Odin
Stammnaffe
- Registriert
- 10 März 2006
- Beiträge
- 24
Manch einer wird über die Maße der Fische in meinem Bericht nur müde lächeln. Aber für unser Team waren da schon einige Rekordfische bei. Aber eigentlich veranlassen mich die kuriosen Ereignisse bei der Tour zu meinem Bericht.
Zwischen den dunklen Wolken zeigt sich ab und zu die Sonne. Ich grübel über die letzte Wettermeldung von der Insel Hitra nach. Ca. 8°C, leicht steigend, schwacher Wind und etwas Regen sind für's bevorstehende Wochenende angesagt. Hmm, naja es liegen ja auch noch 1500km zwischen hier und Hitra.
Es ist der 19.05.2006, 15,00Uhr. Vor mir stehen die Kisten mit unseren Vorräten. An den 72 Dosen Bier bleibt mein Blick hängen. Schnell rechne ich nach, wieviel Dosen es zu viel sind. Es wird unmöglich sein, dem norwegischen Zoll eine sinnvolle Erklärung für 60 Dosen "Übergewicht" zu geben. Aber egal, das Zeug muß mit!
Nun treffen auch Jörg und Roger ein. Das Auto und der Dachkoffer werden vollgestopft. Jörg bastelt noch schnell an unsere nagelneuen Bootsrutenhaltern eine Verbesserung an. In wirklich aufopferungsvoller Arbeit hat er diese sinnlosen Dinger gebaut, aber dazu später mehr.
Mit aufgeregten Gesichtern klettern wir um 18,27 Uhr ins Auto und starten in Richtung Norwegen. Dauerregen setzt ein, der uns mit kleineren Pausen, fast bis ans Ziel verfolgt. Wenn unser Plan aufgeht, wollen wir am nächsten Tag um diese Zeit bei unserem Vermieter Arthur an die Tür klopfen.
Fast pünktlich legt die Fähre in Sassnitz/Mukran ab, und pünktlich laufen wir in Trelleborg ein. Die ersten 5 Dosen Bier können von der "Zollerklärung" gestrichen werden, als wir auf die E-6 biegen und weiter in Richtung Norden fahren.
Ich lege mich auf die Rücksitze um etwas Schlaf nachzuholen. Jörg füttert inzwischen den CD-Wechsler mit Heavy-Metal-CD's, die Roger für die nächsten Stunden tapfer ertragen muß.
Ohropax sei dank, schlafe ich selig, während Jörg, beeindruckt von den schwedischen Großstädten, eine ungeplante und ungewollte Stadtrundfahrt durch Göteborg veranstaltet.
20. Mai, 7,35 Uhr, wir überqueren die Grenze zu Norwegen. Weit und breit ist kein Zoll zu sehen. Da wird dem "Zoll-Gott" doch gleich 'ne Dose Bier geopfert.
Aber die ersten Straßengebühren werden fällig. Lange rätseln wir darüber, warum wir nur 17 Kronen bezahlen, obwohl auf einem riesigen Schild 20 Kronen verlangt werden. Erst später wird klar, schwedische Kronen wurden verlangt, wir hatten aber norwegische in der Tasche.
Auch in Oslo verpassen wir wieder den richtigen Weg. Ungeachtet aller Sperrlinien und norwegischen Verkehrsregeln, kämpfen wir uns zur E-6 zurück.
Um 12,00 Uhr sind wir in Lillehammer. Fast ununterbrochen laufen die Scheibenwischer. Die seltenen Regenpausen nutzen auch wir für unsere Pausen. Unsere Stimmung ist trotzdem optimistisch. Ich behaupte einfach: "...auf Hitra ist gutes Wetter, Inseln haben immer ihr eigenes Wetter". Ich sollte Recht behalten. Schon vor dem Hitra-Tunnel sehen wir blauen Himmel über der ganzen Insel. Unglaublich!!! Eine Dose Bier für den "Hitra-Wettergott".
Um 18,50 Uhr stehen wir vor unserer Unterkunft. Schnell wird das Auto entladen und unser Quartier bezogen. Und noch schneller stecken wir alle in unseren Angel-Anzügen. Die 24-stündige Anreise ist vergessen. "Jetzt geht's zum Fisch...", denken wir.
Die erste Entäuschung liegt in der Luft. Unsere mühevoll gebauten Bootsrutenhalter passten nicht ans Boot. Wegen der schrägen Bordwand können wir sie nicht befestigen. Eine halbe Stunde wird noch gefachsimpelt, wie man die Teile doch noch nutzen könnte, aber schließlich landen sie für den Rest der Woche unbeachtet in irgend eine Ecke. Diese Ecke sollte aber noch eine wichtige Rolle spielen.
Auch das Fangergebnis der ersten Ausfahrt ist nicht berauschend. Nur Roger kann 2 mittlere Dorsche landen. Warum Neptun ausgerechnet ihm die beiden Dorsche an den Haken gehängt hat, sollten wir erst 2 Tage später erfahren.
Am nächsten Tag ist unser Mut aber ungebrochen. Trotz trüben Wetters und wenig Wind stehen große Ziele auf dem Plan. Dann die Ernüchterung: Roger und Jörg fangen 5 Dorsche und einen Köhler. Außer einer schlecht funktionierenden Angelrolle habe ich nichts. Zwei Tage lang habe ich nun vergeblich versucht, mit meinen mitgebrachten Ostsee-Heringen einen Fisch zu erbeuten. Auch die Heringe landen bei den Rutenhaltern in der Ecke. Für den nächsten Tag sollen die "Schätze" aus meiner Pilker-Kiste den Erfolg bringen. Am Abend wird das Angelgeschirr penibel vorbereitet. Beim Grillen sorgt unser "zollfreies" Bier und 'ne Buddl Rum für gute Stimmung.
Als wir am Morgen aus den Kojen klettern, stahlt die Sonne und ein kräftiger Wind pustet genau in "unseren" Fjord. Noch wissen wir nicht, daß es ideale Fangbedingungen sind, also wird erst mal gemütlich gefrühstückt. Dann geht es los. Wir fahren ein Stück auf den Fjord hinaus, und überlegen, wo wir heute unser Glück versuchen sollen. Aus welcher sinnvollen Eingebung heraus auch immer wir uns entschieden haben, als wir an unseren gewählten Angelplatz ankommen, steht schon ein Boot dort und gerade zieht man eine Doublette Pollacks an Bord. Unsere Pilker gehen auf Tiefe und keine 10 Minuten später zerrt ein 85cm-Pollack an meiner Angel. Der Bann ist gebrochen.
Als nächstes schnappen gleich zwei Pollacks nach meinem Gerät und landen in der Fischkiste. Auch Jörg und Roger ziehen Pollacks ins Boot. Plötzlich krümmt sich bei Jörg die Rute und ein 90cm-Dorsch mit 7,0kg kommt an Bord. Dann ein kräftiger Ruck in meiner Rute. Einige Meter Schnur zieht der Fisch bei seiner stürmischen Flucht von meiner Rolle. Nachdem ich etwas Schnur zurückgewonnen habe, zieht der Fisch wieder davon. Das ist ein Großer! Nach einigen Minuten erscheint ein herrlicher Köhler an der Oberfläche. 96 cm und 9,5 kg schwer. Einige gute Pollacks können wir noch erbeuten. Dann sitzt Roger plötzlich mit durchgebogener Rute neben mir. Grade noch rechtzeitig kann er die Bremse etwas lösen. Dann beginnt der Kampf. In kurzen aber kräftigen Fluchten zerrt der Fisch immer wieder Schnur von der Rolle. Dann aber wird es leichter und Roger zeigt grinsend auf Wasser hinaus. 10 Meter vom Boot entfernt erscheint ein dicker weißer Bauch. Als der 105 cm lange und 9,5kg schwere Dorsch im Boot liegt, spuckt er uns einen handlangen Köhler vor die Füße. Rogers nächster Dorsch ist mit 97 cm zwar etwas kürzer aber er wiegt 9,8 kg.
Rekord!!! Nun sind unsere Fischkisten voll, und die Großen liegen schon so im Boot. Also müssen wir zurück um zu entladen. Die Idee, die Fische sicher und kühl zu verstauen und gleich wieder rauszufahren, wird verworfen. Das sollten wir später bereuen. Jörg ahnt schon, daß so ein Tag nicht noch einmal kommt.
Egal, dieser Tag ist super gelaufen. Die Fotoapparate klicken, Bandmaß und Fischwage werden rumgereicht, und ich notiere die Ergebnisse ins "Logbuch". Dann wird der Fang begossen. Durch unsere ausgelassene Stimmung wird ein kleines pelziges Tierchen angelockt, daß unser Vermieter "Mink" nennt. Frech huscht der schwarze Kerl zwischen unseren Fischen umher, sucht sich einen strammen Pollack aus, und versucht diesen wegzuzerren. Nun wird es Zeit, den Mink zu verscheuchen und wir beginnen den Fisch zu verarbeiten. Nach einiger Zeit fällt mir auf, daß Roger's Fische achtlos in der Sonne liegen und gierig von Möven begutachtet werden. Was ist los?
Roger liegt im Schlafsack und klagt über Magenschmerzen. Jörg und ich übernehmen das verarbeiten seines Fanges, und witzeln noch über Roger's glorreichen Trick, sein Filetiermesser zu schonen. Doch es stellt sich heraus, daß die Angeltour für Roger vorbei ist. Nur mit Medizin, regelmäßiger Diät und viel Schlaf hält er den Rest der Woche durch, um Jörg und mir nicht die Tour zu verderben. Er übernimmt sogar den kompletten Küchendienst. Dafür gebührt ihm unser größter Dank und Respekt.
Auf 2 Mann reduziert geht es den nächsten Tag bei ruhiger See und Dauernieselregen wieder hinaus. Außer ein paar Babyfischen fangen wir nichts. Zu allem Überfluß ist auch Krabbenfangzeit und die guten Angelplätze sind mit Krabbenkörben gespickt. So verlieren wir einige gute Montagen.
Am Abend macht sich Müdigkeit gepaart mit Depressionen breit. Ich fahre allein zum Angeln raus, um nicht ganz den Mut zu verlieren. Ergebnis, =0. Der nächste Tag wird nicht besser. Ein halbstarker Dorsch landet in meiner Fischkiste. Bei Jörg fällt die Stimmung im Sturzflug. Als selbsternannter "Expeditionsleiter" mache ich mir meine Gedanken. Was tun? Letzte Hoffnung, Schleppangeln. Jörg stimmt skeptisch zu. Ich setze mich ans Steuer und tucker an den Felsen entlang. Jörg kann einen kleinen Dorsch und einen guten Pollack fangen. Dann bringt auch das Schleppangeln nichts mehr. Jörg behauptet, der Pollack sei schwul, sonst wäre er uns nicht nachgeschwommen. Zu allem Überfluß versagt meine gute treue Penn den Dienst. Alle Reparaturversuche vor Ort, vergrößern den Schaden nur noch. Also kommt meine Ersatzrolle zum Einsatz, eine große kräftige Stationärrolle von Tica.
Wir trauern dem guten Fangtag hinterher und bereuen, daß wir nicht länger draußen geblieben sind. "....aber wer weiß, ob wir dann noch etwas gefangen hätten", beruhigen wir uns dann wieder selbst.
Nachmittags fahren wir zum HitraTourist-Büro, um ein paar Infos über Kutterausfahrten einzuholen. Die Preise erschrecken uns ein wenig. Aber zwei gute Pilker für ca 25,- Euro kaufe ich mir. Beide liegen schon am nächsten Tag auf dem Meeresgrund, ohne jemals einen Fisch gesehen zu haben.
Am Abend läßt der Wind ganz nach, aber auch der Regen. Also wieder hinaus. Diesmal eine andere Richtung. Plötzlich entdecken wir in einer kleinen Bucht, unzählige springender Fische.
Nichts wie hin. Das Echolot meldet fast im Dauerton Fisch. Unglaulich, wir stehen mitten im brodelndem Wasser. Wir werfen unsere Angeln aus. Beim ersten Einholen zappeln große Heringe an unseren Beifängern. Schnell baue ich eine Heringsangel zusammen. Nach einigen guten Heringen zappeln aber nur noch Babyköhler an unseren Haken. Wo sind die Großen? Das Echolot zeigt nur noch riesige Wolken an. Also tiefer angeln, der Dorsch muß da unter stehen. Es gelingt uns 3 Dorsche auf die Schuppen zu legen. Ich stelle fest, daß meine Ersatzrolle auch nicht richtig arbeitet. Die Rücklaufsperre hakt laufend aus, was das Angeln zur Nervenprobe werden läßt. Wir kurven weiter im Schwarm hin und her. Plötzlich reißt es Jörg faßt die Rute aus der Hand. Bis zum Griff verschwindet sie im Wasser, bevor Jörg, die vom Salzwasser schon etwas hakelig gewordene Bremse, lösen kann. Dann nimmt der Fisch minutenlang Schnur von der Rolle. Ein beeindruckender Drill beginnt. Aber auch die Sorge, den Fisch zu verlieren, steht Jörg ins Gesicht geschrieben. Nach hartem Kampf taucht ein prächtiger Köhler an der Wasseroberfläche auf. 1,12 Meter Köhler mit guten 10 kg Kampfgewicht hängen am Gaff und landen sicher im Boot. Der Jubel ist groß. "Ein herrlicher Fisch, ein herrlicher Drill." Zurück im Quartier, werden Fotos geschossen und der neue Rekord-Fisch gefeiert.
Der letzte Angeltag bricht an. Roger hat mir seine Angel überlassen. Beschämt muß ich feststellen, daß seine, von mir verspottete Rolle aus Polen, perfekt ihren Dienst tut. Wogegen mein sauteuer bezahlter Ammi-Schrott den letzten Angeltag mit Bootsrutenhalter und Ostsee-Hering in der Ecke verbringt. Wieder zieht es uns in die Bucht vom Vorabend. Einige Schwärme Heringe und Baby-Köhler sind noch da. Drei Dorsche und ein Pollack fangen wir noch. Auch unzählige kleine Köhler gehen an den Haken, die alle samt mit einem Gruß an ihre Ur-Ur-Großeltern zurückgesetzt werden.
Leider müssen wir mittags das Angel abbrechen, da wir sonst unseren Fang nicht mehr eingefroren kriegen.
Abends veranstalten wir dann unsere Abschieds-Party. Roger verträgt sogar schon wieder Grillfleisch, nur seine Bierration bekommt unser Vermieter zum Tausch gegen den verbrauchten Bootstreibstoff. Wir ziehen Bilanz, und sind uns einig, daß es im Großen und Ganzen doch noch ganz toll war.
Am nächsten Tag treten wir die Heimreise an, die ohne Zwischenfälle verläuft. Bleibt nur noch zu vermerken, daß meine gute Edelstahl-Thermosflasche, gefüllt mit starken heißen Kaffee, immer noch auf Hitra verweilt. Schade drum. Aber vielleicht sind wir nächstes Jahr wieder da. Dann wird der Kaffee vielleicht schon kalt sein, aber die Fische .....?
Bis dann und Petri Heil,
Odin
Bilder zum Bericht auf:
http://www.swschwedt.de/kunden/odin/24a6bc965a137f41b/24a6bc97e00ff8407/index.html
Zwischen den dunklen Wolken zeigt sich ab und zu die Sonne. Ich grübel über die letzte Wettermeldung von der Insel Hitra nach. Ca. 8°C, leicht steigend, schwacher Wind und etwas Regen sind für's bevorstehende Wochenende angesagt. Hmm, naja es liegen ja auch noch 1500km zwischen hier und Hitra.
Es ist der 19.05.2006, 15,00Uhr. Vor mir stehen die Kisten mit unseren Vorräten. An den 72 Dosen Bier bleibt mein Blick hängen. Schnell rechne ich nach, wieviel Dosen es zu viel sind. Es wird unmöglich sein, dem norwegischen Zoll eine sinnvolle Erklärung für 60 Dosen "Übergewicht" zu geben. Aber egal, das Zeug muß mit!
Nun treffen auch Jörg und Roger ein. Das Auto und der Dachkoffer werden vollgestopft. Jörg bastelt noch schnell an unsere nagelneuen Bootsrutenhaltern eine Verbesserung an. In wirklich aufopferungsvoller Arbeit hat er diese sinnlosen Dinger gebaut, aber dazu später mehr.
Mit aufgeregten Gesichtern klettern wir um 18,27 Uhr ins Auto und starten in Richtung Norwegen. Dauerregen setzt ein, der uns mit kleineren Pausen, fast bis ans Ziel verfolgt. Wenn unser Plan aufgeht, wollen wir am nächsten Tag um diese Zeit bei unserem Vermieter Arthur an die Tür klopfen.
Fast pünktlich legt die Fähre in Sassnitz/Mukran ab, und pünktlich laufen wir in Trelleborg ein. Die ersten 5 Dosen Bier können von der "Zollerklärung" gestrichen werden, als wir auf die E-6 biegen und weiter in Richtung Norden fahren.
Ich lege mich auf die Rücksitze um etwas Schlaf nachzuholen. Jörg füttert inzwischen den CD-Wechsler mit Heavy-Metal-CD's, die Roger für die nächsten Stunden tapfer ertragen muß.
Ohropax sei dank, schlafe ich selig, während Jörg, beeindruckt von den schwedischen Großstädten, eine ungeplante und ungewollte Stadtrundfahrt durch Göteborg veranstaltet.
20. Mai, 7,35 Uhr, wir überqueren die Grenze zu Norwegen. Weit und breit ist kein Zoll zu sehen. Da wird dem "Zoll-Gott" doch gleich 'ne Dose Bier geopfert.
Aber die ersten Straßengebühren werden fällig. Lange rätseln wir darüber, warum wir nur 17 Kronen bezahlen, obwohl auf einem riesigen Schild 20 Kronen verlangt werden. Erst später wird klar, schwedische Kronen wurden verlangt, wir hatten aber norwegische in der Tasche.
Auch in Oslo verpassen wir wieder den richtigen Weg. Ungeachtet aller Sperrlinien und norwegischen Verkehrsregeln, kämpfen wir uns zur E-6 zurück.
Um 12,00 Uhr sind wir in Lillehammer. Fast ununterbrochen laufen die Scheibenwischer. Die seltenen Regenpausen nutzen auch wir für unsere Pausen. Unsere Stimmung ist trotzdem optimistisch. Ich behaupte einfach: "...auf Hitra ist gutes Wetter, Inseln haben immer ihr eigenes Wetter". Ich sollte Recht behalten. Schon vor dem Hitra-Tunnel sehen wir blauen Himmel über der ganzen Insel. Unglaublich!!! Eine Dose Bier für den "Hitra-Wettergott".
Um 18,50 Uhr stehen wir vor unserer Unterkunft. Schnell wird das Auto entladen und unser Quartier bezogen. Und noch schneller stecken wir alle in unseren Angel-Anzügen. Die 24-stündige Anreise ist vergessen. "Jetzt geht's zum Fisch...", denken wir.
Die erste Entäuschung liegt in der Luft. Unsere mühevoll gebauten Bootsrutenhalter passten nicht ans Boot. Wegen der schrägen Bordwand können wir sie nicht befestigen. Eine halbe Stunde wird noch gefachsimpelt, wie man die Teile doch noch nutzen könnte, aber schließlich landen sie für den Rest der Woche unbeachtet in irgend eine Ecke. Diese Ecke sollte aber noch eine wichtige Rolle spielen.
Auch das Fangergebnis der ersten Ausfahrt ist nicht berauschend. Nur Roger kann 2 mittlere Dorsche landen. Warum Neptun ausgerechnet ihm die beiden Dorsche an den Haken gehängt hat, sollten wir erst 2 Tage später erfahren.
Am nächsten Tag ist unser Mut aber ungebrochen. Trotz trüben Wetters und wenig Wind stehen große Ziele auf dem Plan. Dann die Ernüchterung: Roger und Jörg fangen 5 Dorsche und einen Köhler. Außer einer schlecht funktionierenden Angelrolle habe ich nichts. Zwei Tage lang habe ich nun vergeblich versucht, mit meinen mitgebrachten Ostsee-Heringen einen Fisch zu erbeuten. Auch die Heringe landen bei den Rutenhaltern in der Ecke. Für den nächsten Tag sollen die "Schätze" aus meiner Pilker-Kiste den Erfolg bringen. Am Abend wird das Angelgeschirr penibel vorbereitet. Beim Grillen sorgt unser "zollfreies" Bier und 'ne Buddl Rum für gute Stimmung.
Als wir am Morgen aus den Kojen klettern, stahlt die Sonne und ein kräftiger Wind pustet genau in "unseren" Fjord. Noch wissen wir nicht, daß es ideale Fangbedingungen sind, also wird erst mal gemütlich gefrühstückt. Dann geht es los. Wir fahren ein Stück auf den Fjord hinaus, und überlegen, wo wir heute unser Glück versuchen sollen. Aus welcher sinnvollen Eingebung heraus auch immer wir uns entschieden haben, als wir an unseren gewählten Angelplatz ankommen, steht schon ein Boot dort und gerade zieht man eine Doublette Pollacks an Bord. Unsere Pilker gehen auf Tiefe und keine 10 Minuten später zerrt ein 85cm-Pollack an meiner Angel. Der Bann ist gebrochen.
Als nächstes schnappen gleich zwei Pollacks nach meinem Gerät und landen in der Fischkiste. Auch Jörg und Roger ziehen Pollacks ins Boot. Plötzlich krümmt sich bei Jörg die Rute und ein 90cm-Dorsch mit 7,0kg kommt an Bord. Dann ein kräftiger Ruck in meiner Rute. Einige Meter Schnur zieht der Fisch bei seiner stürmischen Flucht von meiner Rolle. Nachdem ich etwas Schnur zurückgewonnen habe, zieht der Fisch wieder davon. Das ist ein Großer! Nach einigen Minuten erscheint ein herrlicher Köhler an der Oberfläche. 96 cm und 9,5 kg schwer. Einige gute Pollacks können wir noch erbeuten. Dann sitzt Roger plötzlich mit durchgebogener Rute neben mir. Grade noch rechtzeitig kann er die Bremse etwas lösen. Dann beginnt der Kampf. In kurzen aber kräftigen Fluchten zerrt der Fisch immer wieder Schnur von der Rolle. Dann aber wird es leichter und Roger zeigt grinsend auf Wasser hinaus. 10 Meter vom Boot entfernt erscheint ein dicker weißer Bauch. Als der 105 cm lange und 9,5kg schwere Dorsch im Boot liegt, spuckt er uns einen handlangen Köhler vor die Füße. Rogers nächster Dorsch ist mit 97 cm zwar etwas kürzer aber er wiegt 9,8 kg.
Rekord!!! Nun sind unsere Fischkisten voll, und die Großen liegen schon so im Boot. Also müssen wir zurück um zu entladen. Die Idee, die Fische sicher und kühl zu verstauen und gleich wieder rauszufahren, wird verworfen. Das sollten wir später bereuen. Jörg ahnt schon, daß so ein Tag nicht noch einmal kommt.
Egal, dieser Tag ist super gelaufen. Die Fotoapparate klicken, Bandmaß und Fischwage werden rumgereicht, und ich notiere die Ergebnisse ins "Logbuch". Dann wird der Fang begossen. Durch unsere ausgelassene Stimmung wird ein kleines pelziges Tierchen angelockt, daß unser Vermieter "Mink" nennt. Frech huscht der schwarze Kerl zwischen unseren Fischen umher, sucht sich einen strammen Pollack aus, und versucht diesen wegzuzerren. Nun wird es Zeit, den Mink zu verscheuchen und wir beginnen den Fisch zu verarbeiten. Nach einiger Zeit fällt mir auf, daß Roger's Fische achtlos in der Sonne liegen und gierig von Möven begutachtet werden. Was ist los?
Roger liegt im Schlafsack und klagt über Magenschmerzen. Jörg und ich übernehmen das verarbeiten seines Fanges, und witzeln noch über Roger's glorreichen Trick, sein Filetiermesser zu schonen. Doch es stellt sich heraus, daß die Angeltour für Roger vorbei ist. Nur mit Medizin, regelmäßiger Diät und viel Schlaf hält er den Rest der Woche durch, um Jörg und mir nicht die Tour zu verderben. Er übernimmt sogar den kompletten Küchendienst. Dafür gebührt ihm unser größter Dank und Respekt.
Auf 2 Mann reduziert geht es den nächsten Tag bei ruhiger See und Dauernieselregen wieder hinaus. Außer ein paar Babyfischen fangen wir nichts. Zu allem Überfluß ist auch Krabbenfangzeit und die guten Angelplätze sind mit Krabbenkörben gespickt. So verlieren wir einige gute Montagen.
Am Abend macht sich Müdigkeit gepaart mit Depressionen breit. Ich fahre allein zum Angeln raus, um nicht ganz den Mut zu verlieren. Ergebnis, =0. Der nächste Tag wird nicht besser. Ein halbstarker Dorsch landet in meiner Fischkiste. Bei Jörg fällt die Stimmung im Sturzflug. Als selbsternannter "Expeditionsleiter" mache ich mir meine Gedanken. Was tun? Letzte Hoffnung, Schleppangeln. Jörg stimmt skeptisch zu. Ich setze mich ans Steuer und tucker an den Felsen entlang. Jörg kann einen kleinen Dorsch und einen guten Pollack fangen. Dann bringt auch das Schleppangeln nichts mehr. Jörg behauptet, der Pollack sei schwul, sonst wäre er uns nicht nachgeschwommen. Zu allem Überfluß versagt meine gute treue Penn den Dienst. Alle Reparaturversuche vor Ort, vergrößern den Schaden nur noch. Also kommt meine Ersatzrolle zum Einsatz, eine große kräftige Stationärrolle von Tica.
Wir trauern dem guten Fangtag hinterher und bereuen, daß wir nicht länger draußen geblieben sind. "....aber wer weiß, ob wir dann noch etwas gefangen hätten", beruhigen wir uns dann wieder selbst.
Nachmittags fahren wir zum HitraTourist-Büro, um ein paar Infos über Kutterausfahrten einzuholen. Die Preise erschrecken uns ein wenig. Aber zwei gute Pilker für ca 25,- Euro kaufe ich mir. Beide liegen schon am nächsten Tag auf dem Meeresgrund, ohne jemals einen Fisch gesehen zu haben.
Am Abend läßt der Wind ganz nach, aber auch der Regen. Also wieder hinaus. Diesmal eine andere Richtung. Plötzlich entdecken wir in einer kleinen Bucht, unzählige springender Fische.
Nichts wie hin. Das Echolot meldet fast im Dauerton Fisch. Unglaulich, wir stehen mitten im brodelndem Wasser. Wir werfen unsere Angeln aus. Beim ersten Einholen zappeln große Heringe an unseren Beifängern. Schnell baue ich eine Heringsangel zusammen. Nach einigen guten Heringen zappeln aber nur noch Babyköhler an unseren Haken. Wo sind die Großen? Das Echolot zeigt nur noch riesige Wolken an. Also tiefer angeln, der Dorsch muß da unter stehen. Es gelingt uns 3 Dorsche auf die Schuppen zu legen. Ich stelle fest, daß meine Ersatzrolle auch nicht richtig arbeitet. Die Rücklaufsperre hakt laufend aus, was das Angeln zur Nervenprobe werden läßt. Wir kurven weiter im Schwarm hin und her. Plötzlich reißt es Jörg faßt die Rute aus der Hand. Bis zum Griff verschwindet sie im Wasser, bevor Jörg, die vom Salzwasser schon etwas hakelig gewordene Bremse, lösen kann. Dann nimmt der Fisch minutenlang Schnur von der Rolle. Ein beeindruckender Drill beginnt. Aber auch die Sorge, den Fisch zu verlieren, steht Jörg ins Gesicht geschrieben. Nach hartem Kampf taucht ein prächtiger Köhler an der Wasseroberfläche auf. 1,12 Meter Köhler mit guten 10 kg Kampfgewicht hängen am Gaff und landen sicher im Boot. Der Jubel ist groß. "Ein herrlicher Fisch, ein herrlicher Drill." Zurück im Quartier, werden Fotos geschossen und der neue Rekord-Fisch gefeiert.
Der letzte Angeltag bricht an. Roger hat mir seine Angel überlassen. Beschämt muß ich feststellen, daß seine, von mir verspottete Rolle aus Polen, perfekt ihren Dienst tut. Wogegen mein sauteuer bezahlter Ammi-Schrott den letzten Angeltag mit Bootsrutenhalter und Ostsee-Hering in der Ecke verbringt. Wieder zieht es uns in die Bucht vom Vorabend. Einige Schwärme Heringe und Baby-Köhler sind noch da. Drei Dorsche und ein Pollack fangen wir noch. Auch unzählige kleine Köhler gehen an den Haken, die alle samt mit einem Gruß an ihre Ur-Ur-Großeltern zurückgesetzt werden.
Leider müssen wir mittags das Angel abbrechen, da wir sonst unseren Fang nicht mehr eingefroren kriegen.
Abends veranstalten wir dann unsere Abschieds-Party. Roger verträgt sogar schon wieder Grillfleisch, nur seine Bierration bekommt unser Vermieter zum Tausch gegen den verbrauchten Bootstreibstoff. Wir ziehen Bilanz, und sind uns einig, daß es im Großen und Ganzen doch noch ganz toll war.
Am nächsten Tag treten wir die Heimreise an, die ohne Zwischenfälle verläuft. Bleibt nur noch zu vermerken, daß meine gute Edelstahl-Thermosflasche, gefüllt mit starken heißen Kaffee, immer noch auf Hitra verweilt. Schade drum. Aber vielleicht sind wir nächstes Jahr wieder da. Dann wird der Kaffee vielleicht schon kalt sein, aber die Fische .....?
Bis dann und Petri Heil,
Odin
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