Angeln – Wie alles begonnen hat

Jasom

morbus Norwegen
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Hamburg
Angeln – Wie alles begonnen hat und hoffentlich nie enden wird





Wer mich auf die Idee „Angeln“ gebracht hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Jedenfalls habe ich die ersten Angeljahre als Teenager an der Alten Süderelbe und der Elbe in Hamburg – Finkenwerder verbracht. Auch einige Bewässerungsgräben waren vor mir nicht sicher. Ausgestattet war ich mit einer 3m DAM-Teleskoprute (natürlich aus Glasfiber) und einer dementsprechenden Rolle (DAM Quick). Dinge wie Rod Pods, elektronische Bissanzeiger, Karpfenliegen, usw. waren damals, jedenfalls mir, noch unbekannt. Es war ja auch zu jener Zeit, als man sich noch Schallplatten kaufte und samstags abends die NDR2 Hitparade mit Wolf-Dieter Stubel auf seinem Kassettenrekorder aufnahm.

Gefangen haben wir damals auch. Hauptsächlich Weißfische, Barsche, Zander und Aale. Die Regenwürmer haben wir selbst ausgebuddelt.
Dass ich schon damals ein bisschen angelverrückt war, bestätigt sich darin, dass ich am Wochenende auch schon mal um 03:30 aufgestanden bin, um bei auflaufendem Wasser angeln zu können.
Ein Highlight dieser Jahre war ein Sommerurlaub in Schweden. Dort wurden dann auch ein paar ordentliche Hechte erbeutet.
Auch die Ostsee war vor mir nicht sicher. Jedoch angelten wir damals mit Pilkern jenseits der 200g Grenze. Damals ging das noch……..
Irgendwann in den Herbstferien fuhren wir für 2 Wochen nach Dänemark (Hvide Sande). Mit einem Bekannten meiner Eltern haben wir von den Kaianlagen den Plattfischen nachgestellt. Als Köder kamen Heringsfetzen zum Einsatz. Voller Tatendrang erzählte ich meiner Mutter, dass es heute Abend Fisch gibt. Die Antwort war: „Fang die erstmal“. Nach 3 Stunden kamen wir mit ca. 50!! Schollen zurück.
Vor 6 Jahren war ich erneut in Hvide Sande und habe 2 Portionen Heringe gefangen. L
Irgendwann habe ich dann mit dem Angeln aufgegeben. Wenn man als heranwachsender ein bestimmtes Alter erreicht hat, gibt es wichtigeres als Angeln (ihr versteht, was ich meine).

Vor ca. 10 Jahren kamen ein Kumpel und ich auf die Idee, mal wieder auf die Ostsee zu fahren. Von da an fuhren wir regelmäßig zum Hochseeangeln und erlebten dort die eine oder andere Sternstunde. Heimische Gewässer wurden von uns auch aufgesucht. Mittlerweile hatte ich auch meinen Fischereischein gemacht und mir eine Jahreskarte von der Neetze bei Lüneburg besorgt. Hier angele ich heute noch, ist sozusagen mein Hausgewässer.

Es begab sich im Jahre 2003 an einem nicht so aufregenden Vormittag in meiner Abteilung in der Firma.
Ein Arbeitskollege erzählte mir von seiner Angelleidenschaft als Teenager. Da erkannte ich doch einige Gemeinsamkeiten……………
Irgendwie kamen wir dann auf das Thema Norwegen zu sprechen, da wir der Meinung waren, dass die Ostsee nicht mehr das ist, was sie mal war. Was sprach eigentlich dagegen, nach Norwegen zu fahren? Nichts!!
Es fand sich dann noch ein Kollege, der mit wollte und wir fuhren dann dann 1. Mal nach Tregde (siehe Reisebericht). Hierfür benötigte ich ein paar Info´s. Also schnell mal gegoogelt. Da bin ich auf die Seite www.dorschfestival.de aufmerksam geworden und somit auch auf das NAF. Seitdem konnte ich unzählige Informationen, auch nicht nur zum Thema Angeln, aus dem NAF saugen. Dank des NAF konnte ich über 400mal meinen Senf zu einigen Themen dazugeben.
Im darauf folgenden Jahr konnte ich meine Frau überreden, unseren Urlaub in Norwegen zu verbringen. Wir fuhren dann wieder in die Tregder Gegend. Das Jahr darauf fuhren wir, mittlerweile zu viert, nach Skottevig.
Da ich mittlerweile von diesem Land so was von begeistert war, habe ich mich dann auch gleich in der VHS für einen Norwegischkurs angemeldet. Mittlerweile habe ich schon 3 Kurse besucht, kann mich mit Norwegern einigermaßen gut unterhalten und fahre jedes Jahr dorthin.
Mittlerweile habe ich immer noch kein Rod Pod, elektr. Bissanzeiger, usw. Aber ich besitze ein Echolot und ein GPS und kann Motorboot fahren. Und die DAM Quick habe ich auch noch. J

In diesem Sommer waren wir in Havik bei Farsund. Seitdem ist meine Frau auch schon ein bisschen norwegenbegeistert. Meine Tochter sowieso. Hat sie mich doch im Sommer mit der Anzahl (nicht das Gewicht) der gefangenen Fische überholt. J
Da sie die überwiegende Zeit dort mit norwegischen Kindern verbracht hat, kann sie auch schon ein paar Brocken norsk. Mit den Kindern steht sie im Briefkontakt. Sie schreibt die Briefe auf Deutsch, ich übersetzte sie und sie schreibt sie dann ab.
Nächstes Jahr geht es wieder nach Norwegen.

Vielleicht irgendwann für immer…………………
 
Nett geschrieben und Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor;)

Nur ein kleiner Unterschied, ich besitze Elektronische Bissanzeiger und auch die Karpfenliege sowie ein Rodpod:D Das wiederum verdanke ich meinem kumpel Lutz.
 
Norwegen

Hallo Jasom,:]

Klasse geschrieben, man kann so richtig mitfühlen. Wem ging´s eigentlich nicht ähnlich?:baby:

Schade nur, dass der Beitrag unter "Anglerlatein" steht - oder ist das etwa beabsichtigt ???
:rolleyes:
 
Danke Jasom,
man kann echt mitfühlen.
 
Mein erstes Mal

Einige Berichte vom „ersten Mal“ habe ich schon gelesen, nun möchte
ich mein erstes Mal (zumindest jenes, an dass ich mich erinnern kann)
niederschreiben.

Ich war noch in der Schule, ich denke 13, vielleicht 14 Jahre alt (das ist
jetzt über 25 Jahre her !!!). Meine Eltern fuhren mit mir nach Dänemark.
Es war bereits das zweite oder sogar dritte Mal, dass es uns zu unseren
nördlichen Nachbarn verschlagen hatte. Beim ersten Mal ging es nach
Svendborg, knapp hinter der deutschen Grenze, dieses Mal ging es,
glaube ich, auf die östliche Seite von Fyn. Eine Insel, wow, das ist doch
mal was. Und was das war. Wir fanden auf dem Campingplatz gleich
Anschluss an ein anderes, deutsches Pärchen (mit dem meine Mutter
heute noch einen guten Kontakt hat). Wenn ich nicht mit dänischen
Kindern spielte, fuhr ich mit meinem neuen Kumpel, der vielleicht 20
Jahre älter als ich, mit seinem Boot zum Angeln in den Langelandsund.
Er lieh mir eine seiner Angeln, seine Vorfächer, auch seine Wattwürmer
haben wir verwendet. Und das Angeln hat er mir beigebracht. Im Nach-
hinein wundert es mich schon, dass ich schon damals keinerlei Probleme
mit den Würmern oder den Fischen (schlachten und ausnehmen) hatte.
Ein dänischer Fischer zeigte uns damals, wie (einfach) man Plattfische
ausnimmt, bis heute habe ich keine bessere Möglichkeit gesehen.

Heute würde man ob des Wasserfahrzeugs vielleicht die Hände über dem
Kopf zusammenschlagen, aber wir waren auf dem Wasser, und nur das
zählte. Das Boot war ein Metzeler Schlauchboot, vielleicht 3,5m lang, ver-
fügte über einen festen Holzboden und hatte einen 6PS-Zweitakter hinten-
dran. GPS: vor 25 Jahren kannte man das noch nicht mal bei Raumschiff
Enterprise. Echolot: schon mal von gehört, aber das war´s dann auch.
Rettungsweste: was ist das? Ein flacher Boden unter dem Boot, also ein
Gleiter, kein Verdränger. Damals kannte ich den Begriff Drift noch nicht,
aber das war auch nicht nötig. Wir fischten mit Plattfischvorfach auf Platten,
und es wurde wirklich reichlich gelandet. Kaum war der Köder unten, rappelte
es und die Fuhre kam nach oben.

Auf der Rückfahrt wurde manchmal auch geschleppt, da wurde dann einfach
ein armer Blinker über Bord geschmissen und die Fische mussten „rennen“,
was die Flossen hergaben. Ich kann mich entsinnen, dass einmal sogar ein
Dorsch gebissen hat, vielleicht war´s ja ein Selbstmörder.

Seit dieser Zeit liebe ich das Meeresfischen, gleich ob vom Ufer oder vom
Boot, obwohl letzteres natürlich unübertroffen ist. Dann und wann gehe ich
auch an einem See und Fluss (meistens ein Altarm vom Rhein) angeln, aber
Süsswasserfischen (den Flossenträgern) kann ich, ehrlich gesagt, nicht viel
abgewinnen.
Meine Liebste freut sich jedoch dann und wann über einen netten Barsch oder
eine Forelle. Leider gibt es hier in Hessen eher wenig Meere, deshalb freue
ich mich um so mehr auf meine Angelurlaube.

Aus dieser Zeit kommt wohl auch meine starke Neigung zu allem, was nörd-
lich von uns liegt. Die Freundlichkeit und Natürlichkeit der Menschen ist um-
werfend, man hat jede Menge Platz um sich herum, die Natur ist phänomenal,
und man kann auch noch Fische fangen. Doch wem erzähl ich das ?!

Zwischendrin hatte ich, wie wohl viele andere Angler auch, meine Sinnkrise.
„Was soll ich das ganze Angelzeug noch aufheben, ich fang´ doch sowieso
nichts, ab in´s eBay mit dem Zeug“, etc. pp. Was für´n Glück, dass meine Holde
mich davon abgehalten hat, sonst hätte ich womöglich niemals meine zweite
Liebe –Norwegen- gefunden. Somit ist diese Sinnkrise auch überstanden.

Geangelt habe ich bis heute in Deutschland, Dänemark, Schweden, Nor-
wegen, Frankreich, Italien, Kanada und Kroatien (mit mehr oder minder
grossem Erfolg) und habe wieder meine Freude daran.

Grüsse aus Südhessen
Markus
 
Klasse! Beide Berichte:baby: :baby: :baby:
Da merkt man beim lesen wie gern ihr euch dran zurück erinnert.
 
Top Männers :baby:

Is schon schön an was mann sich so erinnern kann.

God Jul
 
Wunderbare Berichte ist Balsam auf der Seele!!!
 
Angeln - wie es bei mir angefangen hat

Ich war auch mal jung

Vielleicht war ich 12 oder 13 Jahre alt, es war Anfang der 60er des vorigen Jahrhunderts, meine Eltern hatten seit einigen Jahren eine Laube nahe Müggelsee in Berlin und ich entdeckte den Spaß am Angeln. Anfangen durfte ich mit einer Haselnußrute, vom Vater persönlich geschnitten. Plötzen, Güstern, Barsche, Ukeleis und Gründlinge waren meine ersten Beutefische. Manchmal reichte es sogar dafür, daß meine Mutter nicht sagte "dafür lohnt es sich nicht, die Pfanne schmutzig zu machen." Noch heute zieht mich meine ältere Schwester damit auf, daß ich als Steppke mal Streit mit einem anderen Burschen hatte wegen einem riesen Fisch (ca. 1kg Blei) :" der Fisch gehört mir, denn ich habe ihn gefangen!" - "Nein mir gehört er, da er mit meiner Angel gefangen wurde."
Irgendwann habe ich dann einen abgelegte 3,5m Bambusrute bekommen, bin in einen Angelverein eingetreten und habe beim Anangeln der Jugendgruppe mit einem gerade mal maßigen Aal den Tgessieg davongetragen (ja damals habe ich tatsächlich noch mit Wurm beim Wettkampf geangelt!). Als Preis erhielt ich eine 2-teilige 6m Bambusrute, Griffdurchmesser fast zu groß für meine Hände. Man war ich glücklich!
Aber das Angeln hat mir in all den Jahren nicht nur viel Spaß und Naturerlebnisse beschert sondern auch mein Leben positiv beeinflußt. Wie bei anderen meines Alters auch, hatten oftmals Hobbys (Fußball, Lesen, Radfahren) Vorrang vor der Schule, so daß die Leistungen nicht berauschend waren. Da kaufte mir mene Mutter eine Wurfrute zu Weihnachten, die ich natürlich beim Stöbern schon vorher entdeckte. Ich war 14 und sollte eine eigene Wurfrute bekommen!! Zu Weihnachten dann die Ernüchterung: die Rute gibts nur, wenn die schulischen Leistungen besser werden. Ich bekam die Rute schon nach dem nächsten Zeugnis!
Das zweite mal, daß Angeln mein Leben veränderte, war nicht weniger wichtig.
Ich war Mitte 20 und hatte erstmals feste Absichten, als ich vom Vater meiner Angebeteten zum Aalangeln auf seinem Boot eingeladen wurde. Ich (Nichtraucher) deckte mich also mit Zigaretten und einem kleinen Schluck ein, um Eindruck zu schinden. Am Vormittag ging es los, eine tiefe Stelle auf dem Müggelsee angesteuert und tatsächlich mitten am Tag Aal gefangen. Natürlich wurde ich auch auf Herz und Nieren geprüft und ausgefragt. Jedenfalls stand für den sympatischen Bootsbesitzer nach diesem Angeltag fest, ich sollte sein Schwiegersohn werden, und meine Flamme briet den Aal so lecker, daß ich nicht nein sagen konnte. Nun sind wir fast 30 Jahre verheiratet, und dieses Jahr gelang es mir bei unserem dritten Norwegenurlaub, meine Frau auch für das Angeln zu begeistern. Für nächstes Jahr haben wir schon wieder gebucht, äußerer Sognefjord.

Ich hoffe, Ihr habt etwas Spaß an meiner Geschichte und wünsche einen schönen 3. Advent

Petri

Hans
 
Schuld war Oppa !

Meine Ferien verbrachte ich mit meinen Großeltern immer
in Trebel, Lüchow-Dannenberg.

Da gingen einige Leute immer an die Elbe bei Vietze und Damnatz,
um das kärgliche Abendbrot mit frischem Fisch aufzuwerten.

Oppa fädelte da was ein:
Herr Schröder nahm sich meiner an, gab mir Rute, Rolle, Würmer
und ich fing Barsche bis zum Abwinken.

Werfen brachte er mir auch bei - und ich fing Hechte,
allerdings nicht bis zum Abwinken, sondern nur vereinzelt.

So war eine Leidenschaft geweckt...

Oppa bastelte "Angelruten" - Bambusstöcker vom Gärtner !
Nee, das ging nicht lange gut !

Dann eine Fiberglasrute, HOHLfieberglas -
eine Weltneuheit 1969. Mein ganzer Stolz,
weil an der Rute auch noch eine richtige Stationärrolle angebracht war !

1,80 lang und grün - so viel weiß ich noch.
Wo sie heute ist, weiß ich nicht mehr...

Aber die Geschichte der zweiten Rute werde ich nie
vergessen:

Es war ein MONTAG ! Ich hatte noch Schwimmen im
Goseriedebad und wollte mich dann mit Oppa treffen,
um eine neue Angel bei Kapune zu kaufen.

In der Tasche hatte ich neben meinem feuchten
Schwimmzeug noch was:

Eine Englischarbeit, unter der eine fette "5" wie gepinselt stand.........

Ist jetzt 36 Jahre her, aber diesen Nachmittag vergesse ich nie.
Riesenkloß im Hals, zitternde Knie und A n g s t vor zu Hause.
Ich beichtete ihm,
und er zeigte einmal mehr sein großes Herz !!!!!!

DANKE, OPPA !
Und die Angel habe ich heute noch,
wird nicht mehr eingesetzt, weil ich dem Süsswasserangeln nix
mehr abgewinnen kann.

Wie das dann mit Norwegen kam, schrieb ich schon vor langer Zeit.



Meinen Vorschreibern übrigens ein großes Lob:

Habt ihr fein geschrieben,
ist tatsächlich "Balsam für die Seele", wie Steffen oben bemerkte.


Ich grüße alle "Fünfen-Schreiber" dieser Welt
und denke mit Wehmut zurück an meinen "OPPA"
Heiko
 
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