar und ging konzentriert zur Sache. Wir fischten in einer wildromantischen Flussumgebung. Auch wenn man nichts fangen wuerde, so eine Drift auf einem Wildfluss ist immer ein tolles Erlebnis!

    An einer sich verbreiternden Stelle, wo der Fluss gerade aus einer schnellen Flusskurve herauskam, sagte Nelsen wir koennten beidseitig einwerfen. Ich warf links und Moritz rechts und wir verfolgten wieder den Lauf unserer Posen. Ploetzlich sah ich Moritz anrucken und seine Rute sich kruemmen. Fish On! Nelson liess schnell den Anker runter und stoppte uns so am Platz. Ich holte ein und verfolgte den Drill. Wir konnten schon ein paar Mal etwas silbernes blitzen sehen. Der Fisch war kampfstark und nutzte die Stroemung zu seinem Vorteil. Nur nach und nach brachte Moritz den Fisch heran und geschickt kescherte ihn Nelson. Moritz bestaunte seine silberblanke erste Steelhead. Nicht die groesste aber ein wunderschoener Fisch. Er holte sie behutsam aus dem Gummikescher und hielt sie kurz fuer’s Erinnerungsfoto hoch bevor sie wieder in den Fluten verschwand. Auf Vancouver Island ist fuer alle Flussforellen Catch and Release Pflicht, besonders fuer die selten gewordenen Steelheads.

    Na das fing doch gut an dachten wir. Neu angespornt warfen wir unsere Koeder an die vielversprechenden Stellen nach Nelsons Anweisungen. Wir drifteten durch einige ordentliche Stromschnellen die unser stabiles Aluboot ganz schon durchruettelten und mich im Bug sitzend wie bei einem Rodeo am Sattel festhalten liessen. Nelson steuerte uns klasse durch das weisse Zeug! Ich versuchte andere Ruten mit anderen Koedern. Nelson gab mir die Centerpinrollenrute mit einem pinken Gummiwurm bestueckt. Wer wuerde denn einen pinken Gummiwurm wollen? Da sah doch wie ein gutes Haribostueck aus. Aber Nelson bestaetigte, dass an manchen Tagen der Gummiwurm alle Fische fing. Seltsamer Biester, dachten wir!

    Hinter einem angeschwemmten Baumstamm lag ein Stroemungsschatten den ich im vorbeitreiben anwarf. Die Pose verharrte einige Sekunden im ruhigen Kehrwasser bis die Stroemung sie ergriff und weitertrieb. Gerade als die schnelle Stroemung die Pose wieder in die Hauptstroemung ziehen wollte, wurde die Pose brutal nach unten gerissen. Ich hieb an – musste allerdings feststellen, dass ich einen kleinen Schnurbogen draussen hatte und so gelang mir der Anschlag nicht so wie gehofft. Ich spuerte Widerstand und zwei heftige Kopfstoesse eines schweren Fisches und meinte auch kurz ein silbernes Aufblinken in der Tiefe gesehen zu haben – war ja nur etwa 3 m neben dem Boot. Und dann war der Spuk weg. Mist! Ich bekam aber keine zweite Chance auf den Fisch denn wir waren nun schon stromab getrieben. Sehr schade!

    Dann kamen wir an eine weite Flusskurve die “Wash-Out” genannt wurde. Hier floss der Fluss breit und maessig schnell um eine 70 Grad Kurve. Der Saum zum Prallhang sah besonders gut aus aber Nelson meinte, die ganze Flusskurve hielt Fische. Hier haette er gestern zwei Steelies erwischt. Wir sahen auch einen Uferangler die Gleitseite mit der Fliegenrute bearbeiten. Wir ankerten mitten im Flussbett und Moritz nahm sich die Prallhangseite vor. Ich warf gar nicht richtig sondern liess meinen Koeder nur neben dem Boot ein und liess ihn den Fluss runter treiben, bis ich die Pose am Ende der Kurve aus den Augen verlor. Ploetzlich zeigte Nelson Richtung des Uferanglers; der stand mit vollgekruemmter Rute halb im Fluss. Haenger? Oh nein! Da waelzte sich ploetzlich was mitten im Fluss! Wow! Wir beobachteten diesen Kampf, der bestimmt eine gute Viertelstunde andauerte. Dann hatte der Angler den Fisch vor den Fuessen und versuchte mit einem normal-kleinen Watkescher zu keschern. Ging wohl nicht, der Fisch war viel zu gross fuer das kleine Netz. Wir sahen einen relativ dunklen Koerper mit gewaltigen Ausmassen vor seinen Fuessen rollen. Da passierte es wohl und der Haken kam los und der Fisch war weg bevor der Angler eine Chance gehabt hatte, ihn richtig zu halten und zu bewundern. Der musste an die 20 Pfund gewesen sein. Wohl schon in voller Laichfaerbung. An der Fliege – unglaublich, mein ultimativer Traum!

    Da muessen doch noch mehr sein an dieser Stelle! Ich nahm mal wieder die Baitcasterrute mit einem mini-pinken Spin-o-glow. Als die Pose schon kaum mehr in der Ferne am Kurvenausgang zu sehen war wollte ich einholen, da spuerte ich Widerstand. Ich ruckte an und Yeeeessss! - ich fuehlte das wohlige rucken und ziehen eines widerspenstigen Fisches. Nelson ueberpruefte noch mal kritisch meine Bremseneinstellung und dann begann der Tanz! Der Fisch war mindestens 50 m flussab und dort wurde es flacher, schneller und auch steiniger. Ploetzlich war der Widerstand weg – so schien es zumindest – ich kurbelte wie ein Berserker und fand gluecklicherweise wieder Gegenwehr. Er war mir nur ein Stueck entgegengeschossen gekommen. Dann sahen wir den Fisch kurz unter der Oberflaeche ca. 15 m hinter dem Boot herumwirbeln. Schwupps waren wieder 10 m Schnur weg. Die Bremse lief einwandfrei! So ging das noch ein paar Male hin und her. Dann brachte ich den Fisch neben das Boot. Hier stroemte es aber ganz ordentlich und es war nicht einfach zu keschern. Der erste Versuch ging fehl und der Fisch tobte nun neben dem Boot. Auweia!

    Nelson hiess mich den Fisch halb am Boot vorbei zu ziehen, dann platzierte er den Kescher hinten am Boot und ich liess die Forelle hineindriften. Geschafft! Ha! Mein Steelheadglueck war zurueck – nachdem ich bei der letzten Tour vor einem Jahr zwei Stueck verloren hatte und keine hatte landen koennen! Ich strahlte als ich den schoenen vielleicht 60 cm langen aber sehr schlanken Fisch kurz hochhalten konnte. Dann flitzte er wieder in das gruene Wasser! Toll! Wir suchten die gleiche Stelle noch eine Weile ab aber es sollte nichts mehr gehen.

    Wir hatten noch eine lange Driftstrecke vor uns und so machten wir uns bald wieder auf den Weg. Es fing nun an zu nieseln – das typische ungemuetliche Westcoast-Winterwetter das symptomatisch fuer Winter-Steelheadangeln ist! Ist nicht jedermanns Sache! Auch gut so! Wir konnten auf einer weiten Flussstrecke keine weitere Forelle zum Anbiss ueberreden. Mittlerweile begegneten wir auch noch einem anderen Driftboot. Dann ankerten wir mal wieder an einer breiten und schnellstroemenden Stelle, dicht vor dem Ufer das hier mit undurchdringlichem Weidengestruepp gesaeumt war. Weiter unten hatte sich Treibholz mitten im Fluss angesammelt und staute das Wasser da etwas auf. Wir warfen einfach stromauf und liessen die Koeder ca. 20-30 m stromab treiben und dann wieder von vorne. Da kamen schon einige Dutzend Wuerfe zusammen. Nelson machte auch mit. Wir erzaehlten uns allerlei, Moritz hoerte gespannt zu was wir so von der BC Angelei berichteten. Er erzaehlte uns von seinen Angelerlebnissen an Elbe und Weser. Nelson hatte auch mal ein halbes Jahr in Bremen verbracht und konnte da auch mitreden.

    Aus Faulheit liess ich nun meine Pose noch vom Stroemungsdruck bis dicht vor den Weidenguertel treiben und holte erst ein als die Montage schon fast in das Gestruepp trieb – ein gefaehrliches Spiel. Da verschwand meine Pose ploetzlich direkt vor dem Gestruepp eine ganze Strecke flussab. Auf diese Entfernung war man nie sicher ob der Koeder nur irgendwo festhing oder man einen Biss hatte, aber man musste instinktiv anschlagen um eine Chance auf Fisch zu haben. Die Kunstkoeder werden von den Steelheads blitzschnell wieder ausgespukt wenn man zu lange wartet. Ich ruckte an und diesmal war kein Schnurbogen da und die Rute war im selben Moment krumm. Fish on! Das weckte meine Mitangler auch auf! Der Fisch sprang und tobte direkt vor den Weidenstaengeln und zog dann weiter flussab am Pflanzensaum entlang. Oh oh, wenn das mal gut geht. Nelson holte den Anker ein und fuhr dem Fisch hinterher, der jetzt in der Stroemung stand. Ploetzlich kam er auf uns zu, zog direkt am Boot vorbei und durch einige Weidenzweige die im Wasser standen. Nelson ruderte sofort stromauf und ich gab mir alle Muehe meine Schnur durch die Zweige hindurchzudirigieren. Bange Sekunden aber ich hatte Glueck und der Fisch kam aus dem Gestruepp herausgeschossen, unter dem Boot durch und Richtung Flussmitte. Ich steckte die Rutenspitze tief ins Wasser und fuehrte die Schnur so zur anderen Bootsseite herum. Huch, noch mal gutgegangen; Gott sei Dank hatte wir keine Ankerschnur draussen. Jetzt war der Fisch im Freien und ich konnte ihn ausdrillen. Bald langte Nelson mit dem Kescher zu und ich hatte meine zweite Steelhead heute! Etwa die gleiche Laenge wie die erste aber deutlich besser im Futter; vielleicht 7 Pfund.

    Nun beackerten wir noch ein bisschen den gleichen Weidensaum stromab aber ausser ein paar Montageverlusten meinerseits ging da nichts mehr. Weiter gings. Wieder durch einige tolle Stromschnellen und Flussengen wo sich das Wasser tuermte. Rafting gleich mit dazu, klasse! Wir ankerten an ein paar Kiesbaenken und Flussinseln und warfen unsere Koeder in viele schoene Stellen die nur so nach Forellen schrien. Ich hatte auch heimlich gehofft dass auch die eine oder andere Bachforelle oder Regenbognerin mal das Eiimitat schnappen wuerde, wie es vor einem Jahr im oberen Flussabschnitt der Fall gewesen war. Aber Nelson meinte, dass die Regenbogner voll im Laichgeschaeft im oberen Fluss waeren und die Bachforellen erst so Ende Maerz richtig aktiv werden wuerden. Hier und heute waere es eine reine Steelheadshow.

    Wir mussten weiter, hatten wir doch noch etliche Kilometer vor uns und es war schon nach Mittag. Jetzt angelten wir meistens vom treibenden Boot aus. Wir kamen auf einen wilden Katarakt zu aber kurz vorher meinte Nelson noch mal hinter einen im Fluss liegenden Felsbrocken einzuwerfen. Ich hatte nun meine Spinnrute im Gebrauch und konnte damit punktgenau anwerfen. Mein kleiner Spin-o-Glow landete genau hinter dem Stein und die Pose taumelte in der Stroemung dahinter. Schwupp und die Pose war weg; ich schnell den Buegel zu und angeruckt. Oje, schwerer Widerstand! Fish On! Der Fisch sausste wie wild hinter dem Felsen herum und wir trieben schnell weiter! Die Schnur sausste nur so von meiner Rolle. Ich schaute mich um und sah getuermte Wellen nur noch 20 m stromab. Nelson meinte wir koennen hier nicht mehr ankern – wir muessten nun dort durch! “Waaaassss? Mit meinem schoenen Fisch am Band dort durch dieses tosende Wasser durch?” Nelson zuckte nur grinsend die Schultern: “Du wirst das schon schaffen!”. Moritz schaute gespannt zu und hielt sich gut am Sitz fest. Ich musste den Fisch in die Hauptstroemung kriegen um ihn mit stromab mitzunehmen. Ich drehte die Bremse zu und machte Druck. Der Fisch kam hoch und waelzte sich und schlug wild um sich. Ich muss dazusagen, alle Flussangelei muss mit Schonhaken verfahren. Was war schon die Chance dass ich den Fisch an einem 2 cm Schonhaken durch 70 m Stromschnellen durchkriegen konnte? “Ihr wollt es mir aber nicht einfach machen, was?” Die beiden lachten und Nelsen legte sich in die Steuerriemen. Ich brachte den Fisch tatsaechlich in die Hauptstroemung und dann musst ich mich hinsetzen und selber festhalten. Ich versuchte so gut wie es ging die Schnur straff zu halten.

    Halb durch das Weisswasser durch, ueberholte uns der Fisch und sausste voran. An ueberspuelten Felsbrocken vorbei, obendrueber, Wellen brachen ueber den Bug des Bootes…. Der Fisch war noch dran! Endlich wurde das Wasser ruhiger und ich konnte zum Drillen wieder aufstehen. Nelson steuerte eine Kiesbank an – dort konnte man den Fisch gut landen wenn er denn halten wuerde. Der Fisch war immer noch nicht muede und zog immer wieder Schnur von der Rolle und warf sich mit Wucht gegen den Zug. Der war mein groesster bisher heute, keine Frage. Er war auch gefaerbter als alle zuvor. Unfassbar, aber der kleine Schonhaken hielt das alles gut aus und Nelson konnte endlich meinen Gegner im flachen Wasser vor der Kiesbank keschern. Wir stiegen aus und bewunderten den herrlichen Fisch im Kescher. Sicher 10 Pfund, gut im Futter und einen herrlichen roten Streifen an seinen Seiten entlang. Ein Maennchen voll im Laichkleid. Immer schoen das Maul und Kiemen im Wasser haltend, schauten wir uns den Fisch ausgiebig an, schossen einige Fotos und entliessen ihn dann wieder in die Freiheit. Einfach nur toll! Und war fuer ein Drill!

    Die Tour ging weiter und wir versuchten es noch an etlichen Stellen. Ich wuenschte Moritz noch einen richtigen Brummer aber es sollte nicht mehr sein. Gegen 15:00 kamen wir an der Endstelle an wo unser zweites Fahrzeug stand. Das andere Driftboot, das wir schon vorher beobachtet hatten, holte gerade heraus. Die hatten auch 3 Steelies erwischt, eine wohl noch groesser als unsere. Wir waren sehr zufrieden mit unserem Fang auch wenn ich Moritz noch eine oder zwei mehr gewuenscht haette, so war er doch nicht leer ausgegangen und konnte seine erste Steelhead verbuchen. 3-4 Steelheads pro Tag mit einem erfahrenen Guide sind immer noch guter Durchschnitt im Cowichan River. Die Zeiten von 10-20 am Tag sind lange vorbei, wenn es auch mal Ausnahmetage mit zweistelligem Resultat noch geben kann, sicher nur noch sehr selten.

    Ein faszinierender Fisch, geheimnisvoll in seiner Lebensart, spannend und anspruchsvoll zu befischen und ein toller Kaempfer am Haken. Leider sieht die Zukunft dieses Fisches nicht sehr rosig aus. Wenn Ihr einmal eine Chance darauf habt, zoegert nicht! Aber die Hoffnung stirbt zuletzt….

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  10. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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  11. Ytre Sula

    Ytre Sula Wer Hakuma sucht, meldet sich bitte bei mir!

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    Um es mit deinen Worten zu sagen:
    " mein ultimativer Traum"

    Dankeschön, coole Sache!!!
     
  12. Maisel

    Maisel Stammnaffe

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    Danke für deinen ausführlichen Bericht, große Klasse so ne Angeltour in der Natur, da hat das Fische fangen noch einen ganz besonderen Reiz, mal ohne Flußbegradigung und Uferpromenaden !
     
  13. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

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    Schaut mal her was bei mir unter dem Weihnachtsbaum war!?
    Ok, ich musste mir das schon selber abholen, man kann nun wirklich nicht dem Weihnachtsmann zumuten, ein 14 Fuss Driftboot durch den Kaminschlot zu zerren! Nachdem meine Jungs und ich die letzten zwei Jahre so viel Spass auf dem Cowichan River hatten aber dafuer immer auf Guides mit Driftbooten angewiesen waren, dachte ich warum nicht selbst? Kurz vor Weihnachten fand ich online ein fantastisches, leicht gebrauchtes, geschweisstes Aluboot kurz ueber der suedlichen Grenze zum Verkauf eingestellt. Ein wirklich toller Deal dem ich nicht widerstehen konnte. Die Jungs sind ausser sich und traeumen schon von Roadtrips zu Montana's Fabelfluessen!

    Besonders gut finde ich die vielfaeltigen Sitzvariationen: hinten der Sitz kann einfach herausgenommen werden wenn nicht gebraucht. Vorne entweder Eine Sitzbank fuer 2 oder ein Einzelsitz. Total robuste Bauart die wohl einige Anfaengerfehler einfach verdauen kann. Mit Ankersystem, 2 Rudern und einem guten Anhaenger. Haben es schon mal auf einem Stadtsee ausprobiert, sehr niedriger Tiefgang - es gleitet wie Oel ueber das Wasser und ist durch die Bananenform aeussert wendig. Fuer 3 Leute bequehm zum Angeln, fuer 4 machbar. Ein paar Modifikationen habe ich auch schon im Kopf - wer mich kennt, weiss das muss sein! Und dann muessen nur noch die Pegelstaende der Fluesse herunterkommen, dann mache ich mit einem Guide erstmal eine Lehrstunde und Flussprobefahrt. Das Boot wird uns eine ganz neue Welt eroeffnen. Man kann eben nie genug Boote haben!

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  14. Roy Spim

    Roy Spim Mr. CH, Systemanalytiker und Aphorist

    Registriert seit:
    30. Juli 2013
    Beiträge:
    1.140
    Ort:
    zu Hause
    Sehr edel!
    Wie ist denn bei der Bananenform die Windanfälligkeit?
     
  15. cohosalmon

    cohosalmon Stammnaffe

    Registriert seit:
    7. Mai 2012
    Beiträge:
    640
    Ort:
    Victoria, BC
    Roy, bei kraeftigem Wind auf einem See duerfte es schon schwierig oder zumindest anstrengend sein einen stabilen Kurs zu rudern. Besonders weil die Bordwand auch recht hoch ist. Aber ich habe auch nicht vor das Driftboot uebermaessig auf den Seen zu verwenden. Dafuer habe ich das Froschboot, oder das Kanu, oder Bellyboote. Auf dem Fluss spielt der Wind kaum eine Rolle.
     
    Roy Spim gefällt das.
  16. hecht1807

    hecht1807 hecht1807

    Registriert seit:
    9. März 2011
    Beiträge:
    292
    Ort:
    Simmerath
    :flaggen14:Danke für die tollen Berichte von Dir und wünsche Euch viel Spaß mit dem neueneuen Boot. :flaggen14:
     
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